Paris, die Anschläge und die Folgen
Vorbild Israel? – Die harte Antwort auf den Terror

Im Kampf gegen den Terror hat kein Land mehr Erfahrung als Israel. Trotz der ständigen Bedrohung durch Terroristen passiert vergleichsweise wenig. Wird Israel zum Vorbild für das jetzt bedrohte Europa?

Die Straße, an der mein Tel Aviver Büro liegt, wird alle paar Monate gesperrt. Polizeifahrzeuge fahren vor. Ein kleiner Roboter wird losgeschickt, begleitet von Spezialisten, die wissen, wie man Bomben entschärft. Die Sicherheitskräfte reagieren damit auf den Anruf von Anwohnern, denen ein verdächtiges Objekt aufgefallen ist.

Israeli sind stets auf der Hut. Sie wissen, dass sie der Terror jederzeit und überall treffen kann. Ihrer Wachsamkeit sei es zu verdanken, dass zahlreiche Terrorattacken im letzten Moment verhindert werden konnten, sagen Experten in Tel Aviv. Sie wundern sich jetzt darüber, dass die Attentäter im Pariser Konzertsaal Bataclan während zwei Stunden und 50 Minuten einen Menschen nach dem anderen erschießen konnten, ohne dass sich die Menge wehrte.

„Bei uns“, spekuliert ein Anti-Terror-Spezialist, „wären die Attentäter aus dem Publikum heraus nach 60 Sekunden neutralisiert worden.“ Auch die israelische Polizei hätte schneller eingegriffen. Die israelische Gesellschaft habe gelernt, spontan und improvisiert zu reagieren, wenn sie bedroht sei.

Der Umgang mit dem Terror-Risiko gehört in Israel zum Alltag. Ohne zu murren, nimmt man von Naharia bis Eilat und von Tel Aviv bis Jerusalem zahlreiche Unannehmlichkeiten hin. Dazu gehört zum Beispiel die Kontrolle von Taschen, bevor man ein Einkaufszentrum oder einen Theatersaal betritt. Wenn sie im Ausland sind, wundern sich Israeli dann über die Selbstverständlichkeit, mit der sie – ohne inspiziert zu werden – in den Bahnhof oder in den Supermarkt gehen können.

Wer am Tel Aviver Flughafen je eingecheckt hat, kennt die peinlich genauen Sicherheitskontrollen. Was er vielleicht nicht weiß: Das Prozedere, das dem Terror keine Chance lassen will, gilt in Europa als politisch inkorrekt, weil nicht alle Passagiere gleich behandelt werden. Um trotz der Kontrollen die Abfertigung möglichst effizient zu gestalten, begnügt man sich bei den meisten Reisenden mit Routinefragen. Personen aber, bei denen aufgrund ihrer Herkunft ein Verdacht besteht, dass sie das Flugzeug zum Absturz bringen wollen, werden zur Seite genommen und ausgiebig verhört.

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Freiheit nicht um jeden Preis

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