Parteitag
Stripclubs freuen sich auf spendable Republikaner

Republikaner gelten als spendable Gäste. Und so freuen sich die in Tampa ansässigen Stripclubs auf den Parteitag der Konservativen. Sie erwarten Politiker, die nach der Arbeit ihre wilde Seite ausleben.
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Tampa„Mons Venus - hier sind die schönsten Mädchen der Welt zu Hause“, funkeln die roten Lettern auf der schwarzen Digitalanzeige. Daneben: „Live-Shows mit Nackt-Tänzerinnen“. Für Tampa ist das nichts Ungewöhnliches. Die Stadt in Florida ist berühmt für ihre vielen Strip-Bars. Der Besitzer des „Mons Venus“ beansprucht gar für sich, den „Nude Lap Dance“ erfunden zu haben - eine Art des erotischen Tanzes, bei dem sich unbekleidete Stipperinnen auf dem Schoß der männlichen Kundschaft räkeln.

In dieser Woche erwarten die Stripperinnen und ihre Klubmanager besonders viele männliche Besucher. Der Parteitag der Republikaner, der nach einigen Verzögerungen heute offiziell beginnt, soll die Kassen der von der Krise angeschlagenen Rotlichtindustrie wieder füllen. „Wir erwarten jede Menge Leute. Dies könnte eine der besten Wochen werden, die wir jemals hatten“, prahlt Mons-Venus-Besitzer Joe Redner im US-Fernsehen.

Die Klubs sind hochkarätigen Ansturm gewohnt. Viermal schon trug Tampa das Football-Großereignis „Super Bowl“ aus - ein Abend, der für viele Fans im Strip-Klub endet. Doch der Parteitag, so die Hoffnungen, könnte das noch überbieten. „Ich glaube, diese Woche wird wie vier Super Bowls auf einmal“, freut sich Warren Collozzo, Mitbesitzer des Strip-Klubs „Thee Doll House“.

Die Erwartungen der Branche beruhen auf Kalkulationen aus der Vergangenheit. Die Republikaner, die eigentlich für konservative Familienwerte stehen, gelten als spendable Gäste. Der Bundesverband der Strip-Klubs hat die Großzügigkeit von Republikanern und Demokraten auf ihren letzten beiden Parteitagen verglichen. Ergebnis: Republikaner geben pro Nacht im Schnitt etwa 150 Dollar aus. Bei den Demokraten sind es dagegen nur 50 Dollar.

Monatelang haben sich die Klubs auf das Großereignis vorbereitet. Bei „2001 Odyssey“ gibt es für den Parteitag einen extra VIP-Eingang. Politiker, die ihren Besuch lieber geheim halten wollen, können dank einer Zeltkonstruktion ungesehen ein und aus gehen.

„Doll House“-Mitbesitzer Collozzo hat einen ganz besonderen Pornostar einfliegen lassen. Lisa Ann soll die Republikaner ins Schwitzen bringen. Sie sieht aus wie Sarah Palin und hat die Rolle der Gouverneurin aus Alaska bereits in mehreren Pornofilmen gespielt.

Um die Stimmung nicht zu trüben, hat auch Tampas Bürgermeister Bob Buckhorn angekündigt, es in dieser Woche nicht zu genau zu nehmen. Eigentlich müssen die Tänzerinnen bei ihrem „Lap Dance“ zwei Meter Abstand zu ihren Fans halten. „Aber um Strip-Klubs zu kontrollieren“, sagt Buckhorn augenzwinkernd, „hat unsere Polizei wahrscheinlich keine Zeit.“

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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  • Anscheinend ist die US-amerikanische Wahlkampf-Schlammschlacht auch in unseren Medien angekommen.

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