Paris, Ankara, Sinai, Libanon
IS-Terror im Wochentakt

Paris, Beirut, Ankara, Sinai: Der IS erschüttert mit einer Serie von Anschlägen die Welt. Die Terrormiliz demonstriert ihre Macht – weit über die Grenzen des ausgerufenen „Kalifats“ hinaus. Die Attentate im Überblick.
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Bis vor einigen Tagen sah es so aus, als würde es eine schlechte Woche für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). In Nordsyrien drängten Anhänger des Regimes die Dschihadisten zurück. Im Nordirak begannen die Kurden eine großangelegte Offensive mit schnellen Erfolgen. Dann kam der Donnerstag – und mit ihm begann eine Anschlagsserie, die der Welt deutlich vor Augen führt, wie mächtig der IS weit über seine Herrschaftsgrenzen im selbst ausgerufenen „Kalifat“ auf syrisch-irakischem Gebiet hinaus geworden ist.

Denn wann immer das von den Extremisten ausgerufene „Kalifat“ militärisch in Bedrängnis gerät, sucht es durch andere Aktionen Aufmerksamkeit, etwa durch die Veröffentlichung brutaler Enthauptungsvideos. Der IS braucht militärische Erfolge und spektakuläre Terrorakte, um sich die Gefolgschaft zu sichern. Die Terrormiliz wirkt nicht zuletzt deswegen auf viele Anhänger attraktiv, weil sie und ihr Anführer Abu Bakr al-Bagdadi als mächtig und rücksichtslos gelten. Und das zeigte sich in den vergangenen Wochen mehr als deutlich.

10. Oktober: Türkei

Bei einem Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara werden 102 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt. Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich während einer Demonstration linker und prokurdischer Gruppen in die Luft. Einer der Attentäter rief kurz zuvor „Allahu akbar“ (Gott ist groß). Die Sprengsätze wiesen zudem große Ähnlichkeiten mit den Sprengsätzen vom Anschlag in Suruç in der Nähe der syrischen Grenze, bei dem am 20. Juli 34 Menschen starben, auf.

Die Staatsanwaltschaft macht den IS, die sich ebenfalls dazu bekannt hat, für den neuerlichen und folgenschwersten Anschlag in der Geschichte des Landes verantwortlich. Die Türkei fahndet seitdem verstärkt nach Dschihadisten. Die türkische Opposition und die Gewerkschaften sehen das Attentat als einen direkten Angriff auf ihre Organisationen an. Die Täter hatten sich bei einer Friedensdemonstration in die Luft gesprengt, zu dem ein Bündnis linker Parteien und Gewerkschaften aufgerufen hatte.

31. Oktober: Ägypten

Alle 224 Insassen eines russischen Airbus 321 kommen ums Leben, als die Maschine auf der Sinai-Halbinsel abstürzt. Der IS bekennt sich dazu, auf das Flugzeug einen Bombenanschlag verübt zu haben. Die USA und Großbritannien halten dies für glaubwürdig. Dann kommt am 17. November die Bestätigung aus Russland: Der Absturz der russischen Passagiermaschine über Ägypten ist nach Erkenntnissen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB von einer Bombe an Bord verursacht worden.

Es handele sich eindeutig um einen Terrorakt, sagte FSB-Chef Alexander Bortnikow bei einer Sitzung mit Präsident Wladimir Putin in Moskau. Putin drohte den Tätern mit Vergeltung. „Wir werden sie überall auf diesem Planeten finden, und wir werden sie bestrafen“, betonte er. Auf Hinweise zu den Urhebern setzt der russische Geheimdienst eine Belohnung von 50 Millionen Dollar aus.

Kurz darauf wird bekannt, dass Russland die syrische Stadt Rakka aus der Luft heraus angreift. Seit September hatte das russische Militär Angriffe auf Syrien geflogen – offiziell galt schon damals die Intervention laut Moskau dem IS. Eine Darstellung, aber die aber unter anderem Frankreich angezweifelt hatte. Denn die bis dato bombardierten Gebiete (etwa die Provinz Hama und die Küstenprovinz Latakia) werden überwiegend nicht vom IS, sondern von der mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundenen Al-Nusra-Front und anderen islamistischen Gruppen kontrolliert. Rakka allerdings gilt als inoffizielles Zentrum des IS.

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  • Kersey@
    Man läßt seine Gegner nicht ins Land, allein von daher sind Sie im Irrtum.

  • Die asymmetrische Kriegsführung hat uns erreicht: Eine Bombenattrappe und ein Anruf genügen anscheinend, um das öffentliche Leben nachhaltig zu stören! Bezeichnend dabei ist, dass diejenigen, die der Bevölkerung vorbeten, man solle sich vom Terror nicht beeinflussen lassen, am schnellsten vor Angst davonlaufen! Der Bundestag hat die vordringliche Aufgabe, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, die bei terroristischer Gefährdung Inhaftierungen ermöglichen, bevor eine Straftat begangen wurde. Der Sumpf, der Gewalt gebirt, muss schleunigst ausgetrocknet werden

  • @Paul Kersey

    Sie erlauben, dass ich andrer Meinung bin. Die zurückgekehrten IS-Kämpfer mit europäischen Pässen stellen in der Tat ein grosses Gefahrenpotential da.

    Sie wären einfach als Gefahrenquelle auzuschalten, wenn man sie geschlossen internieren würde, wie es in Kriegszeiten mit feindlichen Kombatanten immer üblich gewesen ist.

    Wenn die Rechtsgrundlage für eine Internierung zur Zeit fehlen sollte, wäre dieser Umstand zu korregieren. Jeder IS-Kämpfer als Rückkehrer ist zu einem Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu erklären, die Mitgliedschaft in einer solchen Vereinigung ist mit Freiheitsentzug zu ahnden.

    Sicherheitskreise gehen inzwischen davon aus, dass tausende IS-Kämpfer über die Türkei und Griechenland in die EU eingesickert sind.

    Diese Kämpfer zu gegebener Zeit zu aktivieren ist Bestandteil der Strategie des IS.

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