Peng Liyuan
China verbannt Präsidentengattin an den Herd

Die Sängerin Peng Liyuan ist schön, erfolgreich und berühmt. Doch nun musste sie sich aus dem Showgeschäft zurückziehen - denn ihr Mann wird Chinas neuer Staatschef.
  • 0

PekingÜberstrahlt von der eigenen Ehefrau: Xi Jinping war dem Volk jahrelang nur als „der Mann von Peng Liyuan“ bekannt. Ab Donnerstag baut ihn nun eine Parteitag der regierenden Kommunisten als künftigen Staatschef auf – und Xi jetzt erst fängt er an, seine Frau an Berühmtheit zu übertreffen.

Doch während sein Stern steigt, droht Peng zumindest künstlerisch zu verkümmern. Eine Volksmusik-Sängerin als Frau eines Präsidenten, zudem noch bekannter und populärer als er selbst? In China undenkbar. Peng muss leise treten.

Viele Chinesen finden das schade, denn China bekommt zum ersten Mal eine Präsidentengattin mit Profil. Der derzeitige Premier Wen Jiabao versteckt seine Frau sogar komplett, weil sie im Edelsteingeschäft steinreich geworden ist. Das passt nicht zum Bild eines gutes Kommunisten.

Die Verbannung der bekannten Sängerin an den Herd wirkt um so tragischer, als Xi und Peng (in China behält die Frau ihren Nachnamen) eine sehr partnerschaftliche Ehe führen. Die beiden haben 1987 geheiratet. Lange Jahre führen die beiden jedoch eine Fernbeziehung, denn sie ist viel für Auftritte unterwegs, während er Einsätze als Funktionär in verschiedenen Provinzen absolvierte.

Eines eint die beiden: Sie sind stramme Kommunisten. Mit 18 ist sie Armee eingetreten. Seitdem arbeitet sie hauptberuflich als Soldatin im Unterhaltungscorps des Militärs. Im Fernsehen trällert sie bevorzugt schmissige Propagandalieder.


In den vergangenen beiden Jahren durfte Peng schon nicht mehr in der Neujahrsgala des Staatssenders CCTV auftreten, vermutlich der regelmäßigen Sendung mit den weltweit höchsten Eineschaltquoten. Das markierte den Beginn einer Verschiebung ihrer Pflichten: Von der Kulturschaffenden im Dienst der Partei zu ihrer Rolle als strahlend schöner Präsidentengattin.

„Mein Mann ist der Größte!“, mit solchen Äußerungen zitieren die Staatsmedien sie zuletzt. „Unsere Familie ist wie jede andere“, versucht sie dem einfachen Volk ein Gefühl von Nähe zu vermitteln. Statt der extravaganten Outfits und imposanter Haartürme trägt sie zuletzt einfache Kleider und eine konservative Frisur.

Peng, die in zwei Wochen 50 wird, findet sich jedoch auch in ihrer neuen Rolle offenbar gut zurecht. Das Rampenlicht muss sie hier nicht unbedingt missen. Wie die Gattinnen der Staatsoberhäupter anderer Länder engagiert sie sich für soziale Projekte, zuletzt vor allem die Opfer von HIV und Tuberkulose.

Trotzdem muss Peng aufpassen, wie sie in der Öffentlichkeit ankommt. Denn China ist immer noch traumatisiert von Jiang Qing, der vierten Frau des 1976 verstorbenen Diktators Mao Zedong. Die erfolgreiche Schauspielerin Jiang war deutlich jünger als der damals schon greise Machthaber und hat ihre Stellung ausgenutzt, um möglichst viel Macht an sich zu reißen.

Deshalb ist eines jetzt schon klar: Im öffentlichen Bild des Präsidentenpaares wird immer Xi die Führungsrolle haben und Peng wird sich unterordnen müssen. Denn die Jahre unter der Fuchtel Jiang Qings waren eine der schlimmsten Phasen der neueren chinesischen Geschichte.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Peng Liyuan: China verbannt Präsidentengattin an den Herd"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%