Paris und die Folgen im Newsblog
„Syrien ist die größte Terrorismusfabrik der Welt“

Ermittler haben den Belgier Abdelhamid Abaaoud als Drahtzieher der Anschläge benannt. Unter den Todesopfern sind zwei Deutsche. Geplant wurde der Terror in Syrien. Präsident Hollande fordert eine Allianz gegen den IS.
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Die Terroranschläge von Paris erschüttern die Welt. Die Ermittlungen der französischen Behörden laufen auf Hochtouren – Paris ist im Ausnahmezustand. Und Frankreich wird auch militärisch aktiv, wie François Hollande es angekündigt hat. Hier die wichtigsten Nachrichten des Tages im Newsblog.

+++ Hollande fordert Europas Unterstützung / Terrorgefahr in Europa / Mutmaßlicher Drahtzieher +++

Für heute Abend beenden wir den Newsblog an dieser Stelle. Die Ereignisse des Tages können Sie chronologischer Reihenfolge im Newsblog nachlesen oder in der Zusammenfassung der aktuellen Ereignissen. Handelsblatt-Korrespondent Thomas Hanke hat sich mit der neuen Strategie von Frankreichs Präsident Hollande befasst. Zudem haben wir noch ein aktuelles Portrait des mutmaßlichen Drahtziehers.

+++ Das Wichtigste in Kürze +++

  • Die Terroranschläge von Paris mit mindestens 129 Toten sind von Extremisten verübt worden, die in drei Gruppen unterwegs waren und sich mit großer Sicherheit untereinander abgestimmt haben. Unter den Getöteten sind auch zwei Deutsche.
  • Einer Tätergruppe ist vermutlich die Flucht gelungen. Frankreichs Premier Manuel Valls warnt vor Angriffen des IS auch in anderen europäischen Ländern.
  • Frankreich will seinen Kampf gegen den IS mit noch größerer Härte fortführen und verstärkt seine Bombardements in Syrien.
  • Zwei der Attentäter sollen aus Belgien stammen – ein Belgier soll auch der Drahtzieher der Anschläge sein. Bei einer Razzia in Brüssel wurden mehrere Verdächtige festgenommen und gegen zwei Haftbefehl erlassen.
  • An diesem Montag gedachte Europa mit einer Schweigeminute um 12 Uhr den Opfern der Terroranschläge.

+++ US-Geheimdienst erwartet weitere Anschläge +++

CIA-Chef John Brennan geht davon aus, dass der Islamische Staat bereits weitere Angriffe vorbereitet. Der Anschlag in Paris dürfte kein "einmaliges Ereignis" gewesen sein, sagt Brennan in einer Rede.

+++ Zweites deutsches Todesopfer identifiziert +++

Nach den Terroranschlägen in Paris ist ein zweites deutsches Todesopfer identifiziert worden. Dies teilte das Auswärtige Amt am Montag in Berlin mit.

+++ Hollande will Ausnahmezustand auf drei Monate verlängern +++

In einer Sondersitzung von beiden Parlamentskammern in Versailles sagte der französische Präsident Francois Hollande: „Frankreich befindet sich im Krieg“. Es sei aber kein Krieg der Zivilisationen, weil die Attentäter keine Zivilisation verträten. Er kündigte an, den Ausnahmezustand auf drei Monate zu verlängern. Einen entsprechenden Gesetzentwurf werde er dem Parlament vorlegen. Zudem kündigt er eine Verfassungsänderung an, um wegen Terrorismus verurteilten Bürgern mit doppelter Staatsbürgerschaft schneller den französischen Pass entziehen zu können. Auch müsse Doppel-Staatsbürgern die Einreise verwehrt werden können, wenn sie ein „Terror-Risiko“ darstellten. Binnen zwei Jahren sollen 5000 neue Polizisten eingestellt werden, um die Sicherheit zu erhöhen.

