Parlamentswahl
Politisches Erdbeben in Griechenland

Die Schuldenkrise in Griechenland hat die politische Landschaft verwüstet. Das Volk ist zerrissen und die traditionellen Parteien verlieren mehr und mehr an Rückhalt. Zulauf bekommen die extremistischen Parteien.
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AthenZehn Tage vor der Parlamentswahl zeichnet sich in Griechenland ein politisches Erdbeben ab. Die Traditionsparteien verlieren wegen der Krise dramatisch an Rückhalt. Zulauf bekommen dagegen extremistische, europafeindliche Parteien. Die Krise polarisiert die Griechen. Die längste und tiefste Rezession seit Kriegsende, die Arbeitslosenquote auf Rekordhöhe und kein Licht am Ende des Tunnels. Die Menschen sind verunsichert, verzweifelt. Davon profitieren radikale Parteien.

lias Kasidiaris weiß, was seine Anhänger hören wollen: „Jeder Fremdarbeiter macht einen Griechen arbeitslos“, ruft er ins Mikrofon, „die Migrantenfrage entscheidet über unser nationales Überleben.“ Kasidiaris, der am 6. Mai für die rechtsextremistische Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) ins Parlament gewählt werden will, trägt einen dunklen Anzug, ein dunkles Hemd und eine gedeckte Krawatte. Der junge Mann gibt sich seriös.

Umso auffälliger sind seine Thesen: „Ausländer raus“, ruft er, und da reißt es viele der Versammelten im Athener Vorort Megara vor Begeisterung von ihren Stühlen. In jüngsten Meinungsumfragen liegen die griechischen Neonazis, deren Parteisymbol an Hitlers Hakenkreuz erinnert, zwischen fünf und sechs Prozent.

Die Schuldenkrise hat Griechenland nicht nur die schwerste Rezession seit Kriegsende, sinkende Einkommen und Rekord-Arbeitslosigkeit beschert. Sie hat auch die politische Landschaft verwüstet. Die Meinungsumfragen zeigen das Bild eines aufgewühlten Landes, eines zerrissenen Volkes.

Die beiden bürgerlichen Traditionsparteien der politischen Mitte, die konservative Nea Dimokratia (ND) und die sozialistische Pasok, die sich seit dem Ende der Obristendiktatur 1974 an der Macht abwechselten, konnten noch bei der Wahl vom Oktober 2009 fast 80 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Jetzt bekennen sich in der Sonntagsfrage nur noch 35 Prozent zu ihnen.

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  • Ich muss nachfragen: Ist der Wunsch, dass die genannten Parteien wenigstens noch 35 % zusammen erzielen? So war es doch gemeint, oder?

  • Dann bitte auch morgens, mittags und abends noch beten, damit sich Ihr Wunsch bald erfüllen wird.

  • Der Euro war es von Anfang an nicht Wert. Wie sagte so schön Bert Brecht: Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint". Das was einmal gut gemeint war, führt Europa bzw. die einzelnen Länder in das wirtschaftliche und politische Chaos, sogar Hass ist mittlerweile im Spiel. Wir brauchen keinen Euro, kein undemokratisch zusammengesetztes EU-Pseudo-Parlament und keine Brüsseler Büraktenmonster. Das alles verschlingt Milliarden und trotzdem nehmen die nationalistischen und sektiererischen Töne zu. Die EWG - das war eine gute Idee und gute Organisationsform. Kooperation ja, aber auch genug Spielraum für natioanle Entwicklungen. Die EU dagegen ist ein sozialistischer, unfreier Moloch, der den Völkern keine Luft zum Atmen läßt. Die SU hat sich genau aus diesem Grund aufgelöst, die westeuropäischen Staaten entwickeln sich demgegenüber immer mehr zur EUdSSR!

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