Papstbesuch

Kuba begnadigt Gefangene im großen Stil

Vor dem Besuch von Papst Franziskus begnadigt Kuba demonstrativ über 3500 Gefangene – wie schon bei Besuchen von Franziskus' Vorgängern. Ob auch politische Gefangene freigelassen wurden, ist nicht bekannt.
Kuba macht sich für den Besuch von Papst Franziskus hübsch. Dazu gehört auch eine große Welle an Begnadigungen. Quelle: dpa
Über 3500 Häftlinge freigelassen

Kuba macht sich für den Besuch von Papst Franziskus hübsch. Dazu gehört auch eine große Welle an Begnadigungen.

(Foto: dpa)

HavannaKuba will anlässlich des Papst-Besuchs in rund einer Woche mehr als 3500 Häftlinge begnadigen. Die Führung in Havanna machte am Freitag keine Angaben dazu, ob darunter auch politische Gefangene, Dissidenten oder Angehörige von Menschenrechtsorganisationen sind.

Staatliche Medien berichteten, mit einer Freilassung könnten Gefangene im Alter von über 60 oder unter 20 Jahren rechnen, die kein längeres Strafregister hätten. Auch Frauen, chronisch Kranke und Ausländer würden begnadigt. Ausgenommen seien unter anderem Mörder, Vergewaltiger, Kinderschänder und Drogen-Händler. Die Inhaftierten würden in den kommenden drei Tagen auf freien Fuß gesetzt.

Ein Land zwischen Nostalgie und Aufbruch
Der Revolutionsplatz
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Er wirkt eher schmucklos und schlicht – dennoch ist er wohl einer der wichtigsten Plätze in Kuba: Der Revolutionsplatz im Zentrum der Hauptstadt Havanna. Dort halten die Castros ihre politischen Reden, die schon mal bis zu acht Stunden dauern können. Doch außerhalb solcher repräsentativen Momente ist der Platz meist menschenleer, nur der alte Revolutionär und Castro-Vertraute Camillo Cienfuegos wacht dann über den Asphalt. Wie viel revolutionärer Geist wohnt Kuba noch inne?

Che Guevara in der Hafenstadt Cienfuegos
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Auf den Straßen der Metropolen wie Havanna oder Cienfuegos an der Südküste der Insel sind die alten Revolutionäre um Che Guevara noch allgegenwärtig, dem toten Revolutionär wird gehuldigt: „Dein Vorbild lebt. Deine Ideen bestehen weiter.“ Sichtbar sind die Symbole aber vor allem dort, wo die Touristen vorbeigeführt werden. Sie sollen einen stolzen, sozialistischen Staat in Erinnerung behalten.

Der Malecón in Havanna
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Den Eindruck von Stolz und vor allem von Freiheit vermittelt etwa auch der Küstenboulevard Malecón. Dort brausen viele Oldtimertaxis mit Touristen umher, doch auch die Einheimischen entspannen abends an der Kaimauer. Die Atmosphäre ist lässig und unbesorgt.

Verfallene Straßen nahe des Malecóns
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Abseits der repräsentativen Plätze wird das Stadtbild Havannas dagegen nicht so sorgfältig gepflegt. Stolze Revolutionssymbole sucht man in den Seitenstraßen der Uferpromenade Malecón umsonst, kleine Pinbilder der Castros an den Wänden kleiner Läden sind das Höchste der Gefühle. Die Fassaden der alten Kolonialbauten bröckeln, Brachen bleiben lange Zeit ungenutzt. Denn Investitionen in Neubauten gibt es kaum.

Streetart in den Seitenstraßen von Havanna
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Stattdessen versuchen die Kubaner ihre alten, kaum instand gehaltenen Wohnbauten mit eigenen Mitteln möglichst wohnlich zu gestalten. Straßenkunst lockert die Atmosphäre des Verfalls etwas auf – da ist eben die eigene Kreativität gefragt, wie so oft im Alltag der Kubaner.

Warteschlangen vor den Boutiquen
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Denn in der staatlichen Planwirtschaft ist nicht immer sicher, ob man seine individuellen Pläne so umsetzen kann, wie man will. Welche Waren noch da sind, wenn man beim Samstagseinkauf vom Türsteher der Boutique eingelassen wird, ist vorab nie abzusehen. Deshalb bilden sich vor beliebten Geschäften dann schon mal kleine Menschentrauben wie hier in der Fußgängerzone in Cienfuegos. Ein Bild, das sich in Deutschland wohl höchstens noch in der Hysterie um die Neueröffnung eines Primark oder eines Appleshops bietet. Viele Kubaner hoffen, dass die Annäherung an die USA ein wenig mehr Planbarkeit bringt.

Höhepunkt für junge Kubanerinnen
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Schließlich gibt es Momente, in denen einfach nichts fehlen sollte: Hier wird eine junge Kubanerin in Trinidad auf ihre Quinceañera vorbereitet. In vielen lateinamerikanischen Ländern und auch in Kuba wird der 15. Geburtstag der Mädchen als Übergang ins Erwachsenenalter mit viel Pomp gefeiert. Wenn eine Familie es sich leisten kann, fährt sie an diesem Tag alle Geschütze auf, inklusive Make Up-Artist und Fotografenteam.

Papst Franziskus besucht den sozialistischen Karibik-Staat vom 19. bis 22. September. Bereits bei Besuchen seiner Vorgänger Benedikt XVI. und Johannes Paul II. hatte Kuba Inhaftierte begnadigt.

  • rtr
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