Parlamentswahl in Spanien
Das denkt Spaniens Jugend

Der Ausgang der Parlamentswahl am heutigen Sonntag ist noch offen. Gerade die Stimmen der jungen Spanier könnten entscheidend sein. Dem Handelsblatt haben drei von ihnen verraten, wen sie wählen – und warum.

MadridJunge Spanier spielen bei der Wahl am heutigen Sonntag eine wichtige Rolle: Zum einen ist die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen mit 48 Prozent besonders hoch und ihre Unzufriedenheit entsprechend groß. Zum anderen gehen traditionell nur 40 Prozent der jungen Spanier zur Wahl. Wenn es den beiden neuen Protest-Parteien gelingt, sie zu mobilisieren, könnte ihnen das einen Schub verleihen. Umfragen zeigen, dass gerade die Jüngeren sich für eine der beiden neuen Parteien entscheiden. Wir stellen zwei Spanier mit ganz unterschiedlichen Haltungen und Hoffnungen vor.

Adriana Mateos, 31 Jahre alt
Die Kamerafrau war als Aktivistin im „15-M“ aktiv, der Protestbewegung des 15. Mai 2011. In der Hochphase der Konjunkturkrise versammelten sich damals Zehntausende Indignados (Empörte) auf den Straßen, um gegen Arbeitslosigkeit, Korruption und unfähige Politiker zu protestieren.

Aus dieser Bewegung ist zwei Jahre später eine neue Partei hervorgegangen: Podemos. Sie wird Adriana am Sonntag wählen. „Ich hoffe, dass Podemos neue Strukturen in Spanien etablieren wird“, sagt sie. Ihr gefällt zum Beispiel, wie die neue Bürgermeisterin von Madrid regiert, die einem Parteien-Bündnis mit Podemos angehört. „Sie hat als erste Bürgermeisterin Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung in Madrid eingeführt“, sagt Adriana. Viele solcher kleinen Schritte könnte das ganze Land reformiert, hofft sie.

„Podemos ist nicht so radikal, wie es der 15-M war“, sagt Adriana „Die Partei ist realistischer. Aber sie sind die einzigen, die für einen kräftigen Wandel sorgen können.“ Im aktuellen Spanien stört sie vor allem die Finanzpolitik, die auf zahlreichen Sparmaßnahmen basiere und die grassierende Korruption in beiden großen Volksparteien.

„Die Zeit nach den Wahlen wird sicher nicht sehr stabil sein, aber das ist nun einmal so, wenn sich etwas ändert.“ Für den telegenen Parteichef Pablo Iglesias hegt Adriana keine besondere Vorliebe. „Mir geht es eher um die Leute an der Basis“, sagt sie. „Ich kenne viele von ihnen und sie treten wirklich für von Grund auf neues Spanien ein. Für ein Land, das gesünder und vernünftiger ist, als das heutige.“

José Maqueda Domínguez, 23 Jahre
Der Landwirtschaftsstudent wird am Sonntag seine Stimme für die Regierungspartei Partido Popular abgeben. „Als sie vor vier Jahren an die Macht kam war die Situation in Spanien viel schlimmer als heute“, sagt er. Die Sozialisten hätten in den Jahren zuvor riesige Haushaltsschulden angehäuft.

José hat mit 18 Jahren sein eigenes Unternehmen gegründet: Von den großen Gemüseverarbeitern holt er sich den Ausschuss, stellt ihn zu seinem proteinreichen Futtermittelmix zusammen transportiert ihn in LKWs, die von dem Geschäft seines Vaters mietet, zu den Landwirten. Mit den Gewinnen aus seinem Startup finanziert er einen Teil seines Studiums.

„Ich denke, dass die PP für mich als Selbständigen das beste Programm hat“, sagt José. „Ich studiere nicht, um einmal für andere zu arbeiten, sondern will mein eignes Unternehmen führen.“ Die Konservativen seien die beste Partei, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. „Die PP wird nach der Wahl weiter regieren, da bin ich mir ganz sicher“, sagt er.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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