Petrobras-Skandal: Mehr als 50 neue Verdächtige

Petrobras-Skandal
Mehr als 50 neue Verdächtige

Der Petrobras-Korruptionsskandal bedroht Präsidentin Dilma Rousseff und ihre Regierung zunehmend: Zahlreiche frühere Minister, amtierende und ehemalige Gouverneure und Abgeordnete sind ins Visier der Ermittler geraten.
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BrasiliaDer Korruptionsskandal um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras weitet sich aus: Die Staatsanwaltschaft beantragte am Dienstag Ermittlungen gegen 54 weitere Verdächtige, darunter auch zahlreiche Politiker. Medienberichten zufolge sollen frühere Minister, Gouverneure und Abgeordnete betroffen sein.

Seit Beginn des Skandals um den staatlichen Großkonzern vor einem Jahr bereitet er Präsidentin Dilma Rousseff und ihrer Regierung massive Kopfschmerzen. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft sagte, es seien beim Obersten Gerichtshof Anträge auf Ermittlungen in 28 Fällen gestellt worden.

Betroffen seien 54 Verdächtige, darunter zahlreiche Politiker mit parlamentarischer Immunität und Verdächtige, die Verbindungen zu Abgeordneten hätten. Die Namen der Verdächtigen wurden nicht bekannt. Medienberichten zufolge sollen frühere Minister, amtierende und ehemalige Staatsgouverneure sowie Abgeordnete darunter sein.

Alle Politiker, die in den vergangenen Monaten in den Medien als Verdächtige genannt wurden, dementierten die Vorwürfe. Das Staatsunternehmen wird seit einem Jahr von einem weitverzweigten Korruptionsskandal erschüttert.

Ein Netzwerk soll binnen eines Jahrzehnts geschätzte 3,8 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) zweckentfremdet haben, und zwar vor allem zugunsten von Politikern und Abgeordneten der linken Regierung von Präsidentin Rousseff.

Laut der Staatsanwaltschaft zahlten rund zwei Dutzend Firmen, zumeist große Baukonzerne, Petrobras Schmiergeld, um an lukrative Aufträge zu kommen. Petrobras soll zudem Auftragssummen durch illegale Aufschläge aufgebläht haben. Die dadurch erzielten Mehreinnahmen sollen an andere Unternehmen weitergeleitet worden sein. Nachdem das Geld auf diese Weise gewaschen wurde, wurde es nach Angaben der Ermittler als Bestechungsgeld ausgezahlt.

Der Skandal wurde ausgelöst, als ein früherer Manager der Firma vor einem Jahr die Machenschaften aufdeckte. Für Rousseff wuchs sich der Skandal seither zu einer persönlichen Bedrohung aus, da ein Großteil der Affäre in ihre Zeit als Vorsitzende des Verwaltungsrats von 2003 bis 2010 fällt.

Doch auch für Petrobras selbst, das einst als renommiertestes Unternehmen Brasiliens galt, war der Skandal äußerst schädlich. Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Konzerns vergangene Woche zum bereits vierten Mal in ebenso vielen Monaten herab, da die Firma nicht nur in den Skandal verwickelt ist, sondern bisher auch keine überprüften Gewinnzahlen für 2014 vorlegte.

Der Konzern will dies erst im Mai tun. Zudem kündigte er an, dieses Jahr das Investitionsbudget um zehn Milliarden Dollar zu kürzen. Anfang Februar trat der gesamte Vorstand samt der Chefin Graça Foster zurück. Dem neuen Vorstandsvorsitzenden Aldemir Bendine gelang es bisher nicht, das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Seit Beginn des Skandals brach der Aktienkurs um zwei Drittel ein. Laut den Behörden wird bisher gegen 150 Menschen und 232 Firmen in dem Skandal ermittelt.

Zudem wurde Vermögen im Gesamtwert von 69 Milliarden Dollar eingefroren. Im Februar forderte die Staatsanwaltschaft die betroffenen Firmen auf, 1,5 Milliarden Dollar Entschädigung sowie eine noch nicht bezifferte Strafe zu zahlen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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