Parlamentswahl
Abstimmung auf Haiti verläuft chaotisch

Die Parlamentswahl auf Haiti lief nicht nach Plan, doch immerhin fand sie überhaupt endlich statt: Mit einjähriger Verzögerung. Der Präsident hofft, dass die Wahl seines Nachfolgers im Herbst besser organisiert ist.
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Port-au-PrinceTrotz eines Chaos mit fehlenden Stimmzetteln, falschen Wählerlisten und gelegentlichen Schlägereien sind am Sonntag Haitianer zu einer seit Jahren überfälligen Parlamentswahl gegangen. Berichte über Desorganisation und eigentlich unhaltbare Zustände gab es sowohl aus der Hauptstadt Port-au-Prince als auch vom Land.

Präsident Michel Martelly sagte bei seiner Stimmabgabe auf eine Frage zum Verlauf der Abstimmung: „Ich hoffe, die Wahlbeamten werden bei der Präsidentenwahl im Oktober besser organisiert sein.“ Martelly darf dann nicht mehr antreten. Ministerpräsident Evans Paul bemühte sich, das Positive im Durcheinander zu betonen: Er sei zufrieden damit, wie die Wahl verlaufe, „trotz der Zwischenfälle, die wir entschieden verurteilen“.

Eine Kraftprobe zwischen Regierung und Opposition hatte die Wahlen von Abgeordneten und Senatoren insgesamt fast vier Jahre blockiert, und auch nach der Auflösung des Parlaments im Januar vergingen noch Monate, bis in dem verarmten Karibikstaat ein Wahltermin feststand.

Rund 5,8 Millionen registrierte Wähler waren aufgerufen, alle 99 Mandate für das Abgeordnetenhaus und 20 der 30 Senatoren neu zu bestimmen. Angetreten waren dafür über 1850 Kandidaten von fast 300 Parteien.

Doch in vielen Wahllokalen in Port-au-Prince mussten sie nach deren Öffnung um 06.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ) stundenlang auf Stimmzettel warten. Andere beschwerten sich darüber, dass ihr Name nicht auf der Wählerliste stand, obwohl sie sich registriert hätten. Mindestens drei Wahllokale in Port-au-Prince wurden nach Schlägereien geschlossen.

Haitische Medien meldeten ähnliche Zwischenfälle auch aus anderen Landesteilen und die Verhaftung mehrerer Personen, die mehr als einmal ihre Stimme abzugeben versuchten. Beobachter verschiedener Parteien beschwerten sich darüber, dass ihnen der Zugang in Wahllokale verweigert worden sei.

Es sind die ersten Parlamentswahlen seit dem Amtsantritt von Martellys im Mai 2011. Seit der Auflösung des Parlament im Januar regiert er per Erlass.

Wahlen in Haiti sind nie einfach gewesen und der Wahlkommission wird seit langem vorgeworfen, für Desorganisation, Unregelmäßigkeiten und Betrug mitverantwortlich zu sein. Das amtliche Endergebnis der ersten Runde ist erst in Tagen zu erwarten. Am 25. Oktober soll ein neuer Präsident gewählt werden.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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