Pjöngjang
Nordkorea feuert erneut Raketen ab

Fünf Raketenstarts in knapp vier Wochen - Nordkorea zeigt militärische Stärke. Die US-Militärs reagieren besorgt, denn immer stärker erscheinen US-Truppen oder gar die USA als mögliche Ziele.
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SeoulDas Wort „Raketentest“ ist im Falle von Nordkoreas Raketenprogramm schon lange nicht mehr zutreffend. Das Stakkato von Raketenstarts, mit dem Nordkorea seit Monaten für Unruhe in Nordostasien sorgt, sehen Experten inzwischen mehr als militärische Übungen als das Ausprobieren neuer Technik. Die jüngste Salve vom Donnerstagmorgen stärkt diesen Eindruck.

Nach Angaben südkoreanischer Militärs feuerte der Norden an seiner Ostküste mehrere Boden-Schiff-Raketen in Meer. Es handelte sich um den fünften bekannten Test, seit Südkoreas Präsident Moon Jae-in Anfang Mai sein Amt angetreten hat.

Auf den ersten Blick war der erneute Verstoß gegen das Startverbot der Vereinten Nationen für Nordkoreas ballistische Raketen nur eine kleine Provokation. Lediglich 200 Kilometer weit flogen die Raketen. Aber die Entfernung ist in diesem Fall nicht entscheidend. Es handelt sich vielmehr um eine erneute Warnung an die USA, dass der Norden die USA zu See oder auch in der Ferne an Land angreifen kann.

Auch auf der Langstrecke macht das Land Fortschritte

Es ist nicht schwer, sich die imaginären Ziele der neuen Salve vorzustellen: Zwei US-Flugzeugträger, die US-Präsident Donald Trump als Machtdemonstration zur koreanischen Halbinsel geschickt hat. Und dies ist nicht alles: Bei einem vorherigen Schuss ins Wasser feierte Nordkorea die Genauigkeit seiner Raketen. Sie hätten das angepeilte Ziel nur um sieben Meter verpasst, so Nordkoreas Militärs.

Auch auf der Langstrecke macht das Land Fortschritte. Im Mai schoss der Norden eine Rakete steil in den Himmel und feierte danach den erfolgreichen Wiedereintritt einer Sprengkopfattrappe in die Erdatmosphäre. Dies wurde von westlichen Experten als wichtiger Schritt in der Entwicklung von Interkontinentalraketen gesehen, die Nordamerika erreichen können.

Der amerikanische Vize-Admiral James Syring, der für die Raketenabwehr der USA zuständig ist, erklärte am Mittwoch vor dem Verteidigungsausschuss des US-Repräsentantenhauses sogar, dass es inzwischen für das US-Militär obligatorisch sei, von einer direkten atomaren Bedrohung der USA durch Nordkorea auszugehen.

Er würde nicht sagen, dass die USA komfortabel der Bedrohung voraus seien, gab Syring zudem zu Protokoll. Nordkoreas Fortschritte in den vergangenen sechs Monaten würden ihn und andere sehr besorgen.

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Zumindest die Rhetorik hat sich beruhigt

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