„Paradise Papers“ Steuer-Lecks setzen Politiker unter Druck

Nach den „Panama Papers“ gibt es eine neue Veröffentlichung zu Steueroasen: In 13,4 Millionen Dokumenten sollen 120 Politiker aus fast 50 Ländern auftauchen. Besonders im Fokus steht US-Handelsminister Wilbur Ross.
Update: 06.11.2017 - 08:55 Uhr 14 Kommentare

Geheimdokumente entlarven Großkonzerne und Superreiche

Geheimdokumente entlarven Großkonzerne und Superreiche

Washington, Islamabad Nach den „Panama Papers“ bringt eine neue Veröffentlichung zu millionenfachen Daten über Steuertricks weltweit Politiker, Prominente und Konzerne unter Druck. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, die dem Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) angehört, geht es um Briefkastenfirmen von einer Anwaltskanzlei auf den Bermudas und einer Firma in Singapur. Das neue riesige Datenleck wurde von den Autoren „Paradise Papers“ getauft.

Insgesamt gehe es um 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen, es würden etwa die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auftauchen, dazu Unternehmer, Sportler und Unternehmer. Auch zu Geschäftspraktiken einiger Weltkonzerne gebe es Informationen, ebenso zu bekannten deutschen Unternehmern und Firmenerben.

Besonders in den Fokus wird von der „Süddeutschen Zeitung“ und den anderen beteiligten Medien zum Beispiel US-Handelsminister Wilbur Ross gerückt. Er profitiere als Privatmann von Geschäften mit einer Firma, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehöre. Sonderermittler Robert Mueller untersucht derzeit mögliche Kontakte der US-Regierung nach Russland im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl und eine mögliche Beeinflussung aus Moskau, um dem Trump-Lager zum Sieg zu verhelfen.

Im Fall des US-Handelsministers soll es um eine Beteiligung an einer Reederei gehen, zu deren Kunden der russische Energiekonzern Sibur gehöre. Die Reederei Navigator habe seit 2014 mit Sibur Geschäfte im Wert von mehr als 68 Millionen Dollar abgewickelt. Allerdings bleibe unklar, wie stark Ross hier engagiert sei. Es ist bereits bekannt, dass der Milliardär große Investments im Schifffahrtsbereich hat und Offshore-Firmen waren auch bereits ein Thema bei seinem Bestätigungsverfahren im Senat. Ross bestreitet nach Angaben der Zeitung, dass seine Geldanlage Einfluss auf seine Amtsführung habe.

In den Daten sollen insgesamt ein Dutzend Berater und Großspender von US-Präsident Donald Trump auftauchen. Auch Vermögenswerte der britischen Queen Elizabeth II. sollen den Berichten zufolge eine Rolle spielen - Geld soll in einer Kaufhauskette angelegt worden sein, die bei Ratenzahlungen Wucherzinsen verlangt habe. Zudem taucht eine Verbindung zum argentinischen Finanzminister Luis Caputo auf. Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos soll unter anderem Chef einer auf Barbados registrierten Holding gewesen sein, bevor er im Jahr 2000 Finanzminister Kolumbiens wurde.

Wie die ICIJ-Journalisten an die Daten, die auch Firmenregister von 19 Steueroasen enthalten, herankamen, wurde nicht preisgegeben. Der in Russland lebende US-Whistleblower Edward Snowden begrüßte die Veröffentlichungen via Twitter mit den Worten: „Leak day is my favorite day“ - übersetzt: „Ein Datenleck-Tag ist mein Lieblingstag.“ Im Jahr 2013 hatte Snowden massenhaft Dokumente des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) gestohlen und an Journalisten weitergeben - die Enthüllungen lösten schwere Verwerfungen aus.

Das Ausnutzen von Steuerschlupflöchern ist nicht per se kriminell - aber dadurch entfallen Milliarden-Steuerzahlungen, die sonst dem Gemeinwohl zugute kommen würden - zudem wird die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft. Der Chef der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn kritisierte: „Es gibt eine Regel für die Super-Reichen - und eine andere für den Rest, wenn es um das Zahlen von Steuern geht.“

Mehr als 380 Journalisten beteiligt
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14 Kommentare zu "„Paradise Papers“: Steuer-Lecks setzen Politiker unter Druck"

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  • @ Rainer von Horn 06.11.2017, 11:50 Uhr und 06.11.2017, 11:40 Uhr

    Das könnte die AfD doch einmal thematisieren, statt sich monothematisch auf Flüchtlinge zu kaprizieren - die Stimmen aus dem saturierten Besitz -Bürgertum (die weitestgehend "igitt" rufen, wenn man sie auf die AfD anspricht) wären ihr sicher.... ;-)

  • Oh Sorry, ahtte noch die Studie "The Looming Threat of Debt Restructuring“ von Ex-IWF Chef Roggof und Carmen Reinhard vergessen.

    http://www.focus.de/finanzen/boerse/attacke-auf-das-vermoegen-iwf-bringt-schuldensteuer-ins-gespraech_id_4086553.html

    Ich denke, jeder Normalbürger sollte ein Anrecht auf so ein Nummern-Konto in ´ner Steueroase haben -quasi als Basis-Briefkasen-Konto-, soll sich doch nachher mit den Staatsschulden rumschlagen, wer will....

