Parteitag in China
„Vor allem weiches, geschmackloses Essen“

Zum Parteitag der Kommunistischen Partei will sich China von seiner besten Seite präsentieren. Eine Tour soll etwa zeigen, wie sich das Land auf die Alterung der Gesellschaft einstellt – zumindest in der Propaganda.
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PekingWenn das Älterwerden wirklich so ist, wie die Kommunistische Partei es darstellt, dann sollte man sich damit beeilen. In einem Keller im Ainong Altenheim im Chaoyang Distrikt von Peking tanzen pensionierte Damen in eng anliegenden Qipaos, ein traditionelles chinesisches knöchellanges Frauen-Kleidungsstück, und hochhackigen Schuhen zu einem Folklorelied. Mit schwingenden Hüften laufen sie immer wieder nach vorne, drehen sich mit einem verführerischen Lächeln und wedeln mit dem Fächer. Von Arthritis keine Spur. So macht Älterwerden Spaß.

Der Keller ist die erste Station einer Tour über das Altenpflegesystems Chinas, organisiert von der Kommunistischen Partei am Rande des großen Parteitages. Neben endlosen Stunden in mittelmäßig spannenden Sitzungen in der Großen Halle des Volkes soll Journalisten gezeigt werden, wie die konkreten Visionen und Projekte aussehen.

Am Vormittag des gleichen Tages hätte man auch noch bei einer Tour des Palastmuseums mitmachen können, für Sonntag steht die Tour von Jing-Jin-Ji an. Der Name ist keine abstruse Wortpyramide, sondern bezeichnet die Zusammenlegung von Peking, Tianjin und Teile Hebeis zu einer Metropolregion – sozusagen das Ruhrgebiet mal fünfzehn.

Die offiziell organisierten Touren sind teils unverblümte Propaganda mit böhmischen Dörfern, teils Ansage, wie der Idealfall aussieht. Und man merkt, dass sich die kommunistische Partei Gedanken macht.

Denn während derzeit im Chaoyang-Distrikt noch 90 Prozent der Rentner zu Hause versorgt werden, könnte sich das bald ändern. Bis 2050 wird das Durchschnittsalter der Chinesen von derzeit 30 auf 46 Jahre gestiegen sein, und dann gibt es nicht nur 100 Millionen sondern 329 Millionen Menschen, die über 65 Jahre alt sind. Gleichzeitig wird die Urbanisierung oder Modernisierung der Gesellschaft viele Familien auseinanderreißen, so dass oftmals Kinder sich nicht mehr um ihre Eltern direkt kümmern können.

Die Nachfrage nach Altenheimen und –pflege steigt deshalb. Wie China mit der Überalterung seiner Gesellschaft umgeht, wird eine Schlüsselfrage für seine weitere Entwicklung sein.

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