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Paul Kagame: Ruandas Präsident: „China gibt, was Afrika braucht“

exklusivRuandas Staatspräsident Paul Kagame hat die wirtschaftliche Expansion von Schwellenländern wie China in Afrika nachdrücklich verteidigt. Dagegen rügte er die westliche Entwicklungshilfe mit klaren Worten: Das Engagement westlicher Staaten habe Afrika nicht vorangebracht. Im Interview spricht er zudem über den Kampf um Rohstoffe, die Aussichten des Klimaschutzes und die größte Gefahr für die Stabilität des Kontinents.

Paul Kagame: das "Das europäische und in jüngerer Zeit das amerikanische Engagement haben Afrika nicht vorangebracht." Quelle: Reuters
Paul Kagame: das "Das europäische und in jüngerer Zeit das amerikanische Engagement haben Afrika nicht vorangebracht." Quelle: Reuters

Handelsblatt: Herr Präsident, in vielen Teilen der Welt erwacht das Interesse an Afrika. Woran liegt das?

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Paul Kagame: Das musste irgendwann so kommen. Afrika wurde über lange Zeit vernachlässigt beziehungsweise von außen immer nur missbraucht. Doch jetzt haben wir entschieden: Wir wollen das nicht länger, wir wollen faire Beziehungen mit dem Rest der Welt. Die Chancen dafür stehen gut. Denn es gibt neue Spieler, etwa Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Russland. Das bietet uns die Möglichkeit für neue Beziehungen. Und Amerikaner und Europäer entdecken plötzlich, dass sie nicht abseits stehen wollen.

Aber viele EU-Regierungen warnen, vor allem die Chinesen wollten Afrika nur ausbeuten.

Europäer und Amerikaner werfen China tatsächlich vor, nach Afrika zu kommen, ohne viele Fragen etwa nach Menschenrechten zu stellen oder ohne Umweltstandards zu respektieren. Es stimmt ja auch, dass die Europäer mehr Fragen etwa nach Menschenrechten stellen. Nur: Hat dies Afrikas Entwicklung geholfen? Falls die Bedeutung dieser Fragen so groß wäre, müsste Afrika heute weiter sein.

Das klingt nach sehr negativen Erfahrungen.

Jedenfalls hat das europäische und in jüngerer Zeit das amerikanische Engagement Afrika nicht vorangebracht. Unsere Ressourcen wurden ausgebeutet und haben anderen genutzt. Westliche Firmen haben Afrika in großem Maßstab verschmutzt – und sie tun dies immer noch. Denken Sie an die Verklappung nuklearer Abfälle vor der Elfenbeinküste oder daran, dass Somalia von europäischen Firmen als Müllhalde benutzt wird. Die Chinesen bringen mit, was Afrika braucht: Investitionen und Geld für Regierungen und Unternehmen. China investiert in Infrastruktur, baut Straßen. Man sollte den Hinweis auf Menschenrechte nicht als Entschuldigung dafür nehmen, dass kein Kapital fließt. Der neue Wettbewerb ist für Afrika sehr gesund, er hilft uns.

Führen die Verträge, die Afrika jetzt schließt, nicht zu einem neuen Kolonialismus?

Wieso denn neuer Kolonialismus? Der alte durch westliche Länder hat doch noch gar nicht aufgehört. Wenn überhaupt, handelt es sich um eine zusätzliche Kolonialisierung. Aber ich sage ganz klar: Es liegt an den Afrikanern selbst, dies hinzunehmen oder eben nicht. Wir müssen unsere Interessen klarer definieren.

Können Sie das überhaupt, wenn Afrikas so sehr nach Investoren dürstet?

Ausbeutung ist kein von China erfundenes Problem. Die Verantwortung tragen schwache Regierungen, die zulassen, dass sich ausländische Firmen oder Regierungen Rohstoffe gegen schlechte Konditionen sichern. Wir haben dies etwa im Kongo gesehen – aber die Verträge wurden dort mit Firmen aus dem Westen geschlossen. Afrikanische Regierungen müssen entschiedener gegen korrupte Beamte vorgehen und ein System installieren, das Knebel- oder Ausbeutungsverträge verhindert.

Wird Afrika angesichts seines Rohstoffreichtums nicht zum bloßen Lieferkontinent für die Industrienationen?

So ist es schon seit langer Zeit. Aber das soll und wird sich ändern. Afrikanische Regierungen müssen dafür sorgen, dass zunehmend auch die Verarbeitung von Rohstoffen auf unserem Kontinent passiert. Wir suchen echte Partnerschaften mit Ausländern, die Know-how und Kapital stellen, aber dies mit einheimischen Firmen teilen.

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