Peru und Chile: Pazifik-Seegrenze steht zur Debatte

Peru und Chile
Pazifik-Seegrenze steht zur Debatte

Im Streit um das Seegebiet mit Chile kann Peru einen Sieg verbuchen: Das UN-Gericht hat entschieden, dass die Grenze im Pazifik angepasst werden muss – aber nicht, wo sie in Zukunft verlaufen soll.
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Den HaagVor der Pazifikküste Südamerikas muss die Seegrenze zwischen Peru und Chile neu gezogen werden. Das entschied der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag, der damit am Montag tendenziell einer Klage Perus folgte. Das Land kann nun mit einer Ausweitung seines Seegebietes rechnen. Gerichtspräsident Peter Tomka sprach von einem „ungewöhnlichen Fall“. Unklar blieb zunächst, wie groß das Seegebiet ausfällt, das Peru künftig nutzen kann. Der Argumentation Chiles, wonach die Grenze durch Verträge aus den 1950er Jahren geregelt sei, folgte der IGH nicht.

Der Vertreter Chiles in Den Haag, Alberto van Klaveren, bedauerte die Entscheidung „zutiefst“, betonte aber zugleich, dass Chile das Urteil der höchsten UN-Richter anerkennen werde. Das Gericht akzeptierte zwar den von Chile geforderten Ausgangspunkt für die Grenzziehung auf dem Festland. Von dort wird aber eine Grenzlinie von 80 Seemeilen seeinwärts gezogen, die dann südlich in Richtung des chilenischen Gewässers weitergeht. Das ist zum Vorteil Perus.

Peru hatte 2008 nach gescheiteren bilateralen Verhandlungsversuchen mit Chile Klage in Den Haag eingereicht. Peru hatte ursprünglich ein Gebiet von über 36.000 Quadratkilometern beansprucht, doch ließ der Richterspruch zunächst keine konkreten Schlüsse zu, wie groß das Gebiet tatsächlich ist. Chile hatte in dem Konflikt stets auf rechtskräftige Fischereiabkommen aus den Jahren 1952 und 1954 gepocht.

Chiles Präsident Sebastián Piñera und Perus Staatschef Ollanta Humala verfolgten die Urteilsverkündung in ihren Ländern live. Beide hatten zuvor betont, die Entscheidung aus Den Haag zu akzeptieren. Das Urteil ist nicht anfechtbar. Allerdings gibt es zwischen Peru und Chile unterschiedliche Ansichten, wie schnell das Urteil umgesetzt werden kann. Chile hatte bereits im Vorfeld der Entscheidung eine gemeinsame Arbeitsgruppe angeregt, was von Peru skeptisch gesehen wird.

Die Beziehungen zwischen beiden Andenländern sind traditionell angespannt, was auf den Pazifik-Krieg („Salpeter-Krieg“) von 1879 bis 1884 zurückzuführen ist. Das gut gerüstete Chile gewann damals den Krieg gegen Bolivien und Peru, das aufgrund eines Allianz-Vertrages mit Bolivien in den Krieg hineingezogen wurde. Damals annektierte Chile Teile Boliviens und Perus und besetzte zudem fast drei Jahre lang die Hauptstadt Lima.

Das Urteil vom Montag könnte auch Auswirkungen auf ein anderes Verfahren haben, das in Den Haag noch anhängig ist. Bolivien reichte 2013 Klage ein, um einen eigenen Zugang zum Pazifik zu bekommen, den das Land im Salpeter-Krieg gegen Chile verloren hatte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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