Philippinerin in indonesischer Todeszelle
Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Unglück im Glück: Als einzige der neun in Indonesien zum Tode verurteilten Drogenschmuggler blieb Mary Jane Veloso verschont. Die wahre Täterin entlastete die Philippinerin. Gerettet ist Veloso aber trotzdem nicht.
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Mit einem Lächeln umarmt Mary Jane Veloso ihren sechs Jahre alten Sohn. Wenn sie nicht zu ihm nach Hause komme, sagt sie, dann sei sie schon im Himmel. „Dann bin ich beim lieben Gott. Verstehst du das?“, fragt die 30-Jährige. Der kleine Mark Darren nickt.

Mark Darren traf seine Mutter vor wenigen Tagen unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in einem indonesischen Gefängnis. Dort erwartete die verurteilte Drogenschmugglerin die Hinrichtung durch ein Erschießungskommando. Philippinische Diplomaten berichteten von der Begegnung.

Acht andere veruteilte Drogenschmuggler wurden am Mittwoch (Ortszeit) hingerichtet, aber die Erschießung der Mutter stoppten die indonesischen Behörden in letzter Minute. Denn eine andere Frau, die verdächtigt worden war, sie als Drogenkurierin missbraucht zu haben, hatte sich tags zuvor der Polizei auf den Philippinen gestellt.

Ihrem älteren Sohn Mark Daniel gegenüber betont die alleinerziehende Mutter ihre Unschuld. „Glaube nicht, dass ich gestorben bin, weil ich etwas falsch gemacht habe“, sagt Veloso dem 12-Jährigen. „Sei stolz, dass deine Mutter stirbt, weil sie für die Sünden anderer büßt.“

Veloso wurde verurteilt, weil 2010 in ihrem Gepäck 2,6 Kilogramm Heroin gefunden wurden. Sie betont, dass sie nichts von den Drogen gewusst habe. Der Koffer sei ein Geschenk von einem in Malaysia lebenden Afrikaner gewesen. Sie habe ihn durch ihre Freundin Maria Kristine Sergio kennengelernt. Jene Frau, die ihr auch den neuen Job in Malaysia vermittelt hatte.

Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Veloso hatte zuvor in Dubai als Haushaltshilfe gearbeitet, um ihre Kinder zu unterstützen. Nach einer versuchten Vergewaltigung kehrte sie zurück. Es folgt eine monatelange, vergebliche Jobsuche. Dann bietet ihr Sergio Arbeit in Malaysia an. Die Freundin kümmert sich, man geht shoppen und essen. Veloso sagt aus, Sergio habe ihr erklärt, sie müsse nach Indonesien ausreisen, bevor sie ihren Job antreten könne.

„Ich hatte keine Wahl. Ich musste nach Indonesien. Die Arbeit war mir wegen meiner Kinder wichtig“, sagt sie. Ein Bekannter, Ike, schenkte ihr den Koffer. Als die Drogen entdeckt wurden, wusste Veloso, ihr Leben sei vorbei. „Ich konnte nichts sagen. Nur weinen und weinen.“ Sie gibt sich dafür die Schuld, der Freundin vertraut zu haben.

Am Dienstag stellte sich Sergio der Polizei. Sie hatte Todesdrohungen erhalten und wird des Menschenhandels beschuldigt. Aufgrund dieser Entwicklungen legte der Staatsanwalt in Jakarta die Hinrichtung von Veloso vorerst auf Eis. Sie soll nun gegen Sergio und andere Verdächtige aussagen.

Familie, Freunde und die Öffentlichkeit in den Philippinen feiern diesen - zeitweiligen - Aufschub als Wunder. Indonesiens Präsident Joko Widodo betonte am Mittwoch, die Vollstreckung des Urteils sei nicht aufgehoben. Veloso werde zurück ins Gefängnis in Yogyakarta gebracht, wo sie aussagen solle.

In Abschiedsbriefen, die Veloso philippinischen Diplomaten übergeben hatte, warnt die junge Frau ihre Landsleute: „Verschwendet nicht euer Leben. Nehmt keine Drogen und verkauft auch keine. Es wird nichts Gutes bringen und nur euer Leben ruinieren.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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