Patt bei Parlamentswahl in Israel
Likud und Zionistisches Lager etwa gleichauf

Gewonnen hat die Wahl in Israel noch keiner: Doch Netanjahu wie auch Herzog melden Führungsanspruch an. Der wahre Sieger ist womöglich ein dritter: Die neue Kulanu-Partei von Kachlon könnte zum Königsmacher werden.
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Tel AvivDie Richtungswahl in Israel ist am Dienstag nach Prognosen unentschieden ausgegangen. Sofort wurden Stimmen für eine große Koalition laut. Das Mitte-Links-Bündnis Zionistisches Lager und die konservative Likud-Partei lagen laut Prognosen zweier TV-Sender mit jeweils 27 von 120 Mandaten gleichauf. Nach Angaben des Zweiten Israelischen Fernsehens hat der Likud mit 28 Sitzen sogar ein Mandat Vorsprung. Er schnitt besser ab, als erwartet.

Damit ist eine vierte Amtszeit des Likud-Chefs Benjamin Netanjahu wahrscheinlich. „Allen Widrigkeiten zum Trotz, ein großer Sieg für Likud, ein großer Sieg für das rechte Lager unter Führung des Likud, ein großer Sieg für die Nation Israel“, schrieb Netanjahu auf seiner Facebook-Seite. Er habe die Parteien des rechten Lagers zur Bildung einer verantwortungsvollen Koalition eingeladen, sagte Netanjahu vor Anhängern. Er werde sich für die Bildung einer „starken und stabilen“ Regierung einsetzen. Seine Anhänger jubelten ihm zu und riefen immer wieder „Wir wollen keine Einheitsregierung.“ Netanjahu küsste mehrmals demonstrativ seine Frau Sara und dankte ihr für ihre Unterstützung.

Izchak Herzog, Vorsitzender des Mitte-Links-Bündnisses in Israel, gibt sich trotz des knappen Wahlausgangs nicht geschlagen. „Alles ist noch offen“, sagte der 54-Jährige in der Nacht zum Mittwoch bei einer Ansprache in Tel Aviv. Er werde sich für die Bildung einer Regierung einsetzen, die für Frieden mit Israels arabischen Nachbarn und soziale Gerechtigkeit kämpfen werde. Er nannte den Wahlausgang „einen außergewöhnlichen Erfolg“. Es sei das beste Ergebnis für das Friedenslager seit dem Wahlsieg des (später ermordeten) Ministerpräsidenten Izchak Rabin im Jahre 1992. Er würdigte seine Mitstreiterin Zipi Livni als „mutige Frau“.

Vor Parteifreunden sagte er am späten Wahlabend, er werde „jede Anstrengung“ unternehmen, um die nächste Regierungskoalition zusammenzubekommen. Er habe mit möglichen Koalitionspartnern gesprochen und fühle sich verpflichtet, eine „wirklich soziale Aussöhnungsregierung“ zu formen.

Das Zionistische Lager warf Netanjahu vor, die Menschen in die Irre zu führen. „Der rechte Block ist geschrumpft. Alles ist möglich, bis die richtigen Ergebnisse da sind“, zitierte die Zeitung „Haaretz“ die Partei.

Präsident Reuven Rivlin sprach sich nach der Veröffentlichung der Prognosen für eine große Koalition aus. „Ich bin überzeugt, dass nur eine Einheitsregierung den raschen Zerfall der israelischen Demokratie und baldige Neuwahlen verhindern kann“, sagte er der Zeitung „Haaretz“ zufolge. Eine große Koalition hatten aber sowohl Netanjahu als auch Herzog vor der Wahl abgelehnt.

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Netanjahus Warnungen lösten vor der Wahl scharfe Kritik aus

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