Pjöngjang-Mission
Zahlte Bill Clinton in Korea zu hohen Preis?

Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat auf seiner Vermittlungsreise nach Pjöngjang die Freilassung der beiden in Nordkorea inhaftierten US-Journalistinnen erreicht. Noch bevor Clinton mit den beiden in der Heimat eintraf, entbrannte eine Diskussion darüber, welchen politischen Preis die USA für die Befreiung zahlen mussten.

WASHINGTON. So hatte Nordkoreas Diktator Kim Jong-Il den Besuch ausgiebig zur Selbstdarstellung genutzt. Aus der Aufwartung, die Washington Nordkorea machte, könnte das kommunistische Regime eine neue Legitimation ableiten oder Zugeständnisse beim Atomprogramm fordern, so die Kritik.

Am deutlichsten meldete sich dazu John Bolton zu Wort, der unter George W. Bush als Uno-Botschafter diente. In einem Meinungsbeitrag für die "Washington Post" fragte er, ob die Regierung mit Clintons Reise nun das Prinzip über Bord geworfen habe, nicht mit Terrorstaaten zu verhandeln. Bolton bezweifelt, dass der Nutzen die Kosten der diplomatischen Offerte übersteigt. Er fragt zudem, ob sich Bill Clinton nun nicht auch gleich nach Teheran aufmachen müsse, wo drei US-Touristen festsitzen, die kürzlich vom Irak aus auf iranisches Territorium geraten waren.

Offenbar wurden die Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee, die im März für den Fernsehsender Current TV an der Grenze zwischen China und Nordkorea unterwegs waren, von Beginn an vom nordkoreanischen Regime als Trumpfkarten betrachtet. So wurden die beiden zwar im Juni wegen "Beleidigung Nordkoreas" zu je zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt, doch mussten sie die Strafe nie antreten. Stattdessen waren sie in einem Gästehaus in der Nähe der Hauptstadt untergebracht. Pjöngjang seinerseits machte klar, dass es im Austausch für die Freilassung der beiden einen hochrangigen Besucher aus Washington erwartete.

Die US-Regierung hatte mehrere Kandidaten für die Vermittlungsreise im Auge, etwa den früheren demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry, den Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, und den Ex-Botschafter in Südkorea, Donald Gregg. Dass die Wahl auf Clinton fiel, hatte vor allem mit dessen guten Beziehungen zu Nordkorea zu tun, die aus seiner Amtszeit als Präsident stammen. In den 90er-Jahren hatten Pjöngjang und Washington sich auf einen Stopp des Ausbaus des nordkoreanischen Atomreaktors Yongbyon geeinigt und ihr frostiges Verhältnis entspannt. Seither wird Clinton in Nordkorea verehrt. Als Ehemann von US-Außenministerin Hillary Clinton kommt ihm zudem aus Pjöngjangs Sicht fast ein offizieller Status zu.

Tatsächlich war Hillary Clinton tief mit dem Fall und möglichen Auswegen befasst. Nach Darstellung der "New York Times" hatte sie die Entsendung von Ex-Vizepräsident Al Gore vorgeschlagen. Da dieser aber Chef von Current TV ist, für den die Inhaftierten arbeiteten, wurde diese Idee wieder verworfen. Die Rückkehr der Reporterinnen in die USA war eine Vorbedingung für Clintons 20-Stunden-Visite. Im Gegenzug posierte der Ex-Präsident mit Nordkoreas Diktator auf einem Gruppenbild.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%