Parlamentswahl
Zentrumspartei gewinnt in Finnland

Es war eine denkbar knappe Entscheidung, doch am Ende einer langen Wahlnacht atmete der liberale finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen auf. Seine Zentrumspartei bleibt im Parlament stärkste Kraft vor den oppositionellen Konservativen. Für die Zusammensetzung der neuen Regierung sind nun verschiedene Konstellationen denkbar.

HB Helsinki. Rechnerisch hätten Zentrum und Konservative allein eine knappe Mehrheit unter den 200 Abgeordneten des neuen Reichstages: Erreichte doch das Zentrum 23,1 Prozent der Stimmen und die oppositionellen Konservativen 22,3 Prozent der Wähler. Beide Parteien können sich als Sieger betrachten. Verhanen darf weiterregieren und die Konservativen freuen sich über ein Plus von 3,7 Prozent.

Sollten sich das Zentrum und die Konservativen einigen, wären die Sozialdemokraten zum ersten Mal seit 1995 wieder in der Opposition. Klarer Verlierer der Wahl ist die Partei von Finanzminister Eero Heinäluoma bereits jetzt: Sie erreichte nur 21,4 Prozent der Wähler und büßte damit 3,3 Prozentpunkte ein.

Bisher sind das allerdings Gedankenspiele: Der Chef der erfolgreichen Konservativen, Jyrki Katainen, sagte zu einer möglichen Regierungsbeteiligung: „Die Menschen wollten, dass wir wachsen. Das muss sich auch in der Regierungsarbeit bemerkbar machen.“ In Finnland sind Parteien traditionell bereit, mit mit fast allen politischen Kräften im Reichstag zu regieren. Ministerpräsident Matti Verhanen ist als Chef der größten Fraktion nun mit der Regierungsbildung betraut.

Auf die Kooperationsbereitschaft seines bisherigen Juniorpartners SFP (der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland) kann Verhanen wohl in jedem Fall rechnen: Es gilt als sicher, dass die kleine Partei sich sowohl an einer Regierung mit den Sozialdemokraten als auch mit den Konservativen beteiligen würde.

Im neuen Reichstag hat das Zentrum 51 Abgeordnete gegenüber 50 Konservativen. Die Sozialdemokraten werden künftig nur noch 45 Sitze besetzen.

Gewinner Matti Verhanen zeigte sich erleichtert über das Wahlergebnis. „Wir haben es geschafft“, sagte er vor Parteifreunden. Doch trotz dieser Freude bleibt für das Zentrum ein bitterer Nachgeschmack der Wahl: Die Partei verlor 1,6 Prozentpunkte. Betrachtet man das positive Ergebnis der Konservativen gemeinsam mit dem Plus der rechtsnationalistischen Partei Wahre Finnen, kann man den Ausgang der Wahl als Rechtruck deuten. Die Wahren Finnen gewannen 2,5 Prozentpunkte und kamen auf 4 Prozent der Wählerstimmen.

Die Ergebnisse der kleinen Parteien: Die SFP verlor 0,1 Prozentpunkte und kam auf 4,5 Prozent. Die oppositionelle Linkspartei ging von 9,9 auf 8,8 Prozent zurück. Die Grünen legten mit 8,5 gegenüber acht Prozent leicht zu. Die Christdemokraten verloren einen halben Prozentpunkt und kamen auf 4,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit 67,8 Prozent noch unter der von 2003 mit 69,7 Prozent.

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