Perisic erklärt sich für unschuldig
Ex-Kosovo-Präsident in Den Haag verhaftet

Am Dienstag ist der Regierungschef der südserbischen Krisenprovinz Kosovo, Ramush Haradinaj, zurückgetreten. Am Mittwoch hat er sich schon dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt und wurde sofort verhaftet.

HB DEN HAAG/ PRISTINA. Das bestätigte eine Sprecherin des Gerichts. Mit Haradinaj, dem einstigen Chef der albanischen Guerillaarmee UCK im Kosovo, stellte sich auch dessen früherer Mitkämpfer Lahi Brahimaj. Beide wurden mit einer Maschine der deutschen Luftwaffe nach Rotterdam geflogen.

Die UCK hat Ende der 90er Jahre brutal für die Vertreibung der Serben aus dem Kosovo gekämpft. Haradinaj war am Vortag als Ministerpräsident des Kosovo zurückgetreten, hatte sich allerdings als unschuldig bezeichnet. Gegen Haradinaj und Brahimaj liegen Anklagen wegen Kriegsverbrechen vor, deren Inhalt jedoch auch am Mittwoch weiter geheim gehalten wurde.

In Den Haag wurden er und Brahimaj in Untersuchungshaft genommen. Es ist üblich, dass das UN-Tribunal neu eingetroffenen Angeklagten kurzfristig die Gelegenheit gibt, sich zur Schuldfrage zu äußern. Bis zum Beginn der Hauptverhandlung vergeht danach aber zumeist mehr als ein Jahr.

Ein weiteres ehemaliges Führungsmitglied der albanischen Guerillaorganisation UCK im Kosovo hat sich am Mittwoch dem UN-Tribunal für Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien gestellt. Das bestätigte das Gericht am Abend der niederländischen Agentur ANP. Es handelt sich um Idriz Balaj, gegen den eine noch nicht veröffentlichte Anklage wegen Kriegsverbrechen vorliegt.

Auch der höchstrangige in Den Haag angeklagte Militär, der langjährige Befehlshaber der jugoslawischen Armee Momcilo Perisic, wies am Mittwoch jede Verantwortung für Kriegsverbrechen von sich. Er hatte sich am Montag ebenfalls freiwillig gestellt. Er wird mitverantwortlich gemacht für die Vertreibung und Ermordung der bosnischen Muslime aus Srebrenica 1995, für die Angriffe auf Zivilisten in Sarajevo von 1993 bis 1995 und für die Bombardierung des Zentrums von Zagreb im Mai 1995.

Als Generalstabschef war Perisic 1998 vom damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic abgesetzt worden, weil er das Vorgehen der Serben gegen die abtrünnige Provinz Kosovo nicht mittragen wollte. Er schloss sich dann der Opposition an und wurde nach dem Machtwechsel für kurze Zeit Minister.

In Sarajevo wurde am Mittwoch das erste Kriegsverbrechergericht in Bosnien eingeweiht. Fünf Teams bosnischer und internationaler Richter und Ankläger werden dort an Prozessen beteiligt sein. Bosnien erwartet, dass bestimmte Fälle von Den Haag an das Balkanland übertragen werden. In Bosnien sind bisher etwa 10 000 Anklagen wegen Kriegsverbrechen zwischen 1992 und 1995 erhoben worden.

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