Deutsche Firmen sind bislang von den Boykottaufrufen zwar nicht betroffen. Sie genießen womöglich einen Vorteil, da der Fackellauf nicht durch Deutschland ging und sich Kanzlerin Angela Merkel – anders als Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy – gegen einen Boykott der Spiele ausgesprochen hat, meint der Kammerchef. Dennoch sorgen sich auch deutsche Firmen bereits um ihr China-Image.
Der Autobauer Audi, der nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ seinen neuen Geländewagen Q5 auch in China bauen lassen will, verzichtet während des Fackellaufs in Tibet auf eine geplante Werbeaktion am Mount Everest. „Wir wollen nicht noch Öl ins Feuer gießen“, werden informierte Kreise zitiert. In den China-Zentralen von Volkswagen, Siemens und Adidas müssen die Pressesprecher inzwischen jede Formulierung bis ins Detail mit den deutschen Stammhäusern abstimmen.
VW sehe „derzeit keine Anzeichen“ für Boykottaufrufe gegen seine Marke in China, lässt der Konzern wissen. Man verfolge die Situation aber sehr genau. Auf gut Deutsch: Auch hier wird hinter den Kulissen der Auftritt als nationaler Olympia-Sponsor überdacht. Siemens-China-Chef Richard Hausmann sagt, man setze auf „Dialog“ und einen „Brückenschlag der Kulturen“: „Deshalb erwarten wir auch keinen Boykottaufruf gegen Siemens-Produkte.“
Zuletzt hatte es in China Boykotte und Proteste gegen ausländische Firmen Anfang 2005 gegeben. Damals richtete sich der Zorn gegen den Erzrivalen Japan. In chinesischen Städten kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen japanische Autos und Geschäfte in Flammen aufgingen.
Bislang erleben ausländische Firmen eher neue Probleme, selbst wenn sie Olympia-Sponsor sind. Der französische IT-Ausrüster Atos Origin musste eine Medienreise nach Peking ohne ausländische Journalisten abspulen, weil diese keine Visa bekommen hatten. „Geht man so mit Sponsoren um?“ fragt ein Insider. Und der deutsche Sportartikelhersteller Adidas, einer der Top-Sponsoren, bestätigt, dass der neue Flagship-Store – der größte des Konzerns weltweit – nicht wie geplant im Mai in Peking eröffnen kann. Man gehe aber noch immer davon aus, dass der Mega-Shop noch vor den Sommerspielen starte.

