Pläne sollen mit USA abgestimmt sein
Zeitung: Israel übt Angriff auf Iran

Israelische Soldaten üben laut einem Zeitungsbericht Angriffe auf iranische Atomanlagen, sollten die diplomatischen Verhandlungen über eine Aufgabe dessen Atomprogramms scheitern. Die Regierung in Jerusalem dementierte die Meldung umgehend.

HB LONDON. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon und die wichtigsten Mitglieder seines Kabinetts hätten bereits im Februar während eines privaten Treffens eine erste Genehmigung für einen einseitigen Angriff gegeben, berichtete die Londoner „Sunday Times“. Überfälle von Spezialkommandos und Luftangriffe seien vorgesehen, um iranische Atomeinrichtungen und unterirdische Anlagen zu zerstören. In den vergangenen Monaten hätten sich die israelischen Streitkräfte bereits mit Simulationen darauf vorbereitet. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte dagegen am Abend im US-Fernsehen, sie kenne keine derartigen Pläne. Auch Israels Vize-Ministerpräsident Schimon Peres sagte, er denke nicht, dass die Möglichkeit eines israelischen Angriffs auf den Iran bestehe.

Der Iran hatte für die Zeit der laufenden Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) seine Uran-Anreicherung ausgesetzt. Bei dem Anreicherungsprozess entstehendes Material kann auch für die Herstellung von Atombomben genutzt werden. Die nicht an den Verhandlungen beteiligten USA verdächtigen die Führung in Teheran, heimlich nach Atomwaffen zu streben. Der Iran hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die USA haben dem Zeitungsbericht zufolge angedeutet, den israelischen Plänen nicht im Wege zu stehen, falls die diplomatischen Bemühungen den Iran nicht zum Umdenken brächten. „Wenn alle Anstrengungen den Iran zu überzeugen, seine Pläne zur Atomwaffenproduktion fallen zu lassen, scheitern sollten, wird die US-Regierung Israel einen Angriff erlauben“, zitierte die „Sunday Times“ israelische Sicherheitskreise.

Rice bekräftigte dagegen das Interesse ihres Landes an einer diplomatischen Lösung. „Der Präsident schließt natürlich keine seiner Optionen aus, aber ich denke, er hat sehr klar gesagt, dass dieses Problem aus unserer Sicht diplomatisch gelöst werden kann“, sagte sie dem US-Fernsehsender CBS. Erst am Freitag hatten die USA dem Iran wirtschaftliche Anreize im Gegenzug für einen Verzicht auf sein Atomprogramm angeboten. Darunter sind eine Mitgliedschaft des Irans in der Welthandelsorganisation (WTO) und der Verkauf von Ersatzteilen für zivile Flugzeuge an das Land.

Die im Namen der EU verhandelnden Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien erklärten zugleich, sie seien mit einer Einschaltung des UN-Sicherheitsrates einverstanden, falls der Iran seine Uran-Anreicherung wieder aufnehme. Der Sicherheitsrat kann Sanktionen gegen den Iran verhängen - ein Schritt, den die EU-Staaten mit ihren Verhandlungen verhindern wollen.

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