Parteispenden-Skandal
Alt-Affäre bringt Sarkozy in Rage

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy wollte mit der Kabinettsbildung einen Neustart versuchen. Jetzt droht er von einer Alt-Affäre aus den 90er Jahren eingeholt zu werden, bei der es um den Verdacht der illegalen Parteienfinanzierung geht.
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PARIS. Sein Erzrivale Dominique de Villepin versucht sogleich, die so genannte „Karachi-Affäre“ um Retrokommissionen bei einem U-Boot-Deal zu nutzen, um Sarkozy zu schädigen. Beim Nato-Gipfel in Lissabon ging Sarkozy nun in die Offensive. Er habe „weder von fern oder nah“ mit der Sache etwas zu tun. Der Krieg zwischen Sarkozy und Villepin geht damit in eine neue Runde.

Bei der so genannten Karachi-Affäre geht es um den Verkauf von U-Booten an Pakistan im Jahr 1994. Das Geschäft hatte ein Volumen von 825 Mio. Euro. Insgesamt sollen dabei 82,5 Mio. Euro Kommissionen an Mittelsmänner geflossen sein. Der damalige Premierminister war Edouard Balladur, Sarkozy war sein Budgetminister und Sprecher von Balladurs Präsidentschaftswahlkampf.

Seit dieser Zeit gibt es den Verdacht, dass Rückflüsse dieser Kommissionen, so genannte Retrokommissionen, den Präsidentschaftswahlkampf von Eduard Balladur im Jahr 1995 finanziert haben könnten. Denn auf seinen Wahlkampfkonten fanden sich Spuren von Bareinzahlungen über 1,5 Mio. Euro. Offiziell will Balladur das Geld mit den Verkauf von T-Shirts und anderen Wahlkampfutensilien eingenommen haben. Die zuständige Prüfkommission genehmigte damals Balladurs Wahlkampfkonten.

Bekanntlich gewann 1995 Jacques Chirac dann die Wahl. Er und sein Generalsekretär Dominique de Villepin stoppten sogleich die Zahlung von Kommissionen im Zusammenhang mit den Rüstungsgeschäften. Im Jahr 2002 starben dann bei einem Attentat im pakistanischen Karachi 11 Mitarbeiter der französischen Marine-Werft DCN, die mit dem Bau der fraglichen UBoote beschäftigt waren. Die Hinterbliebenen vermuten nun, dass das Attentat ein Racheakt dafür gewesen sei, dass die Kommissionen nicht wie versprochen gezahlt worden sind.

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