Parlamentswahl
Sarkozy gewinnt, Royal trennt sich

Der zweite und entscheidende Wahlgang zur französischen Nationalversammlung endete zwar mit einem Sieg der Konservativen unter dem neuen Präsidenten Nicolas Sarkozy, doch die erwartete Zweidrittel-Mehrheit blieb aus. Das gibt den Sozialisten Auftrieb. Erstmal müssen diese aber die privat-politische Trennung ihres Führungspaares verkraften.

HB PARIS. Sarkozys UMP erreichte nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis des Innenministeriums vom frühen Montagmorgen 314 der 577 Mandate. Die Sozialisten erhielten demnach 185 Mandate und feierten die Tatsache, dass sie besser abgeschnitten hatten als vorhergesagt. Die Wahlbeteiligung fiel mit etwa 60 Prozent relativ schwach aus.

Das Ergebnis der Parlamentswahl hat auch Auswirkungen auf das Kabinett, da im Unterschied zu Deutschland mehrere Minister zugleich Abgeordnete sind. Umweltminister Alain Juppé, der in seinem Wahlkreis die Mehrheit knapp verfehlte, kündigte noch am Sonntagabend seinen Rücktritt an. Premierminister François Fillon hatte vor der Wahl gesagt, dass Minister, die in ihrem Wahlkreis durchfallen, die Regierung verlassen müssen. Juppé war bislang als Staatsminister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung die Nummer zwei im Kabinett. Innenministerin Michèle Alliot-Marie und Ex-Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn haben die Wahl jeweils für sich entschieden.

Royal trennt sich

Noch viel weitergehende Konsequenzen hat der gesamte Wahlkampf für die unterlegene Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten, Ségolène Royal, und ihren Lebensgefährten François Hollande, der Parteichef ist: Das Paar trennt sich nach 30 Jahren, wie Royal in der Nacht zum Montag bekannt gab. Die beiden hatten sich auf politischer Ebene in den vergangenen Wochen öffentlich zerstritten. Royal und Hollande wollen im Laufe des Montags eine Erklärung abgeben.

Erste Gerüchte über die Trennung des Paares kamen während der zweiten Runde der Parlamentswahl am Sonntag auf. Sie bedauere dies, sagte Royal. Beide hätten die Trennung erst Mitte der Woche bekannt geben wollen. In einem Buch, das ebenfalls am Mittwoch erscheint, kündigt sie zugleich ihre Bereitschaft an, den Parteivorsitz von Hollande zu übernehmen.

Royal und Hollande haben vier gemeinsame Kinder. Ihre Beziehung ist vor allem in den Fokus der französischen Öffentlichkeit geraten, seit Royal im vergangenen Jahr zur Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten gekürt wurde – eine Position, die traditionell dem Parteichef vorbehalten war. Die Wahl im vergangenen Monat verlor sie gegen den konservativen Rivalen Sarkozy. Anschließend machte sie allerdings ihre Ambitionen auf den Parteivorsitz deutlich. Noch im Wahlkampf hatten Royal und Hollande mehrfach Trennungsgerüchte dementiert.

Hollandes Amtszeit läuft im Herbst 2008 aus. Mehrere Parteivertreter haben sich aber dafür ausgesprochen, die Führungsfrage noch in diesem Jahr zu regeln.

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