Pervez Musharraf
Ende eines Putschisten

Um 13 Uhr Ortszeit hält Pakistan am Montag den Atem an. Im dunklen Anzug - die Generalsuniform musste er schon vor Monaten ablegen -, stocksteif und mit todernster Miene tritt Pakistans Präsident vor die Kameras. Er habe stets "im Sinne des Volkes und des Landes gehandelt", sagt Musharraf. Und deshalb ziehe er sich von seinem Amt zurück und entschuldige sich für etwaige Fehler. Innerhalb von 30 Tagen muss das Parlament nun einen neuen Präsidenten wählen.

NEU-DELHI. Musharraf entzieht sich mit seiner Demission einem Amtsenthebungsverfahren, da er während seiner neunjährigen Herrschaft mehrfach die Verfassung brach. 1999 putschte sich der Armeechef unblutig an die Macht - und ließ sich später unter mehr als fragwürdigen Umständen zweimal zum Staatschef wählen. Seit November musste der heute 65-Jährige als ziviler Präsident mitansehen, wie die Nation politisch und wirtschaftlich in den Abgrund rutschte. Gleichzeitig sank seine Popularität in den Keller.

Nach jüngsten Meinungsumfragen verlangten zuletzt 83 Prozent der Bevölkerung seinen Abtritt. Jetzt ist zumindest die lähmende Konfrontation zwischen dem Ex-Diktator in Zivil und der demokratischen Koalitionsregierung beendet. Die Koalition aus Volkspartei und Muslimliga hatte nach einem Erdrutschsieg bei den Wahlen im Februar die Macht im Parlament an sich gerissen.

Doch Musharrafs Abgang lässt viele Fragen offen. Das Ausland erwartet von Politikern der "Nach-Musharraf-Ära" ein beherztes Zurückdrängen der Moslemextremisten, die sich in den autonomen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan sammeln und dann westliche Truppen in Afghanistan angreifen. Von diesen rechtsfreien Zonen aus schreitet auch die innere "Talibanisierung" der Atommacht Pakistan voran: Mit El Kaida verbündete Extremisten überziehen Pakistan mit einer Terrorwelle, bei der allein im letzten Jahr 2 000 Menschen starben - darunter die Demokratie-Ikone Benazir Bhutto. Ob der neue Präsident, wie von den USA gefordert, diese Entwicklung beenden kann, ist ungewiss. Zugleich belastet das politische Chaos des letzten Jahres die Wirtschaft. Die Inflation hat mit 24 Prozent den höchsten Stand seit 30 Jahren erreicht. Die Preisexplosion bei Lebensmitteln treibt arme Pakistaner massenweise in den Hunger - und in die Arme der Islamisten. Damit hat Musharraf die letzten Pluspunkte verspielt: Mit seiner Liberalisierungspolitik war er der Vater eines Booms mit Wachstumsraten von sieben Prozent.

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