International
Pflichtbesuch im Armenhaus

Kommen Sie“, ruft Frank Scheepers, „wir müssen uns beeilen.“ Dutzende Herren in dunklen Anzügen greifen schwitzend nach ihrem Handgepäck und drängen durch die überfüllte Lobby des Interconti-Hotels Nairobi hinaus ins Freie. Wenn Frank Schepers zum Aufbruch drängt, dann ist immer Eile geboten. Der Mann mit dem grauen Schnauzbart ist der Herr der Zeitpläne.

HANDELSBLATT, 23.1.2004. Scheepers arbeitet im Bundespresseamt und hilft mit, die Reisen des Bundeskanzlers zu organisieren. Wenn Gerhard Schröder wie in dieser Woche quer durch Afrika fliegt, dann ist jeder Schritt des Regierungschefs und seiner Begleiter haarklein vorbereitet. Nicht nur Ankunft und Abfahrt oder die Dauer der jeweiligen Gespräche liegen lange vorher fest. Auch Details wie das Abschreiten der Ehrenformation werden exakt in den Zeitplan eingepasst. Und der muss auf jeden Fall befolgt werden. So hetzt die Delegation sechs Tage rund um den Kontinent, immer hinter Schröder her, der Kanzler ist das erste Mal in Afrika, entsprechend voll ist der Terminplan.

Jetzt aber schnell. „14.20 Uhr: Fahrt in Kolonne zum Flughafen Nairobi, 15 Uhr Abflug nach Pretoria“, steht auf der Terminübersicht. Vorher hat der Kanzler kurz noch die Entwicklungshilfe für den Reformstaat Kenia verdoppelt, Uno-Umweltdirektor Klaus Töpfer am Amtssitz Nairobi besucht, ihn als denkbaren Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten gewürdigt und damit von Ostafrika aus die Opposition geärgert. Es folgten eine Baumpflanz-Aktion, eine Pressekonferenz und ein Briefing mit Wirtschaftsvertretern. Inzwischen ist es 14.18 Uhr, die Nervosität steigt. Vor dem Hotel wartet bereits die Kolonne aus Polizeiwagen, Staatskarossen, Bussen. In die warme, feuchte Nachmittagsluft mischen sich die Abgase der Motoren. Kenianische Uniformträger mit coolen Sonnenbrillen fuchteln wild mit den Armen, rufen Unverständliches. Türen schlagen, Sirenen heulen, Reifen quietschen. Über abgesperrte Straßen der Millionenmetropole Nairobi geht es in rasender Fahrt zum Flughafen. Nach Äthiopien und Kenia steht jetzt Südafrika auf dem Programm, dann folgt noch Ghana. Der Kanzler hat viel vor.

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