Pariser Club
Die Krisenmanager feiern

Wenn Staaten in Liquiditätsprobleme kommen oder vollkommen Pleite sind kommt der Pariser Club ins Spiel. Er regelt die Umschuldung, findet Zahlungserleichterungen und verknüpft sie mit politischen Konditionen. Vor 50 Jahren trat das internationale Schuldengremium zum ersten Mal zusammen.

BERLIN. Sie haben eines gemeinsam: Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, sein Nachfolger an der Spitze der Banque de France, Cristian Noyer, und der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Michel Camdessus: Eine wichtige Station ihrer Karriere war das Amt des „Chef de Trésor“ im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium – und damit ist der Vorsitz im „Pariser Club“ verbunden.

Am 14. Juni wird dieser illustre Club 50 Jahre alt. Die französische Regierung feiert den Geburtstag mit Trichet und anderen früheren Trésor-Chefs.

Der Pariser Club kommt immer dann ins Spiel, wenn es Probleme gibt im weltweiten Netz von Gläubigern, Schuldnern, Banken und Politikern. Wenn Staaten pleite sind – oder kurz davor. Wenn es darum geht umzuschulden, Zahlungserleichterungen zu finden und mit politischen Konditionen zu verknüpfen. Der feine Club arbeitet möglichst geräuschlos, aber seine Beschlüsse haben weit reichende politische und wirtschaftliche Konsequenzen.

Aus den ursprünglichen elf sind inzwischen 19 Mitgliedsländer auf der Gläubigerseite geworden. Sie unterbreiten nach Anhörung der jeweiligen Schuldnerländer Vorschläge für einen Zahlungsaufschub oder eine Zahlungserleichterung. Die Plenarversammlung des Clubs findet in der Regel einmal im Monat statt. Zugegen sind auch Vertreter des IWF, der Weltbank und der regionalen Entwicklungsbanken. Die im Wege des Konsens erarbeiteten Vorschläge des Pariser Clubs – etwa die genaue Festlegung der Zins-und Tilgungsbedingungen – müssen dann im Rahmen bilateraler Verträge völkerrechtlich verankert werden.

Zur runden Geburtstagsfeier passt auch das Konsultationstreffen des Pariser Clubs mit führenden Vertretern weltweit tätiger Finanzinstitute des privaten Sektors, mit dem die Regierungsgläubiger seit dem Jahre 2000 die „neue Offenheit“ des Umschuldungsgremiums demonstrieren. Die im Institute of International Finance (IIF) zusammengeschlossenen führenden Banken, Investmenthäuser und Fonds verlangen vom Pariser Club ähnliche Standards der Offenlegung, wie sie der IWF praktiziert.

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