Persischer Golf
Parlament von Kuwait setzt neuen Emir ab

Das Parlament des Ölemirats Kuwait hat eine für die arabische Welt reichlich kühne Entscheidung getroffen: Weil der designierte Nachfolger des verstorbenen Emirs schwer krank ist, verwehren ihm die Abgeordneten den Amtsantritt. Der Posten dürfte nun an den Ministerpräsidenten des Landes fallen.

HB KUWAIT-CITY. Parlamentspräsident Dschasim al-Chorafi sagte am Dienstag in Kuwait-Stadt, die einstimmige Entscheidung sei gefallen, nachdem die 65 Parlamentarier von Ärzten über den schlechten Gesundheitszustand des Emirs informiert worden seien. Scheich Saad al-Abdullah al-Sabah war nach dem Tod des Emirs Scheich Dschabir al-Ahmed al-Sabah am 15. Januar zum neuen Herrscher der Öl-Monarchie ernannt worden. Er hatte jedoch noch nicht den Amtseid abgelegt.

„Scheich Saad ist immer noch in den Herzen aller Kuwaiter ... Es herrscht der Geist der Brüderlichkeit“, erklärte der Parlamentspräsident. Der über 75-jährige Scheich Saad al-Abdullah al-Sabah hatte zunächst trotz seines schlechten Gesundheitszustandes darauf bestanden, seinen Amtseid als Emir abzulegen. Dafür hatte er für diesen Dienstag die Einberufung einer Parlamentssitzung gefordert.

Das Kabinett unter Ministerpräsident Scheich Sabah al-Ahmed, der schon in den letzten Jahren der fast 30-jährigen Herrschaftszeit des Emirs Scheich Dschabir al-Ahmed al-Sabah de facto Herrscher gewesen war, hatte das Parlament am Montag aufgefordert, Schritte für eine Absetzung des Emirs einzuleiten. Dieser hatte sich 1997 einer Darmoperation unterzogen und hielt sich seither mehrfach zur medizinischen Behandlung im Ausland auf. Während er nach dem Tod von Emir Dschabir al-Sabah gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern Beileidsbekundungen entgegengenahm, saß er im Rollstuhl.

Der Ministerpräsident gehört, wie auch der verstorbene Emir, zum Dschabir-Zweig der Familie. Scheich Saad ist Angehöriger der Salem-Linie. Dschabir und Salem waren Söhne von Emir Scheich Mubarak, der das Land von 1896 bis 1915 regiert hatte. Beide Söhne wurden später nacheinander zum Emir ernannt. Seither haben sich Vertreter beider Familienzweige an der Spitze des Staates abgewechselt.

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