Pipeline-Bau
Griechenland verbündet sich mit Russland

Premierminister Kostas Karamanlis will sein Land zur Energidrehscheibe machen und dient sich dafür Gazprom an. Das ist ein weiterer Rückschlag für das europäische-amerikanische Pipeline-Projekt Nabucco, das Europa eigentlich unabhängiger von Russland machen soll.

ATHEN. Griechenland will sich mit einem Einstieg beim russisch-italienischen Gaspipeline-Projekt South Stream als Energie-Korridor in Südosteuropa etablieren - gegen den "Erbfeind" Türkei. Die USA verfolgen die griechischen Pläne mit wachsendem Unbehagen. Denn mit South Stream droht die Abhängigkeit Westeuropas von russischen Gaslieferungen weiter zu wachsen. Das Projekt steht zudem in direkter Konkurrenz zu dem von der EU und den USA politisch geförderten Pipeline-Projekt Nabucco.

Am 29. April will der Athener Premierminister Kostas Karamanlis zu einem Treffen mit Wladimir Putin nach Moskau reisen - dem bereits zweiten in fünf Monaten. Bei dem Besuch hoffen die Griechen, ihre Beteiligung an South Stream in trockene Tücher zu bringen. Bereits im Dezember hatte Karamanlis im Kreml nachhaltiges Interesse seines Landes an dem Projekt angemeldet. Die South Stream-Pipeline soll vom russischen Gasknoten Beregowaja durchs Schwarze Meer zum bulgarischen Varna führen. Dort verzweigt sich die Leitung: Der eine Strang soll über den Balkan nach Österreich verlaufen, der andere über Albanien oder Griechenland nach Italien. Konsortialpartner für das Projekt sind die russische Gazprom und der italienische Energiekonzern Eni.

Die Pipeline soll 2013 in Betrieb gehen und eine Kapazität von 30 Mrd. Kubikmetern pro Jahr haben. Die Baukosten werden auf rund zehn Mrd. Euro veranschlagt. Moskau treibt das Projekt voran, weil die neue Leitung bisherige Transitländer wie die Ukraine und die Türkei umgeht und damit zur Diversifizierung der Exportrouten für Russlands Erdgas beiträgt. South Stream ergänzt insofern das Projekt Nord Stream, die Ostseepipeline, die von Russland direkt nach Deutschland führen soll.

Die Athener Regierung setzt alles daran, dass der südliche Abzweig von South Stream über Griechenland und nicht über Mazedonien und Albanien geführt wird. Dabei geht es den Griechen auch um die Sicherung ihres eigenen Gasbedarfs, der bereits im laufenden Jahr die bestehenden Lieferverträge übersteigen wird. 70 Prozent seines Erdgases bezieht Griechenland aus Russland. Der bestehende Vertrag läuft 2016 aus. Seine Verlängerung steht in engem Zusammenhang mit dem angestrebten Einstieg bei South Stream.

Seite 1:

Griechenland verbündet sich mit Russland

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%