0 Bewertungen
22.02.2008 

„Putin“, räsoniert Margolis, „hat seiner Heimatstadt viel Geld für die dringend nötige bauliche Instandhaltung gebracht. Aber er hat auch dem Moskauer Kapital den Weg geebnet, das hier mit Hochhäusern ins geschützte Ensemble eindringen will.“ Die Petersburger danken es Putin süffisant mit Sauergurken in Konserven, deren Etikett der Name Putin schmückt – das T in der Form des Schwertes im Wappen des KGB.

Dennoch ist die Kulturhauptstadt Russlands unter Putin zur Metropole des Mittelstands geworden: Überall haben findige Unternehmer Kellerlokale eröffnet, die Kaufhausdichte kann mit der Prags und Warschaus mithalten. Und das immer auch als Arbeiterstadt bekannte Petersburg, um das inzwischen auch Auslandsinvestoren wie Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte, Toyota und Ford mit ihren Fabriken angesiedelt haben, hat noch etwas hervorgebracht: Ausgerechnet bei Ford zwangen monatelange Lohnstreiks erstmals in Russland einen Großkonzern zu Einkommenssprüngen.

Noch gewaltiger allerdings sind die Sprünge der Immobilienpreise: Durchschnittlich 2 320 Dollar werden pro Quadratmeter im gewöhnlichen Etagenbau und 7 150 Dollar in als elitär eingestuften Neubau-Lagen verlangt.


Russlands Schaufenster zum Westen

Niedergang

Zwar nahm hier die Revolution 1917 ihren Ausgang, doch die Boleschewiki nahmen St. Petersburg den Rang der Hauptstadt ab. Fortan verkümmerte die in Leningrad umbenannte Stadt als westlicher Außenposten, die Prachtbauten zerfielen.

Aufstieg

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erhielt St. Petersburg seinen alten Namen zurück und wurde zur Hochburg der liberalen Reformpolitiker.

Heimat der Macht

Nahezu die gesamte russische Führungsriege im Umfeld von Präsident Wladimir Putin stammt aus St. Petersburg. Die meisten lernten sich bereits in den 90er Jahren als Mitarbeiter des damaligen Bürgermeisters Anatolij Sobtschak kennen. Auch Putins designierter Nachfolger, Dmitrij Medwedjew, stammt aus diesem Umfeld.

Wirtschaftsstandort

Die großen Hoffnungen, zur Wirtschafts- und Finanzmetropole zu werden, haben sich zwar noch nicht erfüllt. Doch haben sich zuletzt Auslandsinvestoren wie Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte, Toyota und Ford hier angesiedelt.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Jörg Haider: Die Ikone der Rechten

    Jörg Haider: Die Ikone der Rechten

    Eben haben sie noch ihren Wahlerfolg gefeiert, jetzt herrscht tiefe Trauer: Mit dem plötzlichen Unfalltod von Jörg Haider hat Österreichs Rechte ihre Führungsfigur verloren. Der Rechtpopulist war einer der schillerndsten und umstrittensten Politiker Europas. Das Leben ...Bildergalerie 

  • Finanzkrise: Misstrauen durchdringt all...

    Finanzkrise: Misstrauen durchdringt alle Bereiche

    Keine Frage, die Finanzkrise, die wir derzeit erleben, ist außergewöhnlich. Alle Vergleiche mit vorherigen Wirtschaftskrisen hinken. Und das Vertrauen ist zerstört, wie ein Blick auf wichtige Indikatoren des Finanzmarktes zeigt.Bildergalerie 

  • Hier versickern unsere Steuergelder

    Hier versickern unsere Steuergelder

    Ein Schwimmbad, das niemand nutzt. Gratis-Fitness für städtische Angestellte. Staatliche Tipps zum Umgang mit Wölfen ("Sie sind keine Kuscheltiere") – das neue "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler listet wieder die krassesten Fälle öffentlicher Verschwendung auf.Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Die Griechen rufen in der Krise nach dem Staat 

10.10.2008Global Reporting

Heute veröffentlicht die Athener Zeitung Kathimerini eine Meinungsumfrage zur Finanzkrise. Das Ergebnis: die Griechen sind besorgt, verfallen aber bisher nicht in Panik. 76 Prozent der Befragten sagen, sie seien „sehr“ oder „ziemlich beunruhigt“. Nur sechs Prozent lässt die Krise kalt. Blog


weiterMadagaskar

Amerikas nächster Finanzminister 

09.10.2008Madagaskar

Wenig beachtet wurde, dass Barack Obama und John McCain beim TV-Duell ihre Favoriten für das Amt des Finanzministers genannt haben. Doch keine Angst, weder Meg Whitmann noch Warren Buffet werden das derzeit wenig begeehrte Amt erben. Blog