Plädoyer der Verteidigung
Wikileaks-Informant Manning war ein naiver Idealist

Für den Staatsanwalt ist Bradley Manning ein Verräter. Die Verteidigung porträtiert ihn als einen naiven Gutmenschen. Jetzt muss das US-Militärgericht entscheiden.
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Fort MeadeLetzter Akt im US-Militärprozess gegen Bradley Manning: Seine Verteidigung betonte am Freitag, der mutmaßliche Wikileaks-Informant sei ein Idealist, der den USA nicht schaden wollte. Oberstes Ziel des 25-jährigen US-Obergefreiten sei es gewesen, Kriegsgräuel im Irak zu enthüllen „und damit weltweite Debatten und Reformen auszulösen“. Manning sei „ein junger Mann, naiv, aber mit guten Absichten“, sagte Verteidiger David Coombs in seinem Schlussplädoyer vor dem Militärgericht in Fort Meade bei Washington.

Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft Manning zuvor als Verräter bezeichnet, der den USA habe schaden wollen. Ein Urteil wird in Kürze erwartet, möglicherweise bereits am Wochenende. Über das Strafmaß wird erst später entschieden. Manning droht eine lange Haftstrafe.

Die Verteidigung zeigte im Schlussplädoyer ein Video, das Manning 2010 an Wikileaks weitergegeben haben soll: Zu sehen ist ein brutaler Armee-Einsatz im Irak, bei dem Soldaten von einem US-Kampfhubschrauber aus Zivilisten und Journalisten töteten. Coombs stellte die rhetorische Frage: „Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie als 22-Jähriger ein solches Video sehen?“ Manning hatte bereits gestanden, als Soldat im Irak 2010 Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht zu haben.

Das Verfahren ist der erste große Prozess gegen einen Whistleblower in den USA. Der schwerste Anklagepunkt lautet „Unterstützung des Feindes“, wofür die Todesstrafe droht. Die Staatsanwaltschaft hatte aber bereits vor dem Prozess signalisiert, dass sie diese nicht fordern will.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag rund fünf Stunden lang gesprochen - und erneut schwerste Vorwürfe an Manning gerichtet. „Er war kein Whistleblower, er war ein Verräter (...).“ Manning habe um den Wert der weitergereichten Dokumente für den Feind gewusst, sagte Staatsanwalt Ashden Fein. „Er war keine bedrängte junge Seele, er war ein entschlossener Soldat mit dem Wissen, der Fähigkeit und dem Willen, den USA und deren Kriegsanstrengungen zu schaden.“

Das Verfahren könnte als Präzedenzfall für weitere Whistleblower dienen - etwa für Wikileaks-Chef Julian Assange und den Geheimdienst-Enthüller Edward Snowden. Assange hält sich seit längerem in der Londoner Botschaft Ecuadors auf, Snowden im Transitbereich eines Moskauer Flughafens. Die USA wollen beide unbedingt vor Gericht stellen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Plädoyer der Verteidigung: Wikileaks-Informant Manning war ein naiver Idealist"

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  • In Nürnberg saßen u.a. auch diejenigen Deutschen (moralisch) mit vor Gericht, die sich nicht gegen das Unrecht gestemmt hatten, von dem sie Kenntnis hatten - des Mitläufertums angeklagt.

    Manning hingegen hat das Unrecht/Kriegsverbrechen von dem er Kenntnis hatte an die Öffentlichkeit gebracht und ist.... ein Verräter?

    Das ist offenbar das Justizverständnis eines totalitären Staates. Freislers Gerichtshof läßt grüßen - alle Zutaten zu einer totalitären Gesellschaft sind im "Land of the free (and the not so brave)" mittlerweile angerichtet.

    Die USA sind mittlerweile derart heruntergekommen, daß sich die Verfassungsväter im Grab herumdrehen würden.

    "Die Pflicht eines wahren Patrioten ist, sein Land vor der Regierung zu schützen" Thomas Paine, Verfassungsvater

    "Der Baum der Freiheit muß von Zeit zu Zeit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen begossen werden. Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger." Thomas Jefferson, Verfassungsvater und späterer US-Präsident.

    "Diejenigen, die bereit sind grundlegende Freiheiten aufzugeben, um ein wenig kurzfristige Sicherheit zu erlangen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit." Benjamin Franklin, Verfassungsvater

  • “ Manning habe um den Wert der weitergereichten Dokumente für den Feind gewusst, sagte Staatsanwalt Ashden Fein. „

    Was für ein Feind?
    Die Vorgehensweise erinnert immer mehr an die Abverurteilung der Dissidenten und Regimegegner im Nazideutschland!
    Also betrachtet die US-Regierung jedes andere Demokratische Land als Feind! Das sagt doch schon alles!

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