PISA für Erwachsene

Deutsche sind nur mittelschlau

Lesen und Rechnen gehören nach einer OECD-Studie nicht zu den Spezialitäten der deutschen Bevölkerung. Auch Computer bereiteten vielen Erwachsenen beim PISA-Test Schwierigkeiten. Japaner und Finnen schnitten besser ab.
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Trotz Goethe und Schiller: Lesen können Deutsche auch nur mittelmäßig. Quelle: dpa

Trotz Goethe und Schiller: Lesen können Deutsche auch nur mittelmäßig.

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BerlinErwachsene in Deutschland können im internationalen Vergleich nur mittelmäßig lesen und Texte verstehen. Gleiches gilt für einfache Grundrechenarten wie Prozentrechnen und Dreisatzaufgaben. Dies ergab der erste PISA-Test zum Allgemeinwissen und zu Alltagsfähigkeiten von Erwachsenen in 24 wichtigen Industrienationen der Welt. Die Studie wurde am Dienstag von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Berlin vorgestellt.

Ein beträchtlicher Teil der Erwachsenen hat zudem Probleme beim Umgang mit Computern. So konnten in Deutschland zum Beispiel 12,6 Prozent der Testpersonen keine Computer-Maus bedienen. Von den Erwachsenen, die den Computer-Test machten, waren die meisten lediglich in der Lage, einfache Probleme zu lösen, wie zum Beispiel das Einsortieren von E-Mails in bereits angelegte Ordner. Komplexere Aufgaben wie das Navigieren über Webseiten und eigenständige Problemlösungen in mehreren Schritten beherrschten dagegen nur 36 Prozent.

Spitzenwerte im Lesen wie im Rechnen erreichten Erwachsene in Japan und Finnland. Im Schnitt haben die 16- bis 65-Jährigen in diesen beiden Ländern gegenüber Gleichaltrigen in Deutschland einen Kompetenzvorsprung, der einer Lernleistung von vier bis fünf Schuljahren entspricht.

Die Zahl der „Spitzenleser“, die mit ihren Leistungen die höchsten Kompetenzstufen auf der Skala erreichen, ist in Deutschland geringer als im OECD-Schnitt. Die Zahl der Leistungsschwächsten, die nur kurze Texte mit einfachem Vokabular verstehen, ist hingegen in der Bundesrepublik etwas größer als im Schnitt der anderen Industrienationen. Im Rechnen erreicht Deutschland etwas bessere Werte - knapp über dem OECD-Schnitt.

Soziale Herkunft entscheidet
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31 Kommentare zu "PISA für Erwachsene: Deutsche sind nur mittelschlau"

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  • @SayTheTruth
    Haben es die Deutschen auf den von Ihnen beschriebenen Gebieten wenigstens zu Experten gebracht?

    Gibt es da auch schon Studienergebnisse?

  • 'netshadow' sagt
    --------------------
    Naja, mit dieser Argumentation hätte kein Amerikaner nie einen Nobelpreis gewonnen.
    --------------------

    Au Weia!

    Schon 'mal was von doppelter Verneinung und ihrer Bedeutung gehört?

    Oder sollte das ein Witzchen sein?

  • @hermann.12

    ' Ein weiterer Grund mag sein, das eine Anpassung '
    ' ein Desaster, von dem ich glaube, das es uns letztlich '

    ....wie du selber richtig sagst: üben, üben, üben....

    Siehe auch Bemerkung von 'sprachqualitaet'

  • Im Artikel ist von Mängeln beim Allgemeinwissen von Erwachsenen die Rede. Herausgestrichen wird aber, daß es sich dabei um Defizite in der Grundbildung handelt. Lesen und Schreiben, Beherrschung der Grundrechenarten und vor allem Textverständnis. Texte gibt es in mündlicher und in schriftlicher Form. Bevor ich einen schriftlichen Text verstehen kann, muß ich gelernt haben, einen mündlichen Text zu verstehen. Texte bestehen aus Sprache, nicht nur aus Wörtern und Sätzen, und Sprache erschließt die Welt in allen ihren Beziehungen und Verhältnissen zwischen Menschen und Dingen; deshalb hat Sprache etwas mit Wissen zu tun. Der Spracherwerb, die Fähigkeit Texte und die Weltverhältnisse zu verstehen, die sich in ihnen abbilden, erfolgt in der Hauptsache zwischen der Geburt und dem 4. Lebensjahr eines Kindes, also lange bevor es in die Schule kommt und dort auch alphabetisiert wird. Wer also in diesem Lebensalter das Entsprechende nicht gelernt hat, wird es in der Schule schwer haben. Die Schule kommt in diesen Fällen immer schon zu spät. Die Sprachförderung muß viel früher einsetzen: Gespräche, Geschichtenerzählen, Kinder berichten lassen, was sie erlebt haben, sie anregen, sich sprachlich-kommunikativ auszudrücken usw. In den Zeiten, bevor es Fernsehen, Video, Musikkassetten, Computerspiele usw. gab, hat man das auch in vielen "bildungsfernen" Familien gemacht, z.B. einfach schon dann, wenn die Familie zusammensaß oder zusammen arbeitete. Dieser Spracherwerb und das dadurch ausgebildete Verständnis für Texte erfolgt unter den Menschen, in deren Gruppe man aufwächst, von Angesicht zu Angesicht. Die gute Nachricht ist, unser Gehirn ist lebenslang lernfähig: Man muß mit der Sprache und ihrer Art sich in Texten auszudrücken, mittzuteilen und darzustellen beginnen, dann können auch Erwachsene noch Lesen und Schreiben sowie Rechnen lernen. Mit Blick auf die Kinder: Der Schulerfolg setzt das alles voraus. Also eine Aufgabe der Erachsenen, bei denen Kinder aufwachsen.

