Persson: "Lindhs Zustand ist ernst" - Euro-Kampagne ausgesetzt
Attentat auf Schwedens Außenministerin

Auf Schwedens sozialdemokratische Außenministerin Anna Lindh ist heute in einem Stockholmer Kaufhaus ein Attentat verübt worden. Ein unbekannter Täter verletzte sie schwer an Brust, Bauch und Armen. Schwedens Ministerpräsident Göran Persson bezeichnete den Gesundheitszustand von Anna Lindh als „ernst“.

HB STOCKHOLM. Die Operation der schwer verletzten schwedischen Außenministerin Anna Lindh (46) ist auch fünf Stunden nach dem Anschlag mit mehreren Messerstichen noch nicht abgeschlossen. Lindhs Pressesprecher sagte am Mittwochabend nach einem Besuch im Stockholmer Karolinska-Krankenhaus, die Ministerin habe bei den Einstichen im Unterleib unter anderem Schäden an der Leber erlitten. Unklar blieb zunächst, wer die Ministerin angegriffen hatte. Die Polizei fahndete in Zusammenhang mit der Tat nach einem großen Mann, der mit einer Armeejacke bekleidet war.

Der Attentäter war am späten Abend trotz einer sofort nach dem Anschlag um 16.20 Uhr eingeleiteten Großfahndung weiter auf freiem Fuß. Die Polizei forderte die Bevölkerung über Rundfunk und Fernsehen zur Mithilfe auf. Nach Angaben des für Politikerschutz zuständigen Geheimdienstes Säpo hatte es vor dem Anschlag keine Drohungen gegen Lindh gegeben, die ohne Leibwächter privat in ein Kaufhaus gegangen war.

Die Sozialdemokratin Lindh ist in der Regierung eine der stärksten Befürworterinnen eines Beitritts zur Euro-Zone, über den die Schweden am Sonntag in einem Referendum abstimmen. In Meinungsumfragen führen die Euro-Gegner derzeit mit einem Vorsprung von rund zehn Prozentpunkten. Die beliebte Politikerin ist seit 1998 Außenministerin. Die Juristin ist mit einem früheren Minister verheiratet und hat zwei Söhne.

Nach dem Messerattentat auf Außenministerin Anna Lindh hat die schwedische Regierung ihre Kampagne für die Abstimmung über den Euro am kommenden Sonntag ausgesetzt. Dies teilte Ministerpräsident Göran Persson am Mittwoch in Stockholm mit.

Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte zu Journalisten: „Es ist schockierend für mich.“ Er bezeichnete Lindh als eine gute und persönliche Freundin. Auch Schwedens Ministerpräsident Göran Persson reagierte nach Angaben eines Mitarbeiters geschockt auf das Attentat. Als er davon erfahren habe, sei er sofort nach Stockholm zurückgekehrt. Persson hatte bei einer Veranstaltung in Karlstadt für die Einführung des Euro geworben. Wegen der verhältnismäßig geringen Kriminalitätsrate, bewegen sich Politiker in Schweden häufig ohne Personenschutz.

1986 war der damalige schwedische Ministerpräsident Olof Palme von einem Attentäter in Stockholm erschossen worden. Er war ohne Leibwächter auf dem Heimweg vom Kino. Der Mörder wurde bislang nicht gefasst. „Für die Schweden bringt dies all die schrecklichen Erinnerungen von Olof Palme zurück ins Bewusstsein“, sagte der Vorsitzende der schwedischen Grünen-Partei, Peter Eriksson. „Dies könnte bedeuten, dass schwedische Politiker künftig überall von Leibwächtern begleitet werden müssen.“

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