Parteitag
Was Republikaner über Wirtschaft denken

Die Wall Street wurde genug bestraft, die Rettung der US-Autobranche war ein Fehler: Bei ihren Wirtschafts-Ansichten liegen die meisten Delegierten ganz bei Mitt Romney. Nur bei einem Thema schert der Kandidat aus.
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TampaMitt Romney ist ein Mann der Wirtschaft. „Ich habe 25 Jahre im Privatsektor gearbeitet“, lautet sein Mantra, „und ich weiß, wie man die Wirtschaft wieder in Gang bekommt“. Es sind nicht zuletzt Romneys Erfahrungen als langjähriger Chef des Finanzinvestors Bain Capital und als Lenker der Olympischen Spiele von Salt Lake City, die ihn zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei gemacht haben.

Die Republikaner sehnen sich danach, dass wieder einer der ihren ins Weiße Haus einzieht und ihre Ansichten vertritt: weniger Staat, niedrigere Steuern, weniger Verschuldung. Ganz wie seinerzeit das Parteiidol Ronald Reagan. So werde Amerika wieder zu alter Stärke wachsen, was unter Amtsinhaber Barack Obama nicht möglich sei: 8,3 Prozent Arbeitslosigkeit, nur 1,5 Prozent Wachstum im zweiten Quartal, fast 16 Billionen Dollar Staatsschulden – der Präsident, so die Republikaner, er kann es einfach nicht.

Romney also soll es richten, und was er dazu und über die Politik Obamas denkt, teilen laut einer Umfrage der Finanznachrichtenagentur Bloomberg die meisten der Delegierten auf dem Parteitag in Tampa, Florida.
Etwa zum Thema US-Notenbank Fed: Rund zwei Drittel bezeichneten die Politik von Zentralbankchef Ben Bernanke als schlecht. Fast ebenso viele halten es für einen Fehler, dass die Fed unabhängig und damit nicht zur Rechenschaft zu ziehen ist. Romney hatte angekündigt, Bernanke nicht für eine dritte Amtszeit vorschlagen zu wollen. Die Unabhängigkeit der Fed aber soll bestehen bleiben.

Ähnlich wie der Kandidat denken die befragten Delegierten mehrheitlich auch über die Rolle der Banken. Zwei Drittel waren in der Umfrage der Meinung, die Wall Street sei wegen ihrer Rolle in der Finanzkrise schon genug zur Rechenschaft gezogen worden. Weitere Bestrafungen seien dagegen schlecht für die Konjunktur, weil sie die Banken daran hinderten, genug Kredite zu vergeben.

Romney selbst hat immer wieder betont, er halte eine maßvolle Regulierung für sinnvoll – die Dodd-Frank genannten Finanzmarktgesetze der Obama-Regierung lehnt er aber ab und hat angekündigt, sie im Fall eines Wahlsiegs sofort zurückzunehmen.

Beim Thema Autoindustrie liegt Romney fast vollständig auf Linie seiner Delegierten. Romney hat erklärt, er hätte die Autohersteller General Motors (GM) und Chrysler in der Krise 2008/2009 pleite gehen lassen, anstatt sie wie die Obama-Regierung mit milliardenschweren Hilfspaketen zu retten. Neun von zehn Delegierten sind ebenfalls der Meinung, Obamas Rettungsaktion sei ein Fehler gewesen. Für die Umfrage hatte Bloomberg 158 Delegierte (von insgesamt 2286) aus zehn umkämpften US-Bundesstaaten befragt.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

Kommentare zu " Parteitag: Was Republikaner über Wirtschaft denken"

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  • Was Republikaner über Wirtschaft denken?

    Nichts! Dass dürfen sie auch gar nicht.

    Würde der amerikanische Staat (und damit meine ich nicht die korrupten Politiker)), wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und die Amerikaner bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen. Vor allem hätten sie dann KEINE SCHULDEN mehr.

    Ihr GANZES Leben würde dann nicht von der korrupten Politik, und schon gar nicht mehr von den korrupten Banken bestimmt. Das einzigartige Betrugssysten hätte endlich ein Ende und die Krise wäre vorbei. Abraham Lincoln und zuletzt JFK wollten dieses System schon mal einführen.

  • „Ich habe 25 Jahre im Privatsektor gearbeitet“, lautet sein Mantra, „und ich weiß, wie man die Wirtschaft wieder in Gang bekommt"

    Na klar. Heuschrecke Bain weiß wie's geht ...

    Bains Masche:
    1.) das höchste Kaufangebot für das insolvente Unternehmen abgeben - damit alle anderen Mitbewerber abspringen;
    2.) kurz vor Ablauf der Frist das Angebot zurückziehen, mit der lautstark öffentlich gemachten Verlautbarung "das Unternehmen sei ja total kaputt, marode, ohne Zukunft ..." - und man sei nur noch zum halben Preis interessiert ...
    3.) das Übliche: Ausschlachten.

    Ja: einer Heuschrecke das ganze Land anzuvertrauen ist sicherlich eine super Idee.

    "weniger Staat, niedrigere Steuern, weniger Verschuldung"

    DAS ist genau das richtige Konzept - ist es doch empirisch belegt, daß "weniger Staat" stets, immer, und in allen Ländern zu einem Abbau der Mittelschicht geführt hat...

    Und diese Mittelschicht muß weg!
    erst wer unten im Dreck liegt resigniert und gibt endlich jeden Widerstand auf.

    Diese Mittelschicht muß endlich einsehen, wer der Herr ist, und wer der Knecht!

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