Patrouillenboote: Familienwerft plant Milliardendeal mit Saudi-Arabien

Patrouillenboote
Familienwerft plant Milliardendeal mit Saudi-Arabien

Die Bremer Lürssen-Werft soll Grenzschutzboote an Saudi-Arabien liefern. Eine Voranfrage sei bereits positiv beschieden worden. SPD-Politiker Oppermann wirft der Regierung vor, sie wolle Saudi-Arabien "total hochrüsten."
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BerlinSaudi-Arabien will nach einem Zeitungsbericht Patrouillenboote in Deutschland kaufen. Das Königreich wolle bei der Werftengruppe Lürssen Grenzschutzboote im Gesamtwert von 1,5 Milliarden Euro erwerben, berichtete die "Bild am Sonntag". Eine Voranfrage der Werft sei bereits vom Bundessicherheitsrat, der solche Geschäfte im Militärbereich genehmigen muss, positiv beschieden worden. Eine Sprecherin des zuständigen Bundeswirtschaftsministerium lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht mit Hinweis auf den Schutz von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen von Firmen ab.

Für die Militärsparte der Lürssen-Werft wäre das Geschäft ein Meilenstein. Die Werft mit etwa 1400 Mitarbeitern befindet sich seit 1875 in Familienhand. Die beiden Vetter Peter und Friedrich Lürssen führen sie in vierter Generation. Wichtigstes Standbein ist der Bau von Schnellbooten fürs Militär. Daneben ist die Lürssen-Werft aber auch Weltmarktführer bei Megayachten. So baute sie beispielsweise für den russischen Milliardär Roman Abramowitsch die mit 163 Metern längste Yacht der Welt.

Von der Opposition kam scharfe Kritik an dem sich anbahnenden Geschäft. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, warf der Bundesregierung vor, sie wolle Saudi-Arabien offenbar "total hochrüsten" und habe aus den Protesten gegen frühere Rüstungsgeschäfte nichts gelernt. Oppermanns Kollegin Katja Keul von den Grünen forderte Kanzlerin Angela Merkel auf, die Karten auf den Tisch zu legen und ihre Exportpolitik öffentlich zu rechtfertigen. "Frau Merkel irrt, wenn sie glaubt, der Feind eines Feindes sei für Deutschland automatisch ein strategischer Partner", sagte sie. Der stellvertretende Linkspartei-Chef Jan van Aken forderte: "Es ist Zeit, alle Waffenexporte nach Saudi-Arabien zu stoppen". Seine Partei werde einen solchen Antrag im Parlament einbringen.

Deutsche Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien sorgen immer wieder für politischen Streit in Berlin. Unter anderem war in der Presse über Anfragen für mehrere hundert Radpanzer sowie für 30 ABC-Spürpanzer auf Basis des Typs "Dingo" berichtet worden. 2011 hatte die Bundesregierung eine Voranfrage Saudi-Arabiens zum Kauf von Leopard-2-Kampfpanzern gebilligt und dafür massive Kritik der Opposition und von Menschenrechtsgruppen geerntet. Die Bundesregierung hat Saudi-Arabien wiederholt als Stabilitätsfaktor in der Region bezeichnet und auf die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus hingewiesen.



Kommentare zu " Patrouillenboote: Familienwerft plant Milliardendeal mit Saudi-Arabien"

Alle Kommentare
  • Die in dem Artikel erwähnte 163 m lange Yacht für Roman Abramowitsch wurde bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut und nicht bei Lürssen. Schlecht recherchiert.

  • Patrouillenboote dienen dem Schutz der Seegrenze und sind keine Angriffswaffen. Was soll daran so verwerflich sein?

  • Wann liefern wir endlich sofort? Es geht um deutsche Arbeitsplätze! Jeder andere Staat würde sofort liefern! Die Grünen sind nur dagegen um den Islam zu schützen und massiv zu unterstützen. Die Grünen sind nur das Sprachrohr der Islamisten. Der Islam muss weltweit, da menschenfeindlich, verboten und bekämpft werden. Nazitum = RJGt6Fgeligion wird auch bekämpft!


  • Der belgische Abgeordnete Laurent Louis spricht Klartext
    http://www.youtube.com/watch?v=e5fsWKbUn5Y

  • ...und bitte nicht vergessen, die Saudis bezahlen wenigstens.

  • Mit Waffenmilliarden Wohlstand sichern? Das kann nicht gut gehen. Mit welchem Recht wollen wir dann Pakistan verhindern Atomtechnologie zu exportieren? Sie konnten damit Zuhause Wohlstand schaffen. Sie haben ja sonst nicht viel zu exportieren.

  • @ kuac:
    Ich vermute, jetzt haben Sie "monodimensional" gedacht. Weder habe ich gesagt, dass wir NUR Waffentechnologie gesitzen, noch dass mit underen exportierten Waffen die Öl-Lieferungen gesichert werden sollen.

    Vielmehr geht es darum mit den Milliarden einen Teil unseres Wohlstands zu sichern und durch die Waffenlieferung die Gunst der Saudis zu bewahren.

    Mit Solarenergie, Maschinen und Automobilen allein gehts vielleicht auch, aber immer schwieriger, da hier die Asiaten uns schon in vielen Bereichen eingeholt oder überholt haben. Von der Telekommunikation oder Haushaltselektronik will ich schon gar nicht mehr sprechen.

  • Ich sehe absolut kein Problem in solchen Geschäften...
    Die Vergangenheit verschiedener Länder beweist, wenn eine Bevölkerung wirklich den Umsturz einer Regierung WILL, bekommt sie ihn auch, da helfen die tollsten Waffen nichts.
    Diese Boote sind ausserdem nicht gerade das was ich mir unter gefährlichen Angriffswaffen vorstelle....

    Ein Standard Patrouillienboot aus Deutschland ist unbewaffnet und selbst wenn es bewaffnet werden würde, wären es nicht mehr als Maschinengewehre etc.
    Was will man damit anrichten, feindliche Fregatten kitzeln?
    Oder soll die Bevölkerung durch ein paar Nussschalen mit Sturmgewehre im Schach gehalten werden, wo sich die Bevölkerung im Normalfall NICHT im Wasser aufhält und
    nur 1km vom Strand entfernt stehen muss um schon ausser Gefahr zu sein...

    Viel Wind um nichts...

  • @Harlemjump
    Um Wohlstand zu sichern, wem außer Waffenexport nichts mehr einfällt, der denkt monodimensional. In SA muessen Sie das Öl gar nichts mit Waffen sichern. Wer soll den das klauen? Die Saudis verkaufen doch ihr Öl sowieso an den Westen. Wovon sollen sie Scheiks sonst ihren Wohlstand sichern?
    Der Iran will ja auch freiwillig sein Öl verkaufen, nur lassen wir ihn das nicht. Mit Waffen zu drohen brauchen wir dazu nicht.


  • Da wir in Deutschland kaum Rohstoffe haben, müssen wir einerseits sehen, dass wir stattdessen unser Know How (hier die Waffentechnologie) gut verkaufen und andererseits den Zugang zu den Rohstoffen sichern.

    Beides wird mit dem Waffengeschäft unterstützt.

    Wer das nicht will, sollte sich schon mal ein Baumhaus bauen, auf das er sich mit seiner Familie in Zukunft, wie unsere Steinzeit-Vorfahren und Beerensammler, wieder zurückziehen kann.

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