Pipeline eröffnet: Energie-Abkommen schweißen China und Russland zusammen

Pipeline eröffnet
Energie-Abkommen schweißen China und Russland zusammen

Viele Jahre waren die beiden Länder Rivalen. Nun haben sie eine strategische Partnerschaft beschlossen. Aus gutem Grund: China braucht die russischen Öl- und Gaslieferungen, Russland einen großen Absatzmarkt in Asien. Beim Besuch von Präsident Dmitri Medwedew in Peking wurden mehr als ein Dutzend Abkommen besiegelt. Gazprom liefert ab 2015 jährlich 30 Milliarden Kubikmeter Gas.
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HB PEKING. China und Russland verstärken ihre "strategische Partnerschaft" und die Kooperation im Energiebereich. Bei einem dreitägigen Staatsbesuch von Russlands Präsident Dmitri Medwedew in China wurden in Peking mehr als ein Dutzend Abkommen besiegelt. Mit Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao unterzeichnete der Kremlchef eine gemeinsamen Erklärung für eine "umfassende Vertiefung" der strategischen Zusammenarbeit. Beide Präsidenten feierten auch die Eröffnung der ersten Öl-Pipeline zwischen dem größten Ölproduzenten und dem größten Energieverbraucher der Welt. Die Fertigstellung läutet ein neues Kapitel in den Beziehungen ein. Kommerzielle Lieferungen sollen am 1. Januar aufgenommen werden.

Über die Abzweigung der Ostsibirien-Pazifik-Pipeline sollen pro Jahr 15 Millionen Tonnen Öl nach China fließen. Die russische Seite hält auch eine Verdoppelung auf 30 Millionen Tonnen für möglich. Bislang wurden jährlich neun Millionen Tonnen per Bahn exportiert. Beide Seiten hatten 2009 vereinbart, dass Russland für einen Kredit von 25 Milliarden US-Dollar (heute umgerechnet 18,5 Milliarden Euro) bis 2030 insgesamt 300 Millionen Tonnen Erdöl nach China liefern wird. Russland will damit seine Abhängigkeit von europäischen Kunden verringern und neue Märkte in China erschließen. Für China ist die Pipeline wichtiger Teil seiner Strategie, die Energieversorgung und neue Lieferwege für seine rasant wachsende Wirtschaft zu sichern.

Beide Seiten unterschrieben in der Großen Halle des Volkes auch weitere Abkommen zur Ausweitung der Kooperation im Energiesektor, zum Bau von Atomkraftwerken, für die Zusammenarbeit im Bankenbereich und zum Kampf gegen "Terrorismus, Separatismus und Extremismus". Russland wird nächstes Jahr mit dem Bau des dritten und vierten Meilers des Kernkraftwerks Tianwan bei der Stadt Lianyungang in der Provinz Jiangsu beginnen. Russlands Atomkonzern Rosatom ist auch an der Mitarbeit an einer Uran-Anreicherungsanlage in China sowie der Entwicklung eines Schnellen Brüters nahe Peking interessiert.

Der russische Energiekonzern Gazprom hat zudem ein weitreichendes Gas-Lieferabkommen mit China geschlossen. Von Ende 2015 an liefert das staatlich kontrollierte Unternehmen 30 Jahre lang jährlich 30 Milliarden Kubikmeter an die ebenfalls staatliche China Petroleum. Gas mache heute in China erst sieben bis acht Prozent des Energieverbrauchs aus, sagte Russlands Vizepremier Igor Sechin. Deswegen gebe es "keine Grenzen für das Wachstum im Gasverbrauch". China, das zwei Drittel seiner Energie aus Kohle bezieht, will den Anteil von Gas im Energiemix im nächsten Jahrzehnt verdoppeln. Der Verbrauch stieg in den ersten acht Monaten dieses Jahres bereits um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Russland, das über die weltgrößten Gasreserven verfügt, sei Chinas "natürlicher Partner", sagte Sechin.

Der Handel zwischen China und Russland erreichte 2008 mit fast 60 Milliarden US-Dollar einen Höchststand. Nach dem krisenbedingten Einbruch 2009 dürfte das Volumen in diesem Jahr wieder aufschließen. Im ersten Halbjahr wuchs der Handel nach russischen Angaben um 56 Prozent auf 25,5 Milliarden US-Dollar.

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