_

Parlaments- und Präsidentschaftswahl: Taiwans Firmen bangen um ihr Geschäftsmodell

Wenn Taiwan morgen einen neuen Präsidenten wählt, sind besonders die Unternehmer nervös. Sie fürchten, eine neue Regierung könnte sich von China abwenden - und damit auch Wirtschaftsbeziehungen zum Nachbarn erschweren.

Neuer alter Präsident? Taiwans Unternehmer hoffen, dass Ma Ying-Jeou (2.v.r.) noch eine weitere Legislaturperiode an der Staatsspitze bleibt. Quelle: Reuters
Neuer alter Präsident? Taiwans Unternehmer hoffen, dass Ma Ying-Jeou (2.v.r.) noch eine weitere Legislaturperiode an der Staatsspitze bleibt. Quelle: Reuters

TaipeiEiner wie Terry Gou wagt sich in politischen Fragen nur selten aus der Reserve. Doch derzeit überwiegt beim Chef des taiwanesischen Elektronikriesen und Apple-Zulieferers Foxconn die Angst vor einem politischen Richtungswechsel. Kurz vor der Präsidenten- und Parlamentswahl in Taiwan warnte er davor, sich von China abzuwenden und eine Unabhängigkeit der Insel anzustreben. „Es wäre sehr schwer für die Unternehmen, ihre Bindung an China wieder zu zerreißen“, sagte der 61-jährige Foxconn-Chef in Taipei vor Studenten. Gous Sorge ist verständlich: Er hat auf dem Festland Milliarden investiert und beschäftigt dort 900.000 Mitarbeiter, etwa doppelt so viele wie Volkswagen in der ganzen Welt.

Anzeige

Bei der Wahl am morgigen Samstag müssen sich die Taiwanesen zwischen zwei verfeindeten Lagern entscheiden. Vor allem die Haltung zum kommunistischen Festland-China unterscheidet die „blaue“ von der „grünen“ Fraktion. Präsident Ma Ying-Jeou steht für eine Annäherung an den großen Nachbarn. Seine Rivalin, die Präsidentschaftskandidatin Tsai Ing-Wen, setzt dagegen auf das Gefühl vieler Taiwanesen, sich zu abhängig von China gemacht zu haben.

Aus der Umarmung durch die autoritäre Regierung in Peking könne allzu leicht ein Würgegriff werden, suggeriert sie den Wählern. Die jüngsten Umfragen zeigen zwar noch eine kleine Mehrheit für Ma, doch Tsai hat mit ihrem China-kritischen Programm deutlich aufgeholt und könnte die Wahl durchaus noch gewinnen.

Die Vorliebe der Wirtschaft ist eindeutig: Sie unterstützt fast geschlossen Präsident Ma von der Nationalen Partei, der Kuomintang (KMT), in seiner Annäherungspolitik. Die Verträge, die er zu Handels- und Investitionserleichterungen abgeschlossen hat, ermöglichen fantastische Geschäfte: Im Vorjahr erreichte der Handel mit China einen Wert von rund 100 Milliarden Dollar.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International