Parlamentswahlen
Scheidung auf katalanisch

Der Zusammenbruch des Stromnetzes und das monatelange Verkehrschaos haben die Katalanen politisiert, die Region hadert mit der wirtschaftlichen Situation und der Zentralregierung in Madrid. Vor allem die rein katalanischen Regionalparteien pochen auf mehr Autonomie: Das Votum der Region könnte bei der Parlamentswahl am Sonntag den Ausschlag geben.

BARCELONA. Die prachtvolle Plaza de Catalunya im Herzen von Barcelona platzt aus allen Nähten. 150 000 Demonstranten sind an diesem Wintertag dem Aufruf der „Plattform für das Recht zur Entscheidung“ gefolgt – eines Zusammenschlusses von 200 Organisationen und Parteien. Es ist der größte Aufmarsch seit der Demonstration gegen den Irakkrieg vor fünf Jahren. „Wir sind eine Nation und sagen basta. Wir haben das Recht, über unsere Infrastruktur selbst zu entscheiden“, so das Motto der Veranstaltung. Auf einigen Bannern stehen aber noch weiter gehende Forderungen: „Katalonien ist nicht Spanien“, oder „Spanien will uns nicht, lassen wir uns scheiden“.

Katalonien hadert mit sich und mit der Regierung in Madrid. Das ist nichts Neues, aber der Zusammenbruch des Stromnetzes und das monatelange Verkehrschaos letztes Jahr durch Schlampereien bei dem Streckenausbau Barcelona-Madrid haben den Unmut auch der unpolitischsten Katalanen angeheizt.

Einigen katalanischen Politikern kommen solche Vorfälle nicht ganz ungelegen. Können sie doch mal wieder die Fehler der Zentralregierung in Madrid anprangern, damit ihre Forderungen nach mehr Autonomie für Katalonien unterfüttern und sich gegenüber den spanischen Volksparteien, der sozialistischen PSOE und der konservativen PP, hervortun. Bei den Parlamentswahlen, die am kommenden Sonntag anstehen, wird sich zeigen, ob diese Strategie Erfolg hat.

Daher marschieren auch die rein katalanischen Parteien, die Ökokommunisten der Iniciativa per Catalunya Verds, die Linksnationalisten Esquerra Republicana (ERC) und die konservative Convergencia i Unió (CiU), an der Spitze des Demonstrationszuges. Die katalanischen Vertreter der spanischen Großparteien dagegen glänzen durch Abwesenheit.

ERC und Co. könnten für den künftigen spanischen Ministerpräsidenten erneut zum Zünglein an der Waage werden. Ähnlich der bayrischen CSU in Deutschland dürfen sie sich zwar nur in Katalonien zur Wahl stellen, können aber damit ins spanische Parlament einziehen. Bereits der konservative Regierungschef José María Aznar kam nur mit Hilfe von Regionalparteien an die Macht. Auch der derzeitige sozialistische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero ließ sich mit seiner Minderheitsregierung etwa von der ERC tolerieren und kam im Gegenzug den katalonischen Forderungen nach mehr Selbstbestimmung in den letzten vier Jahren bereits so weit entgegen wie kein spanischer Regierungschef vor ihm.

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