Parlamentswahl
Finanzmärkte feiern Tusks Sieg in Polen

Auch wenn noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind, ist Polens Premier Tusk der Wahlsieg nicht mehr zu nehmen. Zum Regieren fehlt ihm aber noch der passende Koalitionspartner. Die Märkte reagierten schon mal euphorisch.
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WarschauTusks Koalitionspartner, die Bauernpartei, schaffte den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde, so dass eine Neuauflage des Bündnisses gesichert wäre. Mit dem Wahlsieg seiner liberalkonservativen Bürgerplattform ist Donald Tusk der erste Ministerpräsident seines Landes, der seit dem Ende des Kommunismus 1989 für eine zweite Amtszeit bestätigt wurde. Nach Auszählung fast aller Stimmen lag Tusks Partei am Montag mit 39 Prozent vor der nationalkonservativen Recht und Gerechtigkeit seines ärgsten Rivalen Jaroslaw Kaczynski. An den Finanzmärkten wurde der Wahlsieg des als wirtschaftsfreundlich und pro-europäisch geltenden Regierungschefs begrüßt.

Die zuletzt stark abgewerteten Landeswährung Zloty setzte zumindest vorübergehend zu einem Höhenflug an. Der Zloty notierte am Montagvormittag bei 4,32 für einen Euro nach 4,38 zum Wochenschluss. Analysten hatten bereits im Vorfeld der Wahl mit einer Erholung der polnischen Währung gerechnet, sollte die Regierung Tusk im Amt bestätigt werden. Der souveräne Sieg von Tusk wurde nun offenbar von den Märkten als Stabilitätssignal gewertet. Seit Juni hatte der Zloty vor allem wegen wachsender Krisenängste im Land rund zehn Prozent an Wert verloren. Bundesaußenminister Guido Westerwelle wertete das Ergebnis als ein Bekenntnis der Polen zu Europa.

Kaczynskis Partei PiS kam demnach auf rund 30 Prozent der Stimmen. Der Zwillingsbruder des im vergangenen Jahr bei einem Flugzeugabsturz umgekommenen Lech Kaczynski hatte wenige Tage vor der Wahl noch mit antideutschen Äußerungen für Aufsehen gesorgt. Wegen der geringen Wahlbeteiligung und eines schwindenden Umfragevorsprungs der Bürgerplattform (PO) war an den Märkten ein Machtwechsel befürchtet worden. Kaczynski, der von 2006 bis 2007 Ministerpräsident war, hätte mit seinem Kurs Beobachtern zufolge Investoren abgeschreckt und die Beziehungen zu Deutschland und Russland auf eine harte Probe gestellt.

Tusk hingegen gilt als Garant für politische und wirtschaftliche Stabilität im größten osteuropäischen EU-Land. Unter der Führung des 54-Jährigen ist das Land relativ unbeschadet durch die globale Finanzkrise gekommen und als einziges EU-Mitglied an einer Rezession vorbeigeschrammt. „Aus Sicht der Märkte sind dies sehr gute Nachrichten“, sagte Ernest Pytlarczyk von der BRE Bank. Der Zloty legte im frühen Handel zum Euro zu.

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  • wie kann das sein???? in einem anderem artikel wird erzählt, dass die polen massenweisse aus dem land flüchten....also für mich ist diese wahl nicht legitim einzuordnen.

  • Ein gutes Wahlergebnis finde ich. Polen bleibt europafreundlich und fällt auch nicht auf die antideutsche Rhetork des Jarosław Kaczyński herein.

    Mit Tusk hat Polen einen guten Ministerpräsidenten, der vor allem Polen wirtschaftlich voranbringt.

    Interessant aber ist vor allem das 10 Prozent Ergebnis der neu gegründeten linksliberalen Partei Ruch Palikota. Das Ergebnis dieser Partei, die sich vor allem auf die Wahlstimmen junger Polen gründet, zeigt das die Gesellschaft Polens im Wandel ist und vor allem säkularer wird. Die Vorrangstellung der Katholischen Kirche bröckelt in Polen und insbesondere bei den jüngeren Polen werden verschiedene Aussagen der Katholischen Kirche zu Gesellschaftsthemen (Abtreibung, homosexuelle Paare, usw.) nicht mehr mitgetragen. Polen ist nicht mehr das Polen von Johannes Paul II.; auch dieses Land wird säkularer und hört nicht mehr auf jedes Wort von polnischen katholischen Bischöfen, sondern stark ist dort mittlerweile die Haltung vorhanden, das die Katholische Kirche nichts in der Politik zu entscheiden hat.

    Insgesamt für demokratische und säkulare Wähler ist das Wahlergebnis in Polen sehr positiv zu bewerten.

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