    :)

  • Bitte etwas mehr verständnis für notleidende Politiker, schliesslich wollen die bei der absehbare Rasur der Spar- und Grundvermögen nicht im gleichen Masse mitmachen, wie sie es von den vertretenen Bürgern verlangen. Rasur-Konzepte haben bereits vorgelegt:

    1. Die Boston Consulting -Group mit dem Klassiker "Back to Mesopotamia?"
    https://www.bcg.com/documents/file87307.pdf
    2. Der IWF:
    https://www.welt.de/wirtschaft/article169840320/Jetzt-fordert-der-IWF-eine-neue-Umverteilungspolitik.html
    3. eine "regierungsnahe" französische Denkfabrik:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/denkfabrik-der-franzoesischen-regierung-enteignung-fuer-den-schuldenabbau/20442186.html

    Wann hackt endlich mal jemand die Stueroasen in Delaware und Wisconsin? Wäre gespannt, welche Namen da auftauchen.

  • Noch eine Ergänzung zu G. Nampf 06.11.2017, 09:23 Uhr:

    "...aber dadurch entfallen Milliarden-Steuerzahlungen, die sonst dem Gemeinwohl zugute kommen würden..."

    Wir leben in einer Zeit, in der Politiker das Gemeinwohl mit ihren eigenen Wohl verwechseln. Wenn Politiker verantwortungsvoll mit dem erhobenen Steuergeld umgehen würden, anstattt es in die eigene Tasche zu wirtschaften bzw. es für maßlose Prestigeprojekte zu verpulvern, bräuchte man diese Diskussion nicht zu führen und könnte die Steuern für die Ärmeren dieser Gesellschaft sogar senken oder ganz abschaffen.

    Stattdessen wird das Geld mit Schaufeln in den Ofen gefeuert, eine nutzlose Gerechtigkeitsdebatte losgetreten und sich über die bööööööhsen Reichen echauffiert, die die verliebenen Möglichkeiten natürlich nutzen.

  • Lächerlich, das Ganze. Heute früh war Chef-Investigator Mascolo von der SZ (vorher SPIEGEL ChRed) im DLF-Interview. Er sagt doch allen Ernstes den Satz, von den 13,4 Mio (!!) Dokumenten würde jedes daraufhin geprüft, ob es für eine Veröffentlichung relevant sei. Schon klar, Mascolo und Co lesen 13.400.000 umfangreiche Dokumente intensiv durch. Dass die die vom SPIEGEL diesen Kasper nicht mehr haben wollten, ist verständlich.

  • Es ist doch völlig legal sein Geld auf den Bermudas oder sonst wo anzulegen.
    Was ist an der Sache neu ?

  • ist ja auch wirklich verwerflich, wenn irgendwelche Personen oder Firmen Geschäfte tätigen, die nicht verboten sind. Früher hat man Menschen, die sich moralisch nicht einwandfrei verhielten (nach Meinung der Kirche) physisch an den Pranger gestellt. Heute stellt man Menschen, die sich nach Meinung der Medien moralisch falsch verhalten, psychisch an den Pranger. Mitarbeiter dazu verleiten zum Schaden ihres AG Firmeninternas zu verraten und diese dann zu veröffentlichen, ist eine Straftat. Falls ich von diesen Leuten persönliche Daten veröffentlichen würde, stände sofort ein Rechtsanwalt mit einer gebührenbewerten Abmahnung auf der Matte.

  • Ich bin allerdings etwas verwirrt:
    Wenn die Russen McDonalds Geld für Hamburger geben, beeinflussen sie dann die US-Wahlen?
    Oder beeinflusst McDonalds die russischen Wahlen, wenn es Hamburger an Russen verkauft und sie abhängig vom Konsum amerikanischer Produkte macht?
    Könnte man das in einer Umfrage unter 100 Russen, Amerikanern und Deutschen mal klären?

  • "Das Ausnutzen von Steuerschlupflöchern ist nicht per se kriminell - aber dadurch entfallen Milliarden-Steuerzahlungen, die sonst dem Gemeinwohl zugute kommen würden - zudem wird die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft. "


    Wenn es nicht illegal ist, dann ist es legal -> Fertig!

    Es ist die Aufgabe der Politik, solche Schlupflöcher zu schließen. Wenn sie das nicht schafft, dann sollen Politiker aufhören, sich darüber zu beklagen - es ist schließlich das eigene Versagen, über das gezetert wird.

  • Ist das die Rache der US - Demokraten, die nicht aufhören zu wühlen. Die Demokraten haben aber aber selbst genug Dreck am Stecken, wie die Verhaftung
    Tony Podesta´s am Wochenende zeigt. Sein Bruder,John Podesta, der ehemalige Wahlkampfmanader H.Clintons muss sich ebenfalls stellen. Er darf das Land nicht verlassen. Da kommt auch noch was. Leider berichtet nur die Epoch Times darüber.

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