  • @ juhoh
    '...und man unterstellt das er nichts vergessen hat,...'
    '... und auch nicht bei dem Lehrpersonal, dass Problem ist im ...'

    ...der Leidensweg der Deutschen Muttersprache....

    Siehe auch Bemerkung von 'surveyor'....weiter oben...

  • Die Überschrift verharmlost das eigentliche Dilemma. Die Studie gibt nicht vollständig wieder, wie schlau die deutsche Bevölkerung ist, sondern sie gibt den Bildungsstand wieder, den unser Bildungssystem an unsere Erwachsenen weiter gegeben hat. Und da sieht es mau aus.

    Unser Schulsystem legt es doch geradezu an, eine möglichst hohe Schülerzahl so schnell wie möglich auszusortieren, sprich auf die Hauptschule zu schicken. 4 Jahre Grundschule und dann wird die angebliche Spreu vom Weizen getrennt. Dass dabei vielen Kinder aus sozial schwachen Schichten der weitere Lebensweg verbaut wird, ist eine Tatsache für die sich unser Land schämen sollte.

    Warum ist unsere Politik nicht bereit, von den erfolgreichen Schulsystemen in Europa zu lernen und sich z.B. Finnland zum Vorbild zu nehmen? Dort gibt es in den ersten 6 Jahren keine Noten sondern nur eine regelmäßige Beurteilung durch die Lehrer, die aber nur an die Eltern gegeben werden. Kinder mit Lerndefiziten werden gezielt gefördert, die Klassen sind klein und es wird alles getan, den Stress aus dem Schulalltag heraus zu halten.
    Der Erfolg gibt den Finnen doch recht und wir sollten deren System zumindest teilweise übernehmen.

    Viele Jugendliche und Erwachsene dürften auch mit dem Angebot an Information/ Desinformation durch das im Internet überfordert sein.

    Wo schreibt der Lobbyist? (Der schreibt unbelehrbar immer wieder das Gleiche in eine Richtung, kennt sich aber sich in der Sache aus)
    Wo schreibt der Paranoide? (Der schreibt auch völlig unbelehrbar immer wieder das Gleiche in eine Richtung aber er schriebt völlig haltlosen Schwachsinn)
    Welches Lexikon vermittelt Information? (Erkennt man an neutralen, nachprüfbaren Quellenangaben)
    Welches Lexikon betreibt Geschichtsklitterung und desinformiert? (Erkennt man daran, dass Forscher und Wissenschaftler als Volltrottel dargestellt werden)

    Um autodidaktisch etwas zu lernen, bedarf es schon einer gewissen Grundbildung. Sonst wird die Weiterbildung zur Missbildung.

  • @Thilo-Sarrazin,

    mir erscheint das zu einfach. Gegen die Immigratation ist im Prinzip nichts zu sagen.
    Aber wie sie schon sagen erfordert das eine konsequente Umsetzung.
    Entweder Vorauswahl bei der Einwanderung oder entsprechende obligatorische Bildungswege, die die gravierendsten Defizite beseitigt.
    Aber das wäre eben nicht billig gewesen und dann kann man sich auch nicht so billig ohne Anstrengung auf das Podest "human und sozial" stellen.

    H.

  • @netshadow
    'gut, das... ' ein weiterer Beweis: leider immer häufiger im HB- blog (statt: gut, dass...)

  • @juhoh,

    Sie haben Recht, aber das sagt wenig über Bildung und Qualifikation aus. Das spezielle theoretische Wissen nimmt zu, das Allgemeinwissen und Grundfertigkeiten nehmen ab. Das bedeutet, das der Anteil des Wissens, der später mit der Fach- oder Berufswahl keine Anwendung mehr findet an den Schulen einen immer größeren Raum einnimmt.

    H.

  • Ich habe diese Katastrophe doch schon vor Jahren vorhergesagt. Man wollte mir nicht glauben: aufgrund der Massenmigration in Deutschland verblödet dieses Land immer mehr. Qualifizierte Zuwanderung ist hier dank der Linken Gleichmacherei und der Grünen Ökoblödel nicht mehr erwünscht.

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