+++ Treffen mit Obama und Putin +++

Frankreichs Präsident François Hollande will den Uno-Sicherheitsrat im Kampf gegen des Islamischen Staat (IS) anrufen. Die Notwendigkeit der Zerstörung des IS sei eine Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, sagte Hollande bei einer Sitzung der beiden französischen Parlamente Nationalversammlung und Senat in Versailles. Er werde sich in den nächsten Tagen mit US-Präsident Barack Obama und Kremlchef Wladimir Putin treffen, um eine einheitliche Strategie in Syrien und gegen den IS zu erreichen. „Was wir brauchen, ist eine gemeinsame Bewegung all jener, die gegen den Terrorismus kämpfen“, sagte Hollande. „Syrien ist zur größten Terrorismusfabrik der Welt geworden.“


+++ „Aggression gegen unsere Werte“ +++

Mit den jüngsten Terrorattacken sind nach den Worten von Präsident François Hollande die Werte Frankreichs angegriffen worden. „Sie sind eine Aggression gegen unser Land, unsere Werte, unsere Jugend und unseren Lebensstil“, sagte Hollande. Diese Angriff erfolge, weil Frankreich das Land der Freiheit und der Menschenrechte sei. Die Republik habe bereits andere Prüfungen überstanden, das Land sei immer noch da und lebendig. „Unsere Demokratie hat sehr viel schlimmere Feinde überwunden als diese abscheulichen Mörder.“

+++ Attentate wurden in Belgien organisiert +++

Unter den Opfern der Anschläge von Paris sind nach Angaben von Präsident François Hollande mehrere Dutzend Ausländer. Es gebe Opfer aus 19 Ländern, sagte er am Montag vor dem französischen Kongress in Versailles. Hollande erklärte, die Attentate vom Freitagabend seien in Syrien entschieden und geplant worden. „Sie wurden in Belgien organisiert“, so Hollande weiter.

+++ Neue Drohung des IS +++

In einer neuen Videobotschaft hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Frankreich und seinen Verbündeten mit weiteren Terrorangriffen gedroht. „Wir erneuern unseren Aufruf an die Muslime in Europa, im ungläubigen Westen und überall, die Kreuzfahrer in ihrer Heimat und wo immer sie sind zu attackieren“, sagt ein Sprecher in einem rund elfminütigen Film, der am Montag über die sozialen Medien im Internet verbreitet wurde.

Zudem droht ein Kämpfer den Staaten, die mit Frankreich zusammen Luftangriffe in Syrien und im Irak fliegen: „Bei Gott, ihr werdet einen Tag erleben wie Frankreich.“ Weiter sagt er: „Wir haben Frankreich in Paris getroffen. Ich schwöre bei Gott, wir werden Amerika auf seinem eigenen Boden schlagen. Wir werden Rom erobern.“ Die Authentizität des Videos ließ sich zunächst nicht überprüfen. Es ähnelt aber ähnlichen Veröffentlichungen des IS. Am Ende werden Teile der Erklärung eingeblendet, mit der sich die Extremisten am Samstag zu der Terrorserie in Paris bekannt hatten.

+++ Obama: US-Bodentruppen in Syrien wären ein Fehler +++

Barack Obama bezeichnet die Anschläge von Paris als schrecklichen Rückschlag im Kampf gegen den IS, in dem es aber Fortschritte gebe. So sei die Miliz in einigen Regionen zurückgedrängt worden, sagte der US-Präsident nach Abschluss des G20-Gipfels. Eine Entsendung von eigenen Bodentruppen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat schloss Obama aus. Eine solche Offensive wäre ein Fehler.


+++ Türkei will keine Bodentruppen schicken +++

Nach den Worten von Außenminister Feridun Sinirlioglu will die Türkei keine Bodentruppen ins benachbarte Syrien schicken. Das sei auch kein Thema beim G20-Gipfel in Belek gewesen, betont er. Es würden aber neue Sicherheitsmaßnahmen gegen die Extremistenmiliz IS unternommen.

+++ Deutschland hält militärische Beteiligung an Anti-IS-Kampf offen +++

Die Bundesregierung legt sich nicht auf eine mögliche Beteiligung an einem Militäreinsatz gegen die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) fest, zeigt sich aber zurückhaltend. „Es gibt keine derartige Anfrage an uns und deswegen ist es auch unsinnig, darüber zu spekulieren“, sagte Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel unter Verweis auf die französische Regierung. Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz verwies darauf, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel Frankreich „jedwede Unterstützung“ nach den Anschlägen zugesagt habe. Es könne sein, dass es eine militärische Reaktion der betroffenen Staaten gebe. Wirtz machte aber zugleich deutlich, es gebe „viele andere Mittel außer den militärischen Mitteln, um in dieser Eskalation oder Bedrohungslage jetzt zu handeln“.

+++ Sicherheitslage vor dem deutschen Länderspiel +++

Vor dem Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande am Dienstagabend in Hannover rücken Sicherheitsfragen in den Vordergrund. Die Behörden treffen Vorkehrungen, um das Terrorrisiko zu senken. Auch das Sicherheitskonzept für die EM 2016 wird vom DFB überprüft. Vizekanzler Sigmar Gabriel wünscht sich die Marseillaise beim Länderspiel: „Ich übrigens fände es toll, wenn dort die Marseillaise gespielt wird als Zeichen unserer Verbundenheit mit Frankreich und Paris“, sagte Gabriel.

+++ Verwirrung um angebliche Festnahme +++

Der öffentlich-rechtliche belgische Rundfunk hat einem Bericht des Privatsenders RTL widersprochen, der international gesuchte mutmaßliche Attentäter Abdeslam Salah sei in Belgien verhaftet worden.

+++ Belgischer Dschihadist soll Paris-Anschläge geplant haben +++
Französische Ermittler haben den Belgier Abdelhamid Abaaoud als mutmaßlichen Drahtzieher der Paris-Anschläge benannt. Mindestens einer, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter seien Freunde von Abaaoud gewesen, hatte zuvor die belgische Tageszeitung „De Standaard“ unter Berufung auf belgische Sicherheitsdienste berichtet. Der Sender RTL meldete ohne Angabe von Quellen, Ermittler hätten Abaaoud als Drahtzieher identifiziert. Abaaoud gilt bereits seit längerem als der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten haben. Früher lebte er in dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek.


+++ Zwei weitere Attentäter von Paris identifiziert +++

Einer der Selbstmordattentäter aus dem Pariser Konzertsaal „Bataclan“ stand schon einmal wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung unter Verdacht. Gegen Amy Amimour wurde wegen einer versuchten Reise in den Jemen 2012 ermittelt, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Montag mit. Zudem war an den Anschlägen ein Mann aus Syrien beteiligt. Die Fingerabdrücke eines Attentäters stimmten mit denen eines Mannes überein, der im Oktober in Griechenland registriert wurde, sagt der Staatsanwalt.


+++ Großbritannien will Geheimdienste massiv stärken +++

Der britische Premierminister David Cameron will die Geheimdienste deutlich aufstocken. Es sollten 1900 neue Stellen geschaffen werde, sagte Cameron am Montag beim G20-Gipfel in der Türkei. Zudem sollen die Ausgaben für die Sicherheit auf Flughäfen verdoppelt werden, wie die britische Nachrichtenagentur Press Association weiter berichtete. Zugleich sagte Cameron nach BBC-Angaben, britische Sicherheitsbehörden hätten in den vergangenen Monaten sechs Terroranschläge vereitelt. Cameron plädierte erneut dafür, dass die britischen Streitkräfte an Luftangriffen auf Stellungen der Terrormilizen IS auch in Syrien teilnehmen - bislang fliegen britische Piloten nur im Irak Angriffe auf IS-Stellungen. Großbritannien befinde sich in einem „Generationen-Kampf“ gegen den Terrorismus, wurde Cameron zitiert.

+++ G20-Staaten wollen Terroristen den Geldhahn zudrehen +++

Nach der Anschlagserie von Paris wollen die G20-Staaten dem internationalen Terrorismus den Geldhahn zudrehen und die Bewegungsfreiheit von Extremisten einschränken. Das geht aus dem Entwurf der Abschlusserklärung des G20-Gipfels in Belek bei Antalya hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Dort heißt es, die Zusammenarbeit zur Austrocknung der Finanzkanäle von Terroristen solle ausgebaut werden. Um den wachsenden Strom von Extremisten einzudämmen, die nach Ausbildung und Kampf in Bürgerkriegsländern in ihre Heimat zurückkehren und dort eine Terrorgefahr darstellen, sollen die Grenzen besser überwacht werden.

+++ Premier Valls warnt vor Anschlägen in ganz Europa +++

Nach den Worten von Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls werden weitere Anschläge nicht nur in Frankreich sondern auch in Europa vorbereitet. Die französische Regierung habe gewusst, dass Attentate geplant worden seien, sagte er im RTL Radio. „Wir wissen, dass Operationen vorbereitet werden, nicht nur in Frankreich, sondern gegen andere europäische Länder“ – und zwar „in den kommenden Tagen, in den kommenden Wochen“, sagte Valls am Montagmorgen. „Wir werden noch lange mit dieser Bedrohung leben.“

+++ Weltklimakonferenz in Paris wird nicht verschoben +++

Trotz der Anschläge wird die Weltklimakonferenz in Paris wie geplant ab dem 30. November stattfinden. Keiner der eingeladenen Staats- und Regierungschefs habe um eine Verschiebung gebeten, sagte der französische Premierminister Manuel Valls. Einige Nebenveranstaltungen würden eventuell jedoch gestrichen, fügte er hinzu. Damit bezog er sich auf ein Live-Konzert in der Nähe des Eiffelturms und einen für den 29. November geplanten „Klimamarsch“ durch die Hauptstadt.

+++ Steinmeier fordert internationale Geschlossenheit gegen den IS +++

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier fordert ein international abgestimmtes Vorgehen gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). „Gegen den IS, das zeigen alle unsere Erfahrungen, hilft kein Wort und kein Argument, und schon gar nicht der Rückzug ins Schneckenhaus, sondern nur planvolles Handeln der Staatengemeinschaft“, sagte Steinmeier „Spiegel Online“ und schloss dem Magazin vom Montag zufolge ausdrücklich auch den militärischen Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak ein. Zugleich müsse man sich aber auch „noch kraftvoller“ für eine politische Lösung des Syrien-Konflikts einsetzen. „Der Kampf gegen den IS wird allein militärisch nicht zu gewinnen sein.“

+++ Liebegrüße an die Terroristen +++

Die US-amerikanische Luftwaffe flog ihre Angriffe mit einer klaren Botschaft: „From Paris with Love“ hatten die Soldaten auf die Bomben geschrieben.

+++ Paris-Attentate von Syrien aus geplant +++

Die Terroranschläge in Paris wurden nach Angaben von Frankreichs Premierminister Manuel Valls von Syrien aus „organisiert“ und „geplant“. „Wir müssen länger mit dieser Bedrohung leben“, sagte er am Montagmorgen dem Sender RTL.

+++ Durchsuchungen in mehreren französischen Städten +++

Nach den verheerenden Anschlägen von Paris sind bei Durchsuchungen in Lyon ein Raketenwerfer und andere Waffen gefunden worden. Zudem seien fünf Verdächtige festgenommen worden, verlautete am Montag aus Ermittlerkreisen. In der Nacht zu Montag liefen im Rahmen des nach den Anschlägen verhängten Ausnahmezustands auch in Bobigny, Toulouse, Grenoble und anderen Städten Frankreichs dutzende Durchsuchungen im islamistischen Milieu, die aber nicht in direktem Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris standen.

+++ Frankreich greift IS frontal an +++

Die französische Luftwaffe hat am Sonntag die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien angegriffen.

Die massiven Bombardements richteten sich gegen die IS-Hochburg Al-Rakka. Bei den Angriffen auf die IS-Hochburg hätten französische Kampfflugzeuge 20 Bomben abgeworfen, teilte das Verteidigungsministerium in Paris am Sonntagabend mit. Die Ziele seien ein IS-Trainingslager und ein Camp gewesen, das den Dschihadisten als Kommandozentrale und Waffenlager gedient habe. „Die beiden Ziele der Luftangriffe wurden zerstört“, erklärte das Ministerium. Die Luftangriffe in Raka seien in Absprache mit den USA erfolgt, erklärte das französische Verteidigungsministerium.

+++ Polizei ließ Verdächtigen laufen +++

Der wegen der Anschläge von Paris gesuchte Terrorverdächtige Saleh A. ist bereits kurz nach den Angriffen von der Polizei gestoppt worden. Beamte hätten den 26-jährigen am frühen Samstagmorgen nahe der Grenze zu Belgien in einem Auto angehalten und kontrolliert, sagten vier französische Sicherheitsbeamte am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Sie hätten ihn aber nach der Prüfung seiner Personalien weiterfahren lassen. Die Beamten räumten ein, dass zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden klar war, dass A. der Mieter des VW Polo war, mit dem die Angreifer zur Konzerthalle Bataclan gefahren waren, wo sie später mindestens 89 Menschen erschossen. Der 26-Jährige wird mittlerweile mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Der Mann sei gefährlich, hieß es. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sagte im ZDF: „Es ist besorgniserregend, dass möglicherweise eine Tätergruppe noch unterwegs ist.“

+++ Montagmittag eine Schweigeminute in ganz Europa +++

In Europa soll heute an die Opfer der Terroranschläge in Paris gedacht werden. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben alle Europäer in einer gemeinsamen Erklärung eingeladen, sich um 12 Uhr an einer Schweigeminute zu beteiligen. Das Gute sei stärker als das Böse, heißt es in dem Papier vom Wochenende. Die Staaten betonen darin, es werde alles Notwendige getan, um Extremismus, Terrorismus und Hass zu bekämpfen.

+++ Von der Leyen: Flüchtlinge nicht mit Terroristen gleichsetzen +++

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat davor gewarnt, Flüchtlinge nach der Anschlagsserie in Paris unter Generalverdacht zu stellen. „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, Flüchtlinge mit Terroristen gleichzusetzen“, sagte von der Leyen der „Passauer Neuen Presse“. „Hunderttausende Männer, Frauen und Kinder haben ihre Heimat verlassen, um genau vor solchen Grausamkeiten zu fliehen, wie wir sie am Freitag in Paris erlebt haben. Was wir aber definitiv brauchen, ist mehr Ordnung an den Grenzen, das gilt insbesondere auch für die Außengrenzen der EU.“ Auch Abgeordnete von SPD und Grünen sprachen sich dagegen aus, die Attentate in Paris in Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise zu bringen.

+++ CSU plant Anti-Terror-Resolution +++

Der CSU-Vorstand will am Montag eine Anti-Terror-Resolution beschließen. Deren Linie zeichnete sich bereits am Wochenende ab: Parteichef Horst Seehofer fordert unter anderem eine Ausweitung der Mitte September wieder eingeführten Kontrollen an der österreichischen Grenze. In einem Leitantrag wird zudem verlangt, den Familiennachzug von Flüchtlingen „in größtmöglichem Umfang“ zu stoppen. Zudem fordert die CSU für das kommende Jahr ein Kontingent für Flüchtlinge in Deutschland und damit eine Kehrtwende in der Asylpolitik.

+++ Trauerbeflaggung in den USA +++

Die US-Regierung hat wegen der Anschläge in Paris eine landesweite Trauerbeflaggung angeordnet. Die Sternenbanner auf dem Weißen Haus und anderen öffentlichen Gebäuden wehen bis Donnerstagabend auf Halbmast, wie US-Präsident Barack Obama am Sonntag entschied. Die Maßnahme gilt auch für alle US-Vertretungen im Ausland. Zuvor wurden bereits die US-Flaggen vor dem Kongressgebäude auf Halbmast gesetzt.

+++ Innenminister ruft Bürger zur Wachsamkeit auf +++

Angesichts der Anschläge von Paris hat der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Roger Lewentz, die Bevölkerung zur Wachsamkeit aufgefordert. Die Bedrohung rücke näher, die Sicherheitskräfte allein aber könnten nicht alles beobachten, sagte der SPD-Politiker der Zeitung "Die Welt". Die Bürger müssten der Polizei melden, wenn sich Menschen in ihrem Umfeld veränderten, radikalisierten oder paramilitärisch bewaffneten. "Wir sind auf den aufmerksamen Blick der Bevölkerung angewiesen. Das galt in Zeiten des RAF-Terrors, und das gilt jetzt umso mehr", betonte der rheinland-pfälzische Innenminister.

+++ Sarkozy fordert elektronische Fußfesseln +++

Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy fordert, dass in der sogenannten Kartei S der Sicherheitsbehörden geführte Personen, die mit einem radikalen Islam in Verbindung gebracht werden, mit einer elektronischen Fußfessel unter Hausarrest gestellt werden sollten. Das sagte Sarkozy am Sonntagabend im Fernsehsender TF1. „Wir müssen unsere Politik der inneren Sicherheit drastisch verstärken“, forderte der konservative Oppositionsführer. Es gehe um eine „größere Sicherheit für die Franzosen“. In der Kartei S seien derzeit 11.500 Menschen aufgelistet, führte Sarkozy aus. „Ich schlage vor darüber nachzudenken, sie bei sich unter Hausarrest zu stellen, mit einer elektronischen Fußfessel.“

+++ G20 wollen engere Geheimdienstkooperation +++

Als Reaktion auf die blutigen Anschläge wollen die G20-Staaten die Zusammenarbeit ihrer Geheimdienste verbessern. Die Länder wollen damit unter anderem verhindern, dass eigene Staatsangehörige sich in Bürgerkriegsgebieten wie Syrien zu Kämpfern ausbilden lassen und nach der Rückkehr in ihre Heimat Anschläge verüben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Delegationskreisen auf dem G20-Gipfel in Belek bei Antalya. Von dem Gipfel solle auch das Signal ausgehen, dass Flüchtlinge nicht unter generellen Terrorverdacht geraten dürften.

+++ Athen veröffentlicht Personendaten +++

Griechenland hat Name und Foto des Syrers veröffentlicht, dessen Pass die französischen Behörden in der Nähe der Leiche eines Selbstmordattentäters gefunden haben. Es handelt sich um Ahmad Almohammad, wie der für Migration zuständige Vizeminister Ioannis Mouzalas am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Athen bekanntgab. Er bestätigte Informationen vom Vortag, wonach der Syrer am 3. Oktober an Bord eines Bootes mit 198 Flüchtlingen auf der griechischen Insel Leros angekommen und als Flüchtling registriert worden war. Anschließend soll der Mann weiter auf der Balkanroute nach Westeuropa gereist sein. Ioannis veröffentlichte ein Foto des Registrierdokuments des Mannes. Zudem seien auch seine Fingerabdrücke abgenommen worden. Damit könnten die Behörden in Frankreich den Mann identifizieren, hieß es. Der Mann war am 10. September 1990 in der syrischen Stadt Edlib geboren, wie es weiter mit. Der Pass war in der Nähe eines Mannes gefunden worden, der sich am Freitagabend am Stade de France in die Luft gesprengt hatte. Der Pariser Staatsanwalt François Molins hatte am Samstag gesagt, er gehöre einem Syrer, der im September 1990 geboren wurde. Ob es sich bei dem Attentäter um den Syrer handelt, ist nicht geklärt.

+++ Zahl der Toten steigt +++

Letzten Meldungen zufolge ist die Zahl der Toten bei den Anschlägen auf 132 gestiegen. 42 Verletzte befinden sich immer noch auf der Intensivstation.

Hier finden Sie alle Ereignisse vom Sonntag zum Nachlesen.

Alle Ereignisse der Terrornacht finden Sie hier.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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  • Wenn die Polizei auf die Idee käme, da zu ermitteln, würde sofort die Keule der Fremdenfeindlichkeit der Polizei hervor geholt. Es würde dann ja einseitig gegen Ausländer ermittelt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @ Michael Zeindlmeier
    Das wird aber soweit kommen, weil unsere Willkommensmutti außer der Spruch "Wir schaffen das" keinen weiteren Plan hat. Deutschland kann das nämlich überhaupt nicht schaffen, weil Deutschland bzw. deren Poltiik (Regierung) außer heißer Luft nie etwas von sich gegeben hat.
    Siehe Energiewende, Euro und Schuldenpolitik

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