Pariser Staatsanwaltschaft
„Wir suchen die Auftraggeber und ihre Finanziers“

Staatsanwalt François Molins befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer noch steigt. Er schildert den Ablauf der Anschläge und sagt, welche Spur die Ermittler verfolgen. Zeitgleich äußert sich Premier Manuel Valls im TV.

ParisFast 24 Stunden nach dem Beginn der Anschlagsserie in Paris gibt es größere Klarheit über den Ablauf. Drei verschiedene Einsatzgruppen von Terroristen haben nach Darstellung des Pariser Staatsanwaltes François Molins die Angriffe der vergangenen Nacht in Paris begangen. Die Zahl der Opfer beläuft sich am Samstagabend auf 129 Tote, „die Zahl kann aber noch steigen, da es 99 Schwerstverletzte gibt“, präzisierte Molins.

Insgesamt wurden 300 Personen verwundet. Wie viele Ausländer darunter sind, sagte der Staatsanwalt nicht. Sieben Gewalttäter seien tot, einer von ihnen wurde von der Polizei erschossen, die anderen sprengten sich selber in die Luft. Molins äußerte sich nicht dazu, ob es noch flüchtige Attentäter gibt.

Die Serie der Anschläge begann um 21:20 Uhr am Stade de France, wo sich vor der Tür D ein Selbstmordattentäter mit seinem Sprengstoffgürtel umbrachte und dabei einen Passanten tötete. Die nächste Aktion begann um 21:25 Uhr vor den Restaurants Carillon und Petit Cambodge, wo mehrere Attentäter aus einem schwarzen Seat Leon stiegen, rund 100 Schüsse abgaben und dabei 15 Menschen töteten.

Fünf Minuten später kam es zu einer neuen Explosion am Stade de France, und um 21:32 Uhr griffen die Täter die Bar A la bonne Bière an, wo sie fünf Menschen erschossen. Auch hier kamen die Täter in einem schwarzen Seat an, genau wie um 21:39 Uhr am Restaurant Belle Equipe im 11. Arrondissement, wo sie 19 Gäste ermordeten. Ungefähr gleichzeitig löste ein Terrorist am Boulevard Voltaire seine am Körper getragene Sprengladung aus.

Um 21:40 Uhr begann die folgenschwerste Attacke, drei Männer drangen in den Konzertsaal Bataclan ein, wo ein Heavy-Metal-Konzert lief. Sie schossen vor allem auf die Zuschauer direkt vor der Bühne. 89 Tote nannte Molins, doch könne auch hier die endgültige Zahl höher ausfallen. Zwei Täter brachten sich mit Sprenggürteln um, einer wurde von der Polizei erschossen. Um 21.53 Uhr zündete ein weiterer Selbstmordattentäter rund 400 Meter vom Stade de France entfernt seine am Körper getragene Sprengladung, starb aber alleine.

„Wir suchen nun die Auftraggeber, den Parcours der Täter und ihre Finanziers,“ teilte Molins mit. Ein Täter sei identifiziert wurden durch die Abdrücke seines abgerissenen Fingers. Es handele sich um einen 30-jährigen Franzosen, der acht Mal als gewöhnlicher Krimineller verurteilt, aber nie in Haft genommen wurde und 2010 von der Polizei als radikalisierter Islamist erfasst wurde.

Zwei Tatfahrzeuge wurden identifiziert, der genannte schwarze Seat und ein schwarzer Polo. Beide sind in Belgien zugelassen. Sie begründen die Spur, die die Ermittler nun verfolgen: Molins zufolge wurden sie von einem in Belgien lebenden Franzosen gemietet, der am Steuer eines dritten Autos bei einer Kontrolle gefasst wurde, im Beisein von zwei weiteren Verdächtigen. Alle drei waren den Behörden bislang nicht bekannt. Zu dem am Tatort Balaclan gefundenen syrischen Pass sagte Molins lediglich, er sei 1990 ausgestellt worden, der Inhaber sei den Geheimdiensten bislang nicht bekannt gewesen.  

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