„Putin“, räsoniert Margolis, „hat seiner Heimatstadt viel Geld für die dringend nötige bauliche Instandhaltung gebracht. Aber er hat auch dem Moskauer Kapital den Weg geebnet, das hier mit Hochhäusern ins geschützte Ensemble eindringen will.“ Die Petersburger danken es Putin süffisant mit Sauergurken in Konserven, deren Etikett der Name Putin schmückt – das T in der Form des Schwertes im Wappen des KGB.
Dennoch ist die Kulturhauptstadt Russlands unter Putin zur Metropole des Mittelstands geworden: Überall haben findige Unternehmer Kellerlokale eröffnet, die Kaufhausdichte kann mit der Prags und Warschaus mithalten. Und das immer auch als Arbeiterstadt bekannte Petersburg, um das inzwischen auch Auslandsinvestoren wie Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte, Toyota und Ford mit ihren Fabriken angesiedelt haben, hat noch etwas hervorgebracht: Ausgerechnet bei Ford zwangen monatelange Lohnstreiks erstmals in Russland einen Großkonzern zu Einkommenssprüngen.
Noch gewaltiger allerdings sind die Sprünge der Immobilienpreise: Durchschnittlich 2 320 Dollar werden pro Quadratmeter im gewöhnlichen Etagenbau und 7 150 Dollar in als elitär eingestuften Neubau-Lagen verlangt.
Russlands Schaufenster zum Westen
Niedergang
Zwar nahm hier die Revolution 1917 ihren Ausgang, doch die Boleschewiki nahmen St. Petersburg den Rang der Hauptstadt ab. Fortan verkümmerte die in Leningrad umbenannte Stadt als westlicher Außenposten, die Prachtbauten zerfielen.
Aufstieg
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erhielt St. Petersburg seinen alten Namen zurück und wurde zur Hochburg der liberalen Reformpolitiker.
Heimat der Macht
Nahezu die gesamte russische Führungsriege im Umfeld von Präsident Wladimir Putin stammt aus St. Petersburg. Die meisten lernten sich bereits in den 90er Jahren als Mitarbeiter des damaligen Bürgermeisters Anatolij Sobtschak kennen. Auch Putins designierter Nachfolger, Dmitrij Medwedjew, stammt aus diesem Umfeld.
Wirtschaftsstandort
Die großen Hoffnungen, zur Wirtschafts- und Finanzmetropole zu werden, haben sich zwar noch nicht erfüllt. Doch haben sich zuletzt Auslandsinvestoren wie Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte, Toyota und Ford hier angesiedelt.


