Peter Hartz
„Wir alle haben meinen Ruf ruiniert“

Peter Hartz ist zurück. In Deutschland hat der Arbeitsmarktreformer nicht den besten Ruf – zu sehr ist sein Name gekoppelt an die verhassten Sozialleistungen Hartz IV. Doch nun kämpft er für ein neues Ziel.
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ParisPeter Hartz ist wieder da. Der Vater der Arbeitsmarktreformen in Gerd Schröders Agenda 2010 hat ein neues Anliegen: „Wir dürfen uns nicht mit der Jugendarbeitslosigkeit abfinden, wenn wir mehr tun wollen, als nur auf Veranstaltungen bittere Tränen zu vergießen, müssen wir das Problem an die erste Stelle der Agenda setzen“, sagt er im Büro seiner SHS Foundation in Saarbrücken. Hartz selber rollt seine Agenda aus: Von diesem Montag bis Mittwoch stellt er auf einem Kongress in Saarbrücken sein Konzept der „Europatriates“ vor, an dem er mit Wissenschaftlern und Praktikern des Arbeitsmarkts sechs Jahre lang geknobelt hat.

Lange war es still geworden um den 72-Jährigen. Anfang der 2000er-Jahre begeistert gefeiert, ist der Gewerkschafter und frühere Personalvorstand von VW später tief gefallen. Teile der SPD und der Gewerkschaften beschimpften ihn als Urheber eines neuen deutschen Prekariats.

Im Ausland schaut man mit Bewunderung, fast ein wenig mit Neid auf das Arbeitsmarktwunder in der Bundesrepublik: „Deutschland ist mit weniger Arbeitslosen aus der Krise gekommen als es vorher hatte, das Land erntet die Früchte der Reformen“, sagte kürzlich der französische Finanzminister Michel Sapin anerkennend.

Doch im Inland ist der Name von Schröders Reform-Mentor verbunden mit Hartz IV, der verhassten Sozialleistung, die alle Abstiegsängste der deutschen Mittelklasse auf einen knappen Begriff brachte. Nicht annähernde Vollbeschäftigung, sondern Abrutschen in den Niedriglohnsektor assoziieren viele, wenn sie den Namen „Hartz“ hören.

Zu Unrecht. Hartz selber hatte sich dafür eingesetzt, nicht nur zu „fordern“, sondern gerade die Langzeitarbeitslosen auch stärker zu fördern. „Die sind bei den Reformen zu kurz gekommen“, stellt er heute kritisch fest. Mit verblüffender Energie hat er sich aus dem tiefen Loch herausgearbeitet, in das er gefallen war.

Die Öffentlichkeit nahm zum ersten Mal wieder Kenntnis von ihm, als er Anfang des Jahres in Paris auf Einladung eines sozialliberalen Think Tanks über seine Arbeitsmarktreformen sprach. Einige deutsche Medien fabulierten gleich von einer „Beraterfunktion für Präsident Hollande“ – ein Hirngespinst, das Hartz damals die halb verzweifelte Bemerkung abnötigte: „Dieser Quatsch hat meinen Auftritt in Paris fast torpediert.“

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  • War es nicht so das man mit Elektro-Schlägen aufs Gehirn bestimmte Ariale beeinflussen kann ... vielleicht geht da dann ein Laserstrahl auf das Areal "Faulheit" und schon sind alle fleissige Bienchen ;-) *vorsicht Sarkasmus*

  • Ist es nicht eher so das Frankreich nur deswegen im Global Wettbewerb schlechter steht weil D die Preise auf dem Internationalen Markt "dank" des Billiglohns kaputtmachen kann ?

  • Meiner Ansicht nach dürften Kapitalisten und andere "volksferne Gruppen" überhaupt nicht Entscheidungsberechtigt sein um das Schicksal von Jugendlichen zu bestimmen , hier wären Handwerkskammern/Handelskammern etc. gefragt die "nahe" am Volk agieren . Natürlich ist es praktisch wenn man so wie oben genannte gute Kontakte zu Firmen hat aber was soll dabei herauskommen wenn 2 Lobbyvertreter über das Schicksal von Menschen OHNE Lobby bestimmen ? Am Beispiel des deutschen "Arbeiters" kann man es doch deutlich sehen .. es wird geschachert wie auf dem Pferdemarkt um jeden Cent , natürlich zu Lasten des "gemeinen" Mitarbeiters :-( also lieber Peter Hartz geh in Rente was ja finanziell kein Problem sein sollte ...

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