Parlamentswahlen
Nationalisten-Chef hält in Belgien Karten in der Hand

Parlamentswahlen machen vielen Belgiern Sorgen. Denn bei jeder Abstimmung steht die Einheit des Landes der Wallonen und Flamen zur Debatte. Gibt es bei der Koalitionsbildung wieder einen Weltrekord?
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BrüsselBelgien steht geschlossen hinter seiner Fußball-Nationalmannschaft, über Sprachgrenzen hinweg. Der Weg der „Roten Teufel“ zur WM in Brasilien wird im niederländischsprachigen Flandern ebenso begeistert verfolgt wie in der frankophonen Wallonie und im zweisprachigen Brüssel. Trotz der Euphorie für Fußball und die Landesfarben Schwarz-Gelb-Rot kommt so richtige Harmonie in dem kleinen Königreich nicht auf. Denn an diesem Sonntag stehen - neben der Europawahl - auch Parlaments- und Regionalwahlen an, und da geht wie immer auch um die Einheit des politisch brüchigen Landes.

Nach der letzten Wahl dauerte es ganze 541 Tage, bis im Dezember 2011 Sozialisten, Christdemokraten und Liberale aus dem frankophonen Süden und dem niederländischsprachigen Norden endlich eine Koalition schmiedeten. Das war ein Weltrekord.

Schlüsselfigur ist nun erneut - wie schon 2010 - der Chef der separatistisch geprägten Neu-Flämischen Allianz (N-VA), Bart De Wever. Der 43 Jahre alte Bürgermeister der Hafenmetropole Antwerpen dürfte laut Umfragen bei der Abstimmung über das nationale Parlament erneut als Sieger hervorgehen. Die große Frage lautet, ob er weiter in der Opposition bleibt oder dieses Mal Kompromisse eingeht.

Der starke Mann des reichen Flanderns gab schon einmal den Hinweis, er schließe nach den Wahlen nichts aus. Mit Blick auf den Posten des Premierministers meinte er in einer TV-Sendung: „Ich kann mir einen Zusammenhang vorstellen, in dem ich dieses Amt übernehmen könnte, ich kann mir (aber auch) andere Zusammenhänge vorstellen.“ Noch im vergangenen Jahr hatte er versichert, bis 2018 in Antwerpen bleiben zu wollen.

De Wever ist bei dieser Wahl nicht mehr wiederzuerkennen, er nahm bei einer Radikaldiät fast 60 Kilo ab. Nach der Wahl 2010 geriet Belgien an den Rand des Auseinanderbrechens. De Wever fand dies nicht sonderlich schade, denn seine Partei strebt auf längere Sicht die Auflösung des belgischen Bundesstaates an.

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