Pentagon-Bericht
Irak immer abhängiger von US-Truppen

Mit einheimischen Sicherheitskräften wollten die USA Stabilität in den Irak bringen. Das Gegenteil ist bisher der Fall: Statt Entlastung bringen sie den US-Soldaten bisher nur weitere Arbeit. Weil sie keinen institutionellen Rückhalt im Land haben, sind sie ohne die Amerikaner nicht handlungsfähig.

HB WASHINGTON. Die neuen irakischen Sicherheitskräfte sind nach Angaben des US-Militärs immer weniger in der Lage, ohne amerikanische Unterstützung zu kämpfen. Von den bislang ausgebildeten 120 irakischen Bataillonen könne im Moment nur eins eigenständig agieren, sagte der Oberbefehlshaber im Irak, General George Casey, am Donnerstag vor dem Streitkräfte-Ausschuss des Senats. Im Juli hatte das Verteidigungsministerium von drei Bataillonen gesprochen. Die Ausbildung der irakischen Polizei und des Militärs gilt als Bedingung für einen Abzug der US-Truppen.

Casey sagte den Senatoren, der Rückgang dürfe nicht als Rückschritt gesehen werden. "Wir sind uns sehr klar darüber, dass die irakischen Streitkräfte für eine Weile nicht allein handlungsfähig sein werden, weil ihnen die institutionelle Unterstützung fehlt", sagte er.

Die republikanische Senatorin Susan Collins aus Maine sprach von einer enttäuschenden Entwicklung, die "zu einem Vertrauensverlust der Öffentlichkeit in den Kriegsverlauf" beitrage und die Frage aufwerfe "ob diese Strategie die richtige ist und ob sie richtig umgesetzt wird und ob wir Fortschritte machen." Ihr Parteikollege John McCain aus Arizona sagte, der Krieg sei nicht so gut verlaufen wie vom Verteidigungsministerium vorhergesagt.

Die USA haben 147.000 Soldaten im Irak stationiert. Seit dem Beginn des Krieges sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums 1924 amerikanische Militärangehörige ums Leben gekommen und 14.755 bei Kampfhandlungen verwundet worden. Die irakischen Sicherheitskräfte bestehen aus 192.000 Soldaten und Polizisten, die so ausgebildet werden sollen, dass sie die Aufgaben der US-geführten Truppen vollständig übernehmen können. In Umfragen hat die Zustimmung der amerikanische Bevölkerung zum Irak-Krieg in jüngster Zeit deutlich abgenommen. Einige Abgeordnete fordern einen Zeitplan für einen Abzug.

Die US-Regierung hat wiederholt erklärt, ein Abzug oder auch nur ein konkretes Datum dafür würde den Aufständischen Auftrieb verliehen. In einer späteren Befragung im Streitkräfte- Ausschuss des Repräsentantenhauses wies auch Casey Fragen nach einem Zeitplan zurück. Im 20. Jahrhundert hätten Militäraktionen gegen aufständische Gruppen im Schnitt neun Jahre gedauert. "Und es gibt keinen Grund für uns zu glauben, dass der Aufstand im Irak in kürzerer Zeit bewältigt werden kann." Ob US-Truppen für diesen Zeitraum im Irak werden bleiben müssen, sagte er nicht.

Die Regierung von Präsident George W. Bush spricht von einer Verbindung zwischen dem Irak-Krieg und dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Kritiker haben dies zurückgewiesen. Generalstabchef General Richard Myers wiederholte am Donnerstag die Darstellung der Regierung. Sollten die USA ihre Truppen sofort aus dem Irak abziehen, wäre ein neuer Anschlag wie die vom 11. September 2001 "gleich um die Ecke", sagte er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%