Pimco-Chef
„Das Paket kauft Irland nur Zeit“

Mohamed El Erian verwaltet als Chef der Allianztochter Pimco den weltgrößten Staatsanleihefonds. Im Gespräch mit dem Handelsblatt befürwortet der Ex-IWF-Manager eine Beteiligung der Investoren an den Kosten der Euro-Krise und sagt, warum eine faire Verteilung der Lasten die Lösung sein könnte.
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Handelsblatt: Wie bewerten Sie das Rettungspaket für Irland aus Sicht der Märkte?

Mohamed El Erian: Das Paket kauft Irland nur Zeit. Es löst die Probleme des Landes nicht. Die Regierung hat sich zu viele Schulden aufgeladen, als sie Irlands Banken und deren Investoren stützte. Die Entscheidung von EU und IWF verschiebt das Problem nur. Sie hatten Angst vor Kollateralschäden und Nebenwirkungen bei einer echten Lösung.

Was läuft falsch?

Die Finanzierungskosten für die Regierung in Dublin bleiben mit durchschnittlich 5,8 Prozent zu hoch. Zudem wird durch die Lösung der ohnehin schon riesige Schuldenberg Irlands noch weiter erhöht.

Es gibt auch keine klare Regel, wie Anleihebesitzer an den Kosten der Rettung beteiligt werde ...

Das ist nicht gut. Je länger die Unsicherheit unter den bisherigen Investoren darüber anhält, wie sie an den Kosten beteiligt werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie aussteigen. Das bedeutet, dass die Risikoprämien, die Irland zahlen muss, hoch bleiben, neue Investoren abgeschreckt werden und die Entstehung von Wachstum und Arbeitsplätzen unterminiert wird.

Befürworten Sie als Fondsmanager eine Beteiligung der Anleiheinvestoren an den Kosten der Rettung?

Ich bin der Ansicht, dass ein breiterer und fairerer Ansatz für die Verteilung der Lasten benötigt wird, damit die Länder mit ihrer Schuldenlast umgehen können und wieder zu Wachstum und einem dynamischen Arbeitsmarkt zurückkehren können. Niemand kann ein Interesse daran haben, dass Europa ein „verlorenes Jahrzehnt“ mit geringem Wachstum, hoher Arbeitslosigkeit und wiederkehrenden Schuldenkrisen erlebt. Der Schlüssel dazu ist eine faire Verteilung der Lasten.

Sind die Befürchtungen, Spanien und Portugal könnten nun als Krisenherde folgen, überzogen?

Meine Sorge ist, dass die unentschlossene Herangehensweise an die Probleme Griechenlands und Irlands Investoren dazu veranlassen könnte, Anleihen anderer Peripherieländer vorsorglich zu verkaufen. Das würde die Finanzierungskosten dieser Länder und ihre Probleme erhöhen.

Kommentare zu " Pimco-Chef: „Das Paket kauft Irland nur Zeit“"

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  • Mohamed El Erian ist vermutlich der bekannste Fachmann in Sachen Anleihen. Soweit mir bekannt ist, ist er ein Dollar-Skeptiker und Euro-Freund. ich empfehle den EU-Finanzministern seine Vorschläge zu berücksichtigen, denn offensichtlich unterschätzen die EU-Finanzminstier die Auswirkungen auf dem Markt. Es könnte allerdings auch sein, daß die Finanzminister mit den Auswirkungen ganz zufrieden sind, denn ein schwacher Euro ist gerade für die Problemländer eine riesige Chance, vielleicht wichtiger als niedrigere Zinsen.

  • El Erian sieht die Sequenz der fallenden Dominos interessanterweise etwas anders: Griechenland, irland, Portugal, Spanien, belgien, italien -- also belgien sogar noch vor italien.

  • Der Mann weiß echt nicht, wie das ist, wenn zehn Mann einem die Hosen runterziehen. Aber keine Sorge, das kommt schon noch!

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