Parlamentswahl in Serbien
Milosevics Erbe will die Macht

Serbien stimmt am Sonntag über ein neues Parlament ab. Bei der Wahl zwischen Nationalisten und Liberalen geht es dabei um weit mehr als nur um eine neue Regierung. Neben der Zukunft des Kosovos entscheiden die Serben auch darüber, ob sie sich der EU zuwenden oder sich isolieren.

BERLIN/BRÜSSEL. „Ich bin nicht Milosevic“, unterstreicht Tomislav Nikolic, Serbiens möglicher neuer radikaler Regierungschef. Der Spitzenkandidat der laut Umfragen in Führung liegenden serbischen Nationalisten hat als Ex- Vizepremier von Belgrads Autokrat Slobodan Milosevic gedient und guten Grund sich von dem vor zwei Jahren gestorbenen Kriegsherrn zu distanzieren. Denn der 56-jährige wahrscheinliche Wahlsieger hat im Endspurt zur Schicksalswahl am Sonntag gleich noch einen Einmarsch in das Kosovo angekündigt.

Wenn die Uno in Kürze ihre Mission planmäßig beende, werde Serbien die EU-Mission Eulex dort nicht akzeptieren, sondern zum Schutz der serbischen Minderheit Belgrader Regimenter auf das Amselfeld verlegen. Damit setzte Nikolic im Wahlkampf-Endspurt noch einmal alles auf eine Karte – das Kosovo. Die einseitige Unabhängigkeitserklärung der früheren südserbischen Provinz hat nicht nur die Koalition der Liberalen um Präsident Boris Tadic und dem gemäßigten nationalistischen Premier Vojislav Kostunica gesprengt und die Neuwahl erzwungen. Viele Serben skandieren bis heute „Kosovo je Srbije“ - das Kosovo gehört Serbien.

Gegen diese nostalgischen Töne der Radikalen setzen die Liberalen ihre Europa-Losungen: „Wir wollen den Serben klarmachen, dass es Zukunft für unser Land nur mit einer Annäherung an die EU gibt. Das schafft ihnen langfristig wieder Reisefreiheit in Europa und wegen der europäischen Investitionen hier Arbeitsplätze“, erläuterte ein ranghoher Berater von Präsident Tadic dem Handelsblatt die Strategie des liberalen Lagers.

Die kürzlich erfolgte Unterzeichnung eines Stabilitäts- und Assoziierungsabkommens (SAA) mit Brüssel soll den 6,7 Millionen Wählern die EU-Liebeserklärung dabei ebenso verdeutlichen wie eine plötzlich scheinbar aufkommende Bieterschlacht um ein halb verrottetes Autowerk.

Der liberale Wirtschaftsminister Mladan Dinkic von Tadics kleinem wirtschaftsliberalen Koalitionspartner G17 hat in den vergangenen Tagen einen neuen Interessenten nach dem anderen am ex-jugoslawischen Zastava-Werk präsentiert: General Motors wolle dort Opel Astras montieren, Fiat gleich einen Kooperationsvertrag, Volkswagen habe Interesse bekundet und Mercedes prüfe eine Lastwagen-Fertigung mit der serbischen FAP.

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