Peking kämpft gegen die Überhitzung der Konjunktur – Finanzmarkt soll bis 2007 vollständig geöffnet sein
Chinas Regierung tritt auf die Kreditbremse

China erhöht das Tempo seiner Bankenreform. 2007 soll der Finanzmarkt vollständig geöffnet sein. Doch auf dem Weg dahin werden die Stolpersteine immer größer. Denn die Regierung will die Konjunktur dämpfen und verringert die Kreditvergabe, was den Anteil der faulen Kredite wieder nach oben treiben kann.

PEKING. Noch mehr Unheil droht: Der umtriebige oberste Rechnungsprüfer Chinas, Li Jinhua, führt seit Monaten einen Feldzug gegen Staatsbanken und Behörden und deckt immer neue Skandale auf. Mitte Juli belagerten hunderte aufgebrachter Anleger in Schanghai eine Zweigstelle der Bank of Comunications, Chinas fünftgrößter Bank, weil das Institut dicke Verluste in einem Fonds für VIP-Kunden aufweist. Außerdem sollen Wackel-Kredite in dreistelliger Millionenhöhe falsch verbucht und damit getarnt worden sein.

Wie weit sich Chinas Banken innerhalb weniger Jahre vom traditionell massiven staatlichen Einfluss befreien und Markt-Prinzipien einführen können, fragen sich viele Analysten – trotz anhaltender Erfolgsmeldungen der Reform-Propaganda. Allein die Personalien sprechen dafür, dass sich chinesische Banken nicht allzu zügig freischwimmen können. So wird als neuer Chef der Bank of Communications der Vizegouverneur der Provinz Hubei gehandelt, eine politische Besetzung. Die Kommunistische Partei will im staatlichen Geldwesen, wo die vier führenden Banken 80 Prozent des Marktes beherrschen, auch künftig nichts dem Zufall überlassen.

In Chinas Bankenbranche sank der Anteil fauler Kredite am gesamten Portfolio – von westlichen Experten noch immer auf grob 50 Prozent geschätzt – offiziell im ersten Quartal um 1,25 Punkte auf 19,15 Prozente. Das wären noch 228 Mrd. Dollar – stimmen westliche Schätzungen, sind es eher 580 Mrd. Dollar.

Doch dem kleinen Fortschritt folgt möglicherweise ein Rückschlag. Denn die Regierung kämpft gegen die Überhitzung der Konjunktur an, und ihre schärfste Waffe ist der Tritt auf die Kreditbremse. Nach zweistelligem Wachstum zu Jahresbeginn reduzierte sich zuletzt die Kreditvergabe an den privaten Sektor. Manche Analysten, wie der China-Experte Dong Tao bei der Credit Suisse in Hongkong betrachten dies als „Würge-Strategie“ und befürchten, dass viele Firmen Liquiditätsprobleme bekommen, was den Anteil fauler Kredite wieder erhöhen und den Reformprozess zurückwerfen könnte. In diesem schwierigen Umfeld wird die Reform des Bankensektors beschleunigt. Die Bank of China will bis Oktober die Neuordnung der Beteiligungen abgeschlossen haben. Das ist der letzte Schritt vor dem Börsengang, von dem ein Befreiungsschlag erhofft wird.

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