Parlamentswahlen
Premier Thaksin spaltet Thailand

Vier Tage vor der Parlamentswahl in Thailand haben am Mittwoch zehntausende Menschen gegen Regierungschef Thaksin Shinawatra demonstriert.

DÜSSELDORF. Zu Beginn der dreitägigen Proteste zogen 30 000 Menschen vor teure Einkaufspassagen in Bangkok und forderten Thaksins Rücktritt. Doch trotz schwerwiegender Vorwürfe, politische und geschäftliche Interessen zu vermischen, kann der schwerreiche Ex-Unternehmer bei der vorgezogenen Wahl am Sonntag mit einem Sieg rechnen: Während die städtische Mittelschicht auf die Barrikaden geht, steht die Landbevölkerung hinter Thaksin.

Die Protestwelle war ins Rollen geraten, nachdem sich Thaksins Familie im Januar von ihrem 49-Prozent-Anteil an der Shin Corp, der Muttergesellschaft des größten thailändischen Mobilfunkanbieters, getrennt hatte. Die Familie hatte den Verkauf an die staatliche Temasek Holding aus Singapur so arrangiert, dass keine Steuern für das Geschäft über 1,5 Mrd. Euro fällig wurden. Nicht nur der Vorwurf des Insiderhandels trieb die Thais in Harnisch, sondern auch die Empörung über den Ausverkauf nationaler Werte.

Unter wachsendem politischen Druck versuchte Thaksin einen Befreiungsschlag, löste das Parlament auf und setzte Neuwahlen für den 2. April an. Damit heizte er den Unmut weiter an. Die drei wichtigsten Oppositionsparteien im Abgeordnetenhaus argwöhnen, der Premier wolle sich mit fragwürdigen Methoden neue Legitimität verschaffen und verkündeten einen Wahlboykott.

Forderungen nach seinem Rücktritt hat sich der Premiers bislang standhaft widersetzt. Als letzten Schachzug ließ er sich eine Regierung der nationalen Einheit einfallen und forderte die Opposition auf, nach der Wahl in sein Team einzutreten. Doch die lehnt ab. „Wir spielen Thaksins Spiel nicht mit“, sagte Somsak Prisana Anantakul von der Chart Thai Partei. „Der Vorschlag ist das beste Beispiel dafür, dass es Thaksin nur darum geht, an der Macht zu bleiben“, sagte Suthep Thaugsuban, Generalsekretär der Demokratischen Partei.

Thaksin war erst vor 14 Monaten mit einem überragenden Resultat im Amt bestätigt worden. Seine Thai-Rak-Thai-Partei (Thais lieben Thais) erhielt 375 von 500 Parlamentssitzen. Auch wenn er dieses Ergebnis jetzt kaum wiederholen dürfte sagen ihm viele Beobachter eine solide Mehrheit voraus. Vor allem in der ländlichen Bevölkerung genießt der Premier hohe Wertschätzung. Wenn es für ihn eng wird, flüchtet er medienwirksam in den Norden Thailands.

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