Peter Wittig
Kampf für einen deutschen Sitz im Weltsicherheitsrat

Seitdem Peter Wittig vor fast einem Jahr sein Büro schräg gegenüber dem Uno-Gebäude in New York bezogen hat, hat der 56-Jährige nur ein großes Ziel: die Weichen zu stellen für einen befristeten Sitz der Bundesrepublik im Weltsicherheitsrat. Am Dienstag stimmen die 192 Mitglieder der Vereinten Nationen darüber ab.
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NEW YORK. Die Mission von Wittig, dem Vertreter der Bundesrepublik, ist nicht einfach. Denn die Wahl wird besonders spannend: Im Sicherheitsrat gibt es mehr Bewerber als freie Plätze. Neben Deutschland kämpfen auch Portugal und Kanada für den auf zwei Jahre befristeten Sitz. Doch der sogenannten westlichen Staatengruppe stehen nach einem vorab festgelegten Proporzschlüssel nur zwei der fünf frei werdenden Sitze zu.

Das Rennen zu verlieren wäre für Deutschland ein herber Schlag. Das Gremium ist das „Herzstück der internationalen Friedensordnung“, heißt es auf der Seite des Auswärtigen Amts. Doch Wittig gibt sich gelassen: „Wir sind guten Mutes. Wir haben einen thematisch ausgerichteten Wahlkampf geführt und unser starkes multilaterales Engagement in den Mittelpunkt gestellt“, sagt der erfahrene Diplomat. Wittig selbst ist erst im Dezember 2009 von Berlin nach New York gezogen. Seitdem ist sein Kalender voll mit öffentlichen Terminen. Mindestens 128 Länder, das ist die Zweidrittelmehrheit, müssen am Dienstag für Deutschland stimmen. Und Wittig spricht mit allen Mitgliedstaaten.

Behutsames Vorgehen

Deutschlands Botschafter geht bei seiner Arbeit sehr behutsam vor. „Wir tragen unsere Wahlambitionen nicht vor uns her. Uns geht es um die Sache. Wir wollen mitgestalten“, sagt er. Die Bundesrepublik sei Meinungsführer beim Thema Klimaschutz und könne Brücken bauen zwischen Entwicklungsländern und Industriestaaten.

Grundsätzlich reichen Deutschlands Ambitionen sogar über eine zweijährige nicht-ständige Mitgliedschaft hinaus. Die Bundesrepublik strebt eine prinzipielle Reform des Uno-Sicherheitsrats an, die ihr einen ständigen Sitz verschaffen soll. Zudem ist Deutschland der drittgrößte Beitragszahler und weltweit der zweitgrößte Geber für Entwicklungshilfe. Doch dass Wittigs Überzeugungsarbeit eine Art politischer Kuhhandel sei, weist er von sich. „Es gibt Vertreter, die sich anschauen, was Deutschland in ihrem Land an Entwicklungshilfe leistet. Aber die Hand aufhalten, das tun sie nicht.“

Der Langstreckenläufer kennt sich in der Uno bestens aus. Er kam erstmals 1988 für drei Jahre nach New York, damals als Nahost-Referent. Zudem leitete Wittig im Auswärtigen Amt in Berlin die Abteilung für Vereinte Nationen und globale Fragen. Die Erfahrungen machen die Arbeit für Wittig einfacher.

Doch der Vater von vier Kindern spricht auch kritisch über die Organisation. Die Reform des Sicherheitsrats sei notwendig – vor allem Länder wie Indien und Brasilien bräuchten ein größeres Mitspracherecht. Und natürlich Deutschland.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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