Pentagon-Bericht
Gewalt im Irak so schlimm wie nie

Die Hiobsbotschaften aus dem Irak reißen nicht ab: Von fast 1000 Anschlägen pro Woche berichtete jetzt das US-Verteidigungsministerium - der höchste Stand seit mehr als zwei Jahren.

HB WASHINGTON. Die US-Regierung räumte ein, dass die Gewalt in dem Golfstaat noch nie so schlimm gewesen sei wie in den vergangenen drei Monaten und der seit bald vier Jahren anhaltende US-Einsatz erneut einen Negativ-Rekord gesetzt habe. Der britischen Regierung bescheinigte am Dienstag ein Forschungsinstitut, dass sie mit der Unterstützung der US-Politik einen katastrophalen Fehler begangen habe, von dem sich das Land außenpolitisch so schnell nicht erholen werde.

Zwischen Mitte August und Mitte November nahmen die Angriffe auf US-geführte Truppen, irakische Sicherheitskräfte und Zivilisten im Irak dem in Washington vorgelegten Bericht zufolge um fast ein Viertel zu. Pro Woche registrierte das US-Verteidigungsministerium knapp 960 Übergriffe und damit exakt 175 mehr als während der drei Monate davor.

„Die Zahl der Angriffe - sowohl insgesamt als auch in allen erfassten Unterordnungen - war während dieser Phase die höchste, die wir je erfasst haben“, hieß es in dem Bericht. Das Verteidigungsministerium veröffentlichte die Zahlen an dem Tag, an dem sein neuer oberster Dienstherr vereidigt wurde. Der Pragmatiker Robert Gates folgte auf Donald Rumsfeld, der mit seiner Irak-Strategie seit langem in der Kritik stand. Seit Beginn des Krieges im März 2003 sind fast 3000 US-Soldaten und mehr als 50 000 Iraker getötet worden.

Die US-Regierung stellte zudem eine grundlegende Veränderung auf der anderen Seite der Front fest: Anders als zu Beginn des Einsatzes sind es nicht mehr Anhänger der radikal-islamischen El-Kaida oder sunnitische Aufständische, die gegen die US-Truppen zu Felde ziehen.

Für einen Großteil der Gewalt machen die USA nun die schiitische Mehdi-Miliz verantwortlich, deren Anführer Muktada al-Sadr zu den wichtigsten Verbündeten der US-gestützten Regierung gehört. Dabei zielt die Miliz vor allem gegen andere Iraker. Sie unterhält Todesschwadronen, die von Teilen der irakischen Polizei unterstützt würden, hieß es. „Dies ist einer der zentralen Gründe für die Zunahme bei den Morden und Hinrichtungen.“

Angesichts der Verrohung bezeichneten die renommierten Experten des in London ansässigen Chatam-Instituts die Irak- Politik des britischen Premierministers Tony Blair als gescheitert. Trotz der militärischen, finanziellen und politischen Opfer Großbritanniens habe Blair keinen Einfluss auf die US-Politik ausüben können.

Blair hätte demnach besser daran getan, gemeinsam mit seinen europäischen Partnern die US-Reaktion auf die Anschläge am 11. September 2001 zu mäßigen. Die Experten machen eine wieder engere Zusammenarbeit mit den Europäern zur zentralen Aufgabe für Blairs Nachfolger, der im nächsten Jahr ins Amt kommt.

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