Pervez Musharraf
Washingtons falscher Freund

Am Ende war der einstmals so enge Verbündete Pervez Musharraf für die amerikanische Regierung eine Quelle der Enttäuschung. Ausgerechnet US-Präsident George W. Bush fühlte sich von Musharraf hinters Licht geführt. Denn statt Partner im Kampf gegen den Terrorismus zu sein, hatte sich der Pakistaner zu einem Vabanquespieler entwickelt.

WASHINGTON. Im Ausland erklärte er, unter seiner Führung sei Pakistan ein Bollwerk gegen den islamischen Fundamentalismus. Innenpolitisch jedoch gab Musharraf den radikalen Kräften immer wieder nach.

Die Grenzregion zu Afghanistan, die Stammesgebiete, entwickelte sich zuletzt zu dem, was Afghanistan vor dem 11. September 2001 einmal war: ein rechtsfreier Raum, der Terroristen als Rückzugs- und Trainingsgebiet dient. Die USA drängten Musharraf, dagegen vorzugehen. Doch der Präsident war im eigenen Land so stark unter Druck, dass er für den Machterhalt seine Prinzipien opferte. Schließlich ließen die USA Musharraf fallen. Für die oppositionelle Regierungskoalition in Islamabad war dies das Zeichen zum Sturm auf den Präsidenten.

Dennoch sieht Washington Musharrafs Sturz mit gemischten Gefühlen. Denn unklar bleibt, wie das Machtvakuum, das der Präsident hinterlässt, gefüllt wird. Sicher ist, dass es nicht mehr nur ein politisches Zentrum in Pakistan geben wird – was die direkte US-Einflussnahme erschwert.

Entscheidend für Washington ist, welche Rolle der pakistanische Geheimdienst ISI künftig spielen wird. Denn ISI hat nie seine verdeckte Unterstützung der Taliban aufgegeben. Schon immer gründete der Geheimdienst seine Existenzberechtigung darauf, dass er in den Dauerkonflikten mit Afghanistan und Indien (Kaschmir) „gebraucht“ wird. Eine außenpolitische Befriedung entspricht insofern gar nicht den Interessen des ISI.

Der Unmut über die ISI-Rolle war es, der schließlich im Juli das Fass zum Überlaufen brachte. Pentagon und CIA konfrontierten Pakistans neuen Premier Jussuf Raza Gilani mit Belegen, dass der ISI bei dem verheerenden Bombenanschlag auf die indische Botschaft im afghanischen Kabul am 7. Juli seine Hand mit im Spiel hatte. In der Folge des Anschlags hat der pakistanisch-indische Dialog, der noch vor nicht allzu langer Zeit auf gutem Wege schien, einen Tiefpunkt erreicht.

Wenn die US-Regierung nun Bilanz zieht, kommt sie zu dem ernüchternden Ergebnis, dass sie Pakistan seit den Anschlägen vom 11. September 2001 zwar rund zehn Mrd. Dollar Wirtschafts- und Militärhilfe geleistet hat – im Gegenzug dafür aber nie das bekam, was sie sich erhoffte: einen stabilen Partner an der Ostflanke der Krisenregion im weiteren Mittleren Osten. Deshalb werden nach Musharrafs Abgang in den USA nun vor allem die Stimmen lauter werden, die einen größeren militärischen Handlungsspielraum der US-Streitkräfte in Pakistan fordern